kolumneSchlusswort: Die Wirtschaft ist eine Scheibe

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Es geht um die Daten, die diese Maschinen sammeln, um daraus flugs das nächste Geschäftsmodell zu erfinden.

Kolumne von Miriam Meckel

Plattformstrategien entscheiden über die Zukunft des industriellen Internets.

„Wir sind das Volk“– so klangen bislang die Anfänge einer Revolution. Wenn Menschen sich aufmachen, ein System zu verändern. „Wir sind die Plattform“, so klingt es heute. Wenn Technologie sich aufmacht, die Wirtschaft zu verändern. Revolutionen werden nicht mehr ausgerufen, niemand geht mehr auf die Straße. Wir gehen ins Internet, und der Umsturz ist längst da.

Die nächste Revolution, das ist der Wandel der Wirtschaft von der Materie, die vom Menschen geformt wurde, über die Materie, die von der Maschine geformt wurde, hin zu den Daten, die die Menschheit formen. Daten sind das neue Öl, der Spruch ist schon so alt, dass man ihn schon fast wieder vergessen hatte. Aber er stimmt. Nur anders als gedacht. Es geht nicht nur darum, dass Daten einen Wert haben und handelbar werden. Sie werden das Schmiermittel für alle Geschäftsmodelle der Zukunft.

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In der vergangenen Woche sind wir mit einer Wirtschaftsdelegation der WirtschaftsWoche in New York und Boston gewesen, um das genauer zu verstehen. Es ist faszinierend, zuweilen auch beklemmend, wie konsequent die Amerikaner sich Richtung Plattform aufmachen. Im Endkundengeschäft kennen wir das längst. Niemand aus Europa kann derzeit Amazon, Google oder Facebook den Rang ablaufen im Geschäft mit den Kundendaten, der zielgenauen Werbung und der Vernetzung von immer mehr Lebensumfeldern in einem integrierten Datennetz. Beim industriellen Internet, so bislang die These, sieht es anders aus. Da zehrt Deutschland von der Stärke seiner Industriegeschichte, einer mittelständischen Wirtschaft, die Weltmarktführer hervorgebracht hat. Wir sind die Meister in Fertigungstechnik und Fertigungstiefe. Niemand muss Angst haben, dass uns die Amerikaner die Kompetenz in Industriemaschinen streitig machen.

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Um die Maschinen geht’s aber nicht. Die wird uns schon keiner streitig machen. Es geht um die Daten, die diese Maschinen sammeln, die auf einer eigenen Plattform aggregiert werden, um daraus flugs das nächste Geschäftsmodell zu erfinden. Wie sagte der CEO eines Industrieunternehmens in Boston: „Wir nutzen unser Produkt als trojanisches Pferd.“ Ist das erst einmal drin in den Industrieanlagen, werden alle Daten gesammelt, die in Anlagen und Gebäuden anfallen. Mess- und Regeltechniker, Hersteller von Industrieprodukten, Bürovermietungen, sie alle werden zu Softwarefirmen. Und wer zuerst da ist, macht das Rennen. Geschichte wiederholt sich nicht? Oh doch, manchmal schon. Bei einer branchenrepräsentativen Umfrage des Verbands Bitkom gaben Anfang des Jahres fast zwei Drittel der deutschen Geschäftsführer und Vorstände zu Protokoll, den Begriff Plattformökonomie noch nie gehört zu haben. Das klingt, als würden wir nicht Treiber, sondern Getriebene einer Revolution des industriellen Internets. Jack Ma, Gründer der chinesischen Plattform Alibaba, hat mal gesagt: „Am Anfang wollte ich einfach nur überleben.“ Am Ende will man das wohl auch.

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