Stadtplanung: Deutsche Städte sind hässlich

Stadtplanung: Deutsche Städte sind hässlich

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Im Düsseldorfer Medienhafen wechselt alle zehn Meter der Architekturstil.

von Christopher Schwarz

Die Düsseldorfer "Konferenz zur Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt" beklagt die Hässlichkeit des öffentlichen Raums und ruft nach einem Stadtbaumeister.

Dass jedermann nach seiner eigenen Fasson selig werden möge, ist ein Versprechen, mit dem erst die Moderne ernst gemacht hat, nicht nur in Glaubensfragen, sondern auf dem gesamten Feld der Kultur. Was gut und schön ist, bleibt heute dem Urteil des Einzelnen überlassen, der empfindlich reagiert auf die Gängelung seines Geschmacks. Konvention und Herkommen gelten nicht mehr viel in Zeiten des „Anything goes“. Der Pluralität der Lebensformen folgt die Pluralität des Stils auf den Fuß. Das gilt erst recht für die Kunst: Schriftsteller, Komponisten und Maler haben sich längst befreit von der Autorität einer normativen Ästhetik – und wir verbuchen diese Emanzipation als Gewinn, gilt Freiheit doch als höchstes Kulturgut, um derentwillen man auch Hässlichkeit in Kauf zu nehmen hat.

Zig Baustile in einer Straße
Allein in der Architektur stößt die Toleranz des Publikums rasch an Grenzen. Architektur bedeutet nämlich Zwangskonsum, man kann sie nicht ignorieren. Die Folgen des befreiten Bauens fallen, vor allem in den Innenstädten, unangenehm ins Auge: Häuser, die sich in Material und Geschosshöhen um die Nachbarschaft nicht scheren, Straßen und Plätze, deren Möblierung zum Fortlaufen ist. Doch inzwischen formiert sich Widerstand, gerade in der Architektenzunft. Der Wert intakter städtischer Räume wird wiederentdeckt. So versteht sich das Deutsche Institut für Stadtbaukunst in Dortmund als Speerspitze einer Bewegung für „dauerhaftes und schönes Bauen“. Dieser Tage hat es auf Initiative des Architekten Christoph Mäckler und des Architekturhistorikers Wolfgang Sonne zur dritten „Konferenz zur Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt“ nach Düsseldorf in die Rheinterrassen geladen, um, so Mäckler in seiner Einleitung, die Sprachlosigkeit zwischen Architekten und Architekten, zwischen Stadtplanern und Bürgern zu überwinden.

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Bessere Architekten sind nötig
Wie schwierig das ist, zeigte gleich das erste Streitgespräch zwischen den Architekten Hans Kollhoff und Christoph Ingenhoven. Kollhoff, Protagonist einer traditionsbewussten Moderne, beschwor eine Bürgerlichkeit ohne Bürgertum, die mit dem Stolz auf das Eigentum die gelungene architektonische Gestalt wiederentdeckt. Eine konventionsfeindliche Moderne habe darin versagt, bewohnbare städtische Außenräume zu schaffen. „95 Prozent der Menschen, für die wir bauen“, rief er mit Prophetenstimme aus, „verstehen unsere Bauten nicht, sie leiden und werden in die Shopping-Center getrieben, um dieses Leiden zu vergessen.“ Ingenhoven, der Architekt des Bahnhofsprojekts Stuttgart 21, hingegen warnte vor der „Romantik“ einer rückwärtsgewandten Architektur, die Zuflucht sucht in den Konventionen des guten alten Städtebaus. „Wie sollten diese Konventionen aussehen?“, fragte er mit Blick auf die chaotisch anmutende architektonische Produktion in Städten wie Tokio oder Shanghai. Die Welt sei „keine Baulücke“, in die man sich harmonisch einzufügen habe. Auch die beste Vorschrift garantiere keine gute Architektur, weshalb es schlicht darauf ankomme, die schlechten Architekten möglichst nicht bauen zu lassen.

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