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Streitgespräch: Das Für und Wider der Steuerreform

von Konrad Handschuch und Christian Ramthun

Expertenrat: Hermann Otto Solms, Clemens Fuest, Torsten Albig und Brigitte Fischer über Steuersenkung, Schuldenbremse, Kommunalfinanzen.

WirtschaftsWoche: HerrSolms, das Ergebnis der Steuerschätzung liegt vor, die Wahlen in NRW sind gelaufen, nichts hindert mehr die Diskussion Ihrer Pläne für eine große Steuerreform – außer der Tatsache, dass der Staat kein Geld in der Kasse hat. Haben Sie den Traum Ihrer Steuerreform 2010 ausgeträumt?

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Solms: Wir haben uns im Koalitionsvertrag auf die Entlastung der Bürger in Höhe von 24 Milliarden Euro geeinigt. Acht Milliarden Euro haben wir den Bürgern bereits zurückgegeben. Jetzt geht es noch um Steuersenkungen in Höhe von weiteren 16 Milliarden. Daran hält sich die FDP. Wir werden das machen.

Albig: Als Oberbürgermeister einer mittelgroßen Kommune kann ich keine weiteren Steuerausfälle mittragen.

Herr Professor Fuest, kann die Wissenschaft zwischen den beiden Polen vermitteln?

Fuest: Diese Frage kann man nicht losgelöst vom Steueraufkommen diskutieren. Eine Senkung des Mittelstandsbauches bei der Einkommensteuer, wie es Herr Solms und die FDP fordern, führt zu weniger Staatseinnahmen. Wir müssen uns aber bei jedem Euro Entlastung fragen, ob der Staat sich das leisten kann. Auf dem gegenwärtigen Ausgabenniveau ist er unterfinanziert, und schon wegen der demografischen Entwicklung in Deutschland sehe ich nicht, dass diese Ausgaben irgendwann einmal nennenswert sinken werden. Ich jedenfalls kann in der heutigen Situation keine Steuersenkungen empfehlen, schon um den Konsolidierungspfad und die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse  nicht zu beschädigen.

Solms: Herr Fuest, auch wir wollen die Schuldenbremse einhalten, aber Sie müssen die Dimensionen beachten, um die es hierbei geht. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat durch einen Kunstgriff das Basisjahr der Schuldensenkung künstlich erhöht, indem er das Darlehen an die Bundesagentur für Arbeit in einen einmaligen Zuschuss umgewandelt hat. Das führt dazu, dass wir bereits im nächsten Jahr den durch die Schuldenbremse vorgegebenen Abbau der Neuverschuldung um das Doppelte übererfüllen.

Die Umwandlung dieses Darlehens in einen Zuschuss macht die Staatsfinanzen nicht besser – spricht das nun für oder gegen eine Steuerreform?

Solms: Für die nächsten zwei Jahre ist die Schuldenbremse schon erfüllt. Deswegen ist Herr Schäuble auch so locker in diesem Punkt, und das Einhalten der Schuldenbremse steht der Steuerreform vorerst nicht im Weg.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht dennoch keinen Spielraum mehr.

Solms:  Seine Sorgen kann ich gut verstehen, wenn ich an die zusätzlichen Ausgabenwünsche mancher Kabinettsmitglieder denke. Herr Schäuble wusste, als wir den Koalitionsvertrag verhandelten, wie die ökonomische Lage aussieht. Außerdem haben Bund, Länder und Kommunen nach der aktuellen Steuerschätzung Steuereinnahmen in Höhe von 510 Milliarden Euro. Nach der jetzigen Schätzung steigt dieser Wert auf 581,5 Milliarden Euro in 2014. Die Einnahmen des Gesamtstaates werden also bis dahin um 71 Milliarden Euro steigen. Da wird es doch noch möglich sein, eine leichte Steuerentlastung umzusetzen.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.05.2010, 14:39 UhrAnonymer Benutzer: Experte!

    Eine Steuerreform auf Pump ist Mist!

    ich muss sagen dass Herr Hermann Otto Solms wirklich überhaupt keine Ahnung von Wirtschaft hat.

    Der Mittelstand ist ihm egal und abhängig beschäftigte würden die Zeche für Steuersenkungen zahlen. in der jetzigen Situation benötigt unser Staat einen Konsolidierungskurs - solide Staatsfinanzen nützen unserer Wirtschaft mehr als sympolische Peanuts Steuergeschenke!

    in welchem bereich sich Otto Hermann Solms sich in Punkto Steuergesetzgebung "nützlich" machen könnte: Eine Vereinfachung des Steuersystems würde viel Energie bei Unternehmen, aber auch bei Angestellte freisetzen. Hierzu sollte die F.D.P. dringend einen eigenen, durchdachten Vorschlag bringen. Die Zeit für heisse Luft und persönliche Vorteile von F.D.P. Politikern ist vorbei. Den Wähler nerven die salbenartigen Widerholungen der Schwachsinnsparole "Steuersenkung". bitte F.D.P.-Politiker arbeiten und Konzepte vorlegen - statt palavern und nerven!

  • 12.05.2010, 14:29 UhrAnonymer Benutzer: Kollaps

    Der deutsche Staat braucht jedes Jahr 5-10% höhere Steuereinnahmen um nicht über Kredite finanzieren zu müssen. Wenn diese Steigerung nicht kommt, dann spricht man vom einem Einbruch der Steuereinnahmen. Und der Staat braucht diese hohe Steigerungsrate, denn diese Einnahmen sind bereits ausgegeben. Ob ein zahlungsunfähiger Staat auch sparen kann, wenn erst der Kittel brennt, wird sich in Griechenland zeigen. Und bald in Portugal, Spanien und italien. bisher hat mich nur der Winzling irland halbwegs davon überzeugt, dass es funktionieren könnte. Unser fetter Wohlfahrtsstaat Deutschland wird dazu nicht in der Lage sein, darauf wette ich. Wenn nur davon gesprochen wird, dass der RECHTSANSPRUCH auf einen Kindergartenplatz nach hinten geschoben werden könnte, dann zieht ein Empörungs-Hurrikan über Deutschland. Das sagt doch wohl alles.

  • 11.05.2010, 21:02 UhrAnonymer Benutzer: führer

    Da hat der Herr Solms wohl recht. Ein Arbeitnehmer mit 50.000 brutto
    zahlt >60 Prozent direkte Steuern und Abgaben. Wahrscheinlich hat er
    die Hyperinflation schon mit eingerechnet, denn ich habe keine
    Arbeitnehmer in dieser Einkommensklasse. ich frage mich aber,
    was Steuersenkungen bringen, wenn doch die unsinnigen Abgaben das
    Unrechtssystem definieren. Außer das durch Steuersenkungen der
    Zusammenbruch dieses Pleitestaats beschleunigt wird.

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