Terror in Brüssel: "Deutschland muss jederzeit mit einem Anschlag rechnen"

InterviewTerror in Brüssel: "Deutschland muss jederzeit mit einem Anschlag rechnen"

von Niklas Dummer

Der Islamische Staat hat sich zu den Anschlägen in Brüssel bekannt. Sicherheitsexperte Florian Peil erklärt, warum die Attacken wertvoll für die Terrororganisation sind, was die Situation im Viertel Molenbeek so gefährlich macht und warum es den Behörden schwer fällt, die Terroristen zu überwachen.

Herr Peil, sind die Anschläge auf den Brüsseler Flughafen und den U-Bahnhof Maelbeek im EU-Viertel der Stadt die Antwort des „Islamischen Staats“ auf die Festnahme des Paris-Attentäters Salah Abdeslam?
Florian Peil: Das ist sicherlich der Eindruck, den der IS mit den Anschlägen erwecken will. Tatsächlich braucht die Vorbereitung eines solchen Anschlags Zeit, in diesem Fall Monate. So eine Attacke organisiert niemand in ein paar Tagen. Zum Zeitpunkt der Verhaftung Abdelslams dürften die Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen gewesen sein. Die Verhaftung könnte jedoch ein Auslöser dafür gewesen sein, die Pläne in die Tat umzusetzen.

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve sprach nach der Festnahme Abdeslams von einem „wichtigen Schlag“ gegen den IS. Inwiefern ist der „Gegenschlag“ des IS nun psychologisch wertvoll für die Terrororganisation?
Der IS hat seinen Anhängern und den Sympathisanten bewiesen, dass er auf Knopfdruck im Herzen Europas komplexe Terroranschläge verüben kann. Und zwar mit beinahe chirurgischer Präzision: Genau dort, wo er selbst angegriffen wurde. Abdeslam wurde in Brüssel verhaftet und vier Tage später werden Flughafen und Metro attackiert – das ist ein Propaganda-Coup für den IS. Darüber hinaus belegt es eine zunehmende Professionalisierung des IS und macht deutlich, über welch gefestigte Strukturen er bereits in Europa verfügt.

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Zur Person

  • Zur Person

    Florian Peil ist Sicherheitsberater mit dem Schwerpunkt Nahost und Nordafrika. Seit mehr als 15 Jahren beschäftigt er sich mit der arabischen Welt. Vor seiner Beratungstätigkeit war er war unter anderem bei einer deutschen Sicherheitsbehörde in der Terrorismus-Bekämpfung beschäftigt. Heute berät er Unternehmen, die in Nahost und Nordafrika tätig sind.

Können Sie das genauer erklären?
An solchen Anschlägen sind immer Unterstützer und Logistiker beteiligt, die helfen, die Attacken vorzubereiten, Waffen und Sprengstoffe beschaffen, Bomben bauen und grundsätzlich das Organisatorische übernehmen. Die Attentäter sind immer nur der sichtbare Teil solcher Anschläge. Im aktuellen Fall ist dieses Netzwerk zudem eingebettet in eine Gemeinschaft aus Sympathisanten und Mitwissern.

Diese Gemeinschaft bildet der Brüsseler Stadtteil Molenbeek, wo Abdeslam sich zuvor vier Monate verstecken konnte, obwohl sein Gesicht in der ganzen Welt bekannt war.
Die meistgesuchte Person Europas kann man nicht vier Monate lang unbemerkt verstecken. Es gibt immer Mitwisser. Die Tatsache, dass so eine Information nicht nach außen gesickert ist, zeigt nur, wie eng die Bindung innerhalb dieser Gemeinschaft in Teilen von Molenbeek sein muss.

Was macht die Sache so gefährlich?
Die Sicherheitsbehörden erhalten keinen Zugriff. Sitzt ein Großteil des Netzwerks in Molenbeek, ist eine Kommunikation per Mail oder Telefon nicht mehr notwendig, da alles direkt und persönlich weitergegeben werden kann. Eine elektronische Überwachung fördert daher keine relevanten Informationen zu Tage. Bei der Überwachung dieser Milieus gibt es ganz erhebliche Lücken.

Wie können Regierung und Behörden diese Lücken schließen?
Der entscheidende Punkt ist: Die Sicherheitsbehörden brauchen Zugänge zu diesen Milieus – über Informanten. Das ist aber im jihadistischen Milieu sehr schwierig. Die Geheimdienste müssten hier viel aggressiver vorgehen dürfen. Dafür brauchen die Behörden aber auch die entsprechenden Befugnisse.

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20 Kommentare zu Terror in Brüssel: "Deutschland muss jederzeit mit einem Anschlag rechnen"

  • Anstelle den Eifelturm und das Brandenburger Tor zu beleuchten, müßten wir Bürger einmal unsere Politiker beleuchten, die uns die millionenfache illegale Zuwanderung von Muslimen bescheren, unter denen sich mit Sicherheit viele potentielle Terroristen befinden.

    Unser Innenminister wird nicht müde, zu versprechen, dass jetzt vielleicht auch einmal die europäischen Geheimdienste ihre Terror-Informationen untereinander kommunizieren.

    Unser sogenannter Justizminister, der seine hauptsächliche Aufgabe darin sieht, den Datenschutz (auch für Terroristen) zu gewährleisten, konnte nur mit großer Mühe dazu gebracht werden, Internetkontrollen und Telefon-Aufzeichnungen unserer Illegalen durchzuführen.

    Am liebsten macht der Mann neue Gesetze gegen die politische nationale Konkurrenz.

    Mit solchen Leuten müssen wir als Bürger große Angst haben, denn sicherlich ist von denen kein wirksamer Schutz gegen den Muslim-Terror zu erwarten.
    Warum auch, die Kerle sitzen in gepanzerten Limousinen oder in Staatsjets und werden von Bodygards 24 Stunden bewacht.

  • Wen wunderts? Eine Bretterbude ist nun mal leichter anzugreifen als ein Betonbunker. Spätestens jetzt sollte man in Molenbeek keinen Stein mehr auf dem andern lassen und jede Maus filzen, die sich auf die Strasse traut. Wenn ich lese, dass dieses Stinktier von Abdeslam sich monatelang in der Öffentlichkeit bewegen konnte, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.
    Solange die Belgier sich mit ihrer Zerstrittenheit und Schlamperei nur selbst gefährden, kann Europa sie ruhig machen lassen.
    Aber die offenen Grenzen zu vier anderen befreundeten Staaten sollten Anlass genug sein, etwas mehr Disziplin und Verantwortung an den Tag zu legen. Da könnte man bei den ständigen Streiks anfangen und sich desweiteren auf eine gemeinsame Sprache verständigen, beispielsweise die englische.
    Doch ich fürchte, meine wohlgemeinten Ideen sind vergebliche Liebesmüh, und deshalb mach ich als Grenzlandbewohner das Beste draus:
    Ich gehe im deutsch-belgischenh Naturpark spazieren und hoffe mal tapfer weiter, dass wenigstens die Atomkraftwerke unserer freundlichen Nachbarn bald abgeschaltet werden.

  • Wenn ich einige Kommentare unbeachtet lasse, sehe ich keinen Grund für
    solche ( Anschläge ) hier in Deutschland.

    Wobei festzustellen, dass manche provozierern, um selbst mal mit
    Schnellfeuergewehren rumballern zu können.

    Fingierte "Selbstverteidigung" ist auch strafbar.

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