Neue BAMF-Chefin: Merkels Asyl-Managerin

Neue BAMF-Chefin: Merkels Asyl-Managerin

, aktualisiert 12. Januar 2017, 14:08 Uhr
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Die neue BAMF-Chefin Jutta Cordt und Vorgänger Frank-Jürgen Weise.

von Frank SpechtQuelle:Handelsblatt Online

Jutta Cordt heißt die neue Chefin des Flüchtlingsamtes BAMF. Die künftige Flüchtlingspolitik bestimmt ihr künftiges Arbeitspensum. Viel Zeit für ihr Hobby bleibt der 53-Jährigen auf jeden Fall nicht.

BerlinJutta Cordt ist jetzt die oberste Asylmanagerin Deutschlands. Aber eine Positionierung zur Flüchtlingspolitik darf man von ihr nicht erwarten. Ob sie es richtig finde, dass junge Asylbewerber aus einer Ausbildung heraus abgeschoben werden, will der Interviewer vom Bayerischen Rundfunk von der neuen Chefin des Nürnberger Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wissen. Die Antwort der Parteilosen: „Das ist eine Entscheidung, die politisch zu treffen ist, und die mir als Leiterin der Behörde nicht zusteht.“

Cordt setzt um, was die Bundesregierung ihr vorgibt. Hauptaufgabe der 53-jährigen Juristin wird dabei die Integration der rund 1,2 Millionen Flüchtlinge sein, die in den zurückliegenden zwei Jahren nach Deutschland gekommen sind. Aufbauen kann sie dabei auf der Arbeit ihres Vorgängers Frank-Jürgen Weise, der das anfängliche Flüchtlingschaos seit Herbst 2015 in einigermaßen geordnete Bahnen gelenkt hatte. So haben die Mitarbeiter des BAMF im abgelaufenen Jahr knapp 696.000 Asylverfahren entschieden – rund zweieinhalb Mal so viele wie im Vorjahr. Bei Neuanträgen dauert ein Verfahren im Schnitt noch rund drei Monate; sieht man von den Altfällen ab, ist das politische Ziel bereits erreicht. Inzwischen trifft das BAMF Monat für Monat mehr Entscheidungen, als neue Anträge gestellt werden. „Die Entwicklung des BAMF ist eine Erfolgsgeschichte“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Donnerstag bei der feierlichen Verabschiedung des Behördenchefs.

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Sein Ziel, den aufgelaufenen Antragsstau bis Ende vergangenen Jahres abzuarbeiten, hat Weise, der dem BAMF als Berater verbunden bleibt, allerdings nicht erreicht. In Cordts Behörde stapeln sich zum Jahresbeginn noch 434.000 unerledigte Fälle. Dass ihren Mitarbeitern, deren Zahl von anfänglich 2.500 fast vervierfacht wurde, schon bald die Arbeit ausgehen könnte, muss die zierliche Frau mit der dunklen Kurzhaarfrisur also nicht fürchten.

Für die Herausforderungen, die noch auf sie warten – vor allem die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt – ist die in der Ruhrpott-Stadt Herne geborene Juristin bestens gerüstet. Nach einem Rechtsreferendariat in den USA verbrachte sie fast ihr gesamtes bisheriges Berufsleben in der Arbeitsverwaltung. Nach Abteilungsleiterjobs in den Arbeitsämtern Duisburg und Hagen wechselte Cordt in die Nürnberger Zentrale der Bundesagentur für Arbeit (BA). Sie wirkte in der Geschäftsstelle der Hartz-Kommission , die Gerhard Schröders Arbeitsmarktreformen vorbereitete und anschließend zurück in die Arbeitsverwaltung, diesmal nach Ravensburg. Seit 2003 leitete Cordt, die mit einem BA-Kollegen verheiratet ist, verschiedene Regionaldirektionen der Arbeitsagentur, erst im Saarland, dann in Sachsen, zuletzt in Berlin-Brandenburg. Seit Oktober 2015 arbeitete Weise, mit dem Cordt seit 15 Jahren eng zusammenarbeitet, seine Nachfolgerin beim BAMF ein.


„Nur hinten mitfahren find ich langweilig.“

Für Innenminister de Maizière ist die erfahrene Verwaltungsmanagerin eine Idealbesetzung an der Spitze der Flüchtlingsbehörde. Sie könne Verfahren beschleunigen und Menschen integrieren, wie sie in ihrer BA-Zeit bewiesen habe, lobte der Innenminister. Sie habe schon während ihrer Einarbeitungszeit „Mut und Tatkraft bewiesen, sagte de Maizière – „zwei der wichtigsten Voraussetzungen, um dieses Amt zu leiten“. Dass Cordt durchaus gerne zeigt, wo es langgeht, hat sie nicht nur in ihren bisherigen Jobs, sondern auch in ihrer Freizeit bewiesen. Zunächst saß sie als Sozia auf dem Motorrad ihres Mannes. Doch irgendwann kaufte sie sich ihre eigene Moto Guzzi: „Nur mitfahren hinten fand ich langweilig.“

Für ihr Hobby bleibt künftig aber noch weniger Zeit als bisher schon. Schon die Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge wird die Verwaltungsexpertin künftig genug einspannen. Auf längere Sicht wird sie sich aber wohl auch mit der beruflichen Zukunft vieler ihrer eigenen Mitarbeiter beschäftigen müssen. Auf rund 10.000 Beschäftigte ist ihre Behörde mittlerweile angewachsen. Zu viele, wenn in nicht allzu ferner Zukunft der Antragsstau abgearbeitet sein wird und die Flüchtlingszahlen dauerhaft so niedrig bleiben wie zurzeit. Weise hatte BAMF-Mitarbeitern, die nur befristet eingestellt wurden, eine Wechselmöglichkeit in die BA in Aussicht gestellt.

Vielleicht werden die vielen Asylentscheider aber irgendwann doch wieder gebraucht, sollten die Flüchtlingszahlen wieder anschwellen. Dass im vergangenen Jahr nur 280.000 Asylsuchende nach Deutschland gekommen seien, liege vor allem am EU-Türkei-Abkommen und an der geschlossenen Balkanroute, hatte de Maizière diese Woche erklärt. Offen ist aber, wie lange der Türkei-Deal hält und wie viele Flüchtlinge auf die gefährliche Mittelmeerroute ausweichen. In beiden Fällen ist es zuerst die Politik, die handeln muss. Cordts Behörde wird gerüstet sein – wie auch immer die Entscheidung in Berlin ausfällt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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