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Träume beeinflussen Wirtschaftskraft: Wie deutsche Träume unser Land stark machen

von Heike Buchter, Thomas Fischermann und Angela Köckritz Quelle: Zeit Online

Was kommt nach dem American Dream? Wovon die Menschen in einem Land träumen, entscheidet auch über die Wirtschaftskraft eines Landes.

American Dream Quelle: REUTERS
Bei der Suche nach der Arbeitsmotivation der Amerikaner stoßen Forscher immer wieder auf das alte Klischee des American Dream. Eine hohe Zahl von Amerikanern bekennt sich in Umfragen bis heute zu diesem Set von Vorstellungen Quelle: REUTERS

Stephan Grünewald hat kürzlich junge Deutsche auf die Couch gelegt und war am Ende etwas überrascht. Der Mann ist Trendforscher, er betreibt in Köln die Unternehmensberatungsfirma Rheingold und findet mit tiefenpsychologischen Methoden heraus, was die Menschen hierzulande wünschen, fürchten und träumen.

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Als er das zuletzt bei jungen Erwachsenen erfragte, solchen im Berufsanfängeralter zwischen 18 und 21, staunte er: "Wir waren verblüfft, wie bürgerlich-konservativ die Lebensträume ausfallen." Die Traumberufe seien heute oft diejenigen, die in den siebziger Jahren eher noch ein niedriges Sozialprestige hatten: Beamter, Bankkaufmann, Versicherungsangestellter.

Die klassische Familie ist in Deutschland auf dem Rückzug: Immer mehr Kinder wachsen bei Alleinerziehenden oder bei Paaren ohne Trauschein auf. Allerdings sind verheiratete Paare nach wie vor in der Mehrheit - insbesondere im Westen.

Bild: obs

Der German Dream – für den Psychologen Grünewald ist er in dieser Generation ein Streben nach Sicherheit, nach Überschaubarkeit, nach "einer beständigen Welt, in der wieder Sekundärtugenden zählen". Nach solider, planbarer aber keineswegs aufregender beruflicher Laufbahn, nach einer guten Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Risiko und Unternehmertum bleiben die Sache einer Minderheit.

Vielleicht überspitzt der Rheingold-Chef sein Urteil auch ein wenig. Es gibt ja Listen der beliebtesten Berufe junger Deutscher, ermittelt in Umfragen oder bei den Ämtern. Da kommen auch immer wieder Jobs wie "Fotograf", "Architekt" und auch "Informatiker" vor; da gibt es immer auch junge Menschen, die sich selbständig machen wollen und freiberuflich oder als Unternehmensgründer ihr Glück versuchen. Aber ganz grob betrachtet und im Vergleich mit anderen Ländern ist da etwas dran: In Deutschland träumt man nicht den großen Traum von Wagnis, Abenteuer und Selbstverwirklichung als Unternehmer. Man will ein Einfamilienhaus.

Irak-Krieg

Obama war stets ein Gegner der Irak-Invasion, und im Wahkampf 2008 versprach er, den Krieg zu beenden. Er hielt Wort: Ende 2011 zogen die letzten US-Kampftruppen aus dem Irak ab. 

Bild: dpa

Das alte Klischee

Auf die Wirtschaftskraft und für die Neuerungsfähigkeit eines Landes haben solche Träume und Sehnsüchte einen Einfluss, sie übersetzen sich ja in unternehmerischen Wagemut, in Pflichtbewusstsein bei der Arbeit, in die Bereitschaft zur Anstrengung und Selbstausbeutung. So argumentierte schon der Sozialforscher Max Weber, der die kulturell gegebene Arbeitsethik einst zur Keimzelle des ganzen Kapitalismus erklärte. Der Harvard-Historiker Niall Ferguson sah das nicht viel anders, als er kürzlich über Deutschland und seine europäischen Nachbarn bitter urteilte: "Europäer sind heute die Faulpelze der Welt. Im Durchschnitt arbeiten sie weniger als Amerikaner und viel weniger als Asiaten. ...

Zwischen 2000 und 2009 arbeitete ein durchschnittlicher Amerikaner knapp 1.711 Stunden pro Jahr, aber der durchschnittliche Deutsche nur 1.437 Stunden." Seit 1979 klaffe diese Schere immer weiter auseinander, sagt Ferguson.

Im Juni 1948 wird die D-Mark eingeführt. Sofort füllen sich die Regale in den Verkaufsläden. Die Nachfrage ist extrem hoch, die D-Mark  bringt die Wirtschaft in Gang. Denn: Unternehmen erzielten zeitnah hohe Gewinne, die wiederum direkt investiert wurden.

Foto: AP Photo/Archiv

Aber warum wird in den USA im Vergleich so hart gearbeitet? Tatsächlich stoßen viele Forscher auf der Suche nach Erklärungsmustern auf das alte Klischee des American Dream. Eine hohe Zahl von Amerikanern bekennt sich in Umfragen bis heute zu diesem Set von Vorstellungen: dass in ihrem Land jedermann den Aufstieg schaffen könne, egal welcher Herkunft oder Hautfarbe, solange er hart genug arbeite und ein ordentliches Leben führe. Wenn man an so etwas wirklich glaubt, ist das eine wunderbare Voraussetzung dafür, dass man sich für die Arbeit maximal aufopfert. Dass man Rückschläge wegsteckt, wieder auf die Beine kommt und etwas Neues anfängt.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.09.2012, 23:37 Uhrherrlichunproduktiv

    Europäer sind die Faulpelze der Welt, weil hier das Arbeitsvolumen stärker sinkt -- das liegt daran dass die Europäer insgesamt produktiver sind als andere -- die USA haben eine geringere Produktivität als Europa -- ebenso Schwellenländer Asiens.

    das hängt mit der Modernität der Infrastruktur zusammen und der Technologisierung. In den USA wuchsen aber auch nur prekäre Jobs, also wurde oft nur Arbeit auf mehr Schultern verteilt. Es wird zwar viel gearbeitet, aber eben unproduktiv in Tätigkeiten, die man eigentlich nicht machen müsste wie Tütenpacker und Supermarktbegrüßer. Das sind keine echten Jobs.

    so gesehen sind die Europäer sogar oftmals produktiver.

    und in vielen Gegenden der USA sind die Zweitjobs was informelles wie Fische angeln und dann selbst verkaufen oder Boote vermieten.

    die verdeckte Arbeitslosigkeit ist in beiden Regionen gigantisch. Vor allem weil wir immer noch Wirtschaftskrise haben.







  • 02.09.2012, 23:10 UhrPerverswirtschaft

    Beamter als Berufswunsch ist ein schlechtes Zeichen - das heißt nämlich, dass in der freien Wirtschaft das Arbeiten nicht mehr lukrativ und sicher genug ist.

    die müssen sich in ihrer Existenz schwer bedroht fühlen - die Massenarbeitslosigkeit in Europa hat sicher ihre Spuren hinterlassen -- das wird europaweit so sein, dass alle nur noch Beamte werden wollen.

    vor allem jjetzt, wo das "Rentenproblem" thematisiert wird -- da werden erst Recht alle Pensionen haben wollen.

  • 02.09.2012, 18:23 UhrDeutsche_Werte

    Beamter als Berufswunsch! Wen wundert's?

    In einem Land, in dem Unternehmer per se als Ausbeuter und Sklaventreiber gebrandmarkt werden, in dem jede Innovation durch Bürokratie im Keim erstickt wird, in dem hart erarbeitete Unternehmensgewinne und Einkommen von einem immer gieriger werdenden Staat abgegriffen werden, um sie für wahnwitzige politische Projekte wie den Euro künstlich aufrechtzuerhalten, in einem Staat, der nicht auf die Ängste und Nöte der eigenen Landsleute eingeht, sondern der stattdessen seine Aufmerksamkeit lieber auf die Förderung von'kulturbereicherndern' Migranten fokussiert, ja, da lohnt es sich nicht, sich zu engagieren.

    Da darf man nicht sagen: Seht her, ich habe etwas geleistet, ich bin stolz darauf. Ich bin stolz auf mein Land, welches stets hinter mir steht - stolz darauf zu sagen, dass ich aus Deutschland komme.

    Nein, stattdessen sollen wir lieber verleugnen, dass wir Deutsche sind, welche fleissig und rechtschaffen sind. Wir sollen unsere Identität, unsere Ahnen, unsere Werte und unseren Stolz amputieren lassen. Weg damit, mit diesen dumpfen Nationalismus.

    Eine Wertegemeinschaft, eine Kultur, wie die deutsche, über Jahrhunderte gewachsen und sich entwickelt, bis sie zu dem wurde, worüber uns die ganze Welt beneidet, ist es ja nicht wert, am Leben erhalten zu werden.

    Treten wir sie einfach mit Füßen, unsere Germania.

    Ja, da lohnt es sich doch, ein Beamtenarsch zu werden, der sich sicher ist, dass er Freitags um 13. Uhr ins Wochenende gehen kann und sich seiner schicken Pension erfreuen darf. Vielleicht schon ab Mitte 40, wenn er nur einen beamteten Amtsarzt findet, welcher ihm Depressionen und Arbeitsüberlastung im Job bescheinigt!

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