Umfrage unter Hamburger Wählern: Viele AfD-Wähler sehen Nazi-Zeit positiv

Umfrage unter Hamburger Wählern: Viele AfD-Wähler sehen Nazi-Zeit positiv

, aktualisiert 24. November 2016, 13:39 Uhr
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AfD-Wähler in Hamburg neigen laut einer Umfrage häufiger als die Wähler der anderen Parteien zu antisemitischen Ansichten.

von Dietmar NeuererQuelle:Handelsblatt Online

Die Universität Hamburg hat die Einstellungen der AfD-Wähler in der Hansestadt zu Nationalismus und Rechtsextremismus unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Viele neigen zu rechten Einstellungen.

BerlinDie Wählerschaft der Hamburger AfD stimmt tendenziell häufiger Aussagen zu, mit denen rechtsextreme Einstellungen identifiziert werden. Das ist ein Teil-Ergebnis einer Umfrage der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg. Nach der Erhebung, bei der zwischen 8. September und 17. November 1004 repräsentativ ausgewählte Hamburger telefonisch befragt wurden, neigen AfD-Wähler häufiger als die Wähler der anderen Parteien zu antisemitischen Ansichten. Zugleich hätten die Befürworter der AfD häufiger den „Wunsch nach einer starken Führungsfigur“ geäußert und neigten demnach zu einer „positiveren Bewertung“ der NS-Diktatur.

Die Wähler, darunter die der AfD sowie die Wählerschaft der anderen Bürgerschaftsparteien, wurden mit verschiedenen Aussagen konfrontiert und gefragt, ob sie diesen zustimmen.

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Die erste Aussage: „Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken“ sei von 36 Prozent der Wähler der AfD und von 9 Prozent der Wählerschaft anderer Parteien bejaht worden. Insgesamt stimmten demnach 10 Prozent der Befragten der Aussage zu. Ähnlich deutlich fällt das Ergebnis in Bezug auf antisemitische Tendenzen aus.

„Auch heute ist der Einfluss von Juden groß“ – diese Ansicht wird laut der Umfrage von 59 Prozent der Bürger geteilt, die für die AfD abstimmen wollen, während 16 Prozent der Wähler anderer Bürgerschaftsparteien mit dieser Aussage einverstanden sind.

Auch hinsichtlich des Wunsches nach einem starken Führer („Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert“) und der Bewertung des Nationalsozialismus („Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten“) unterschieden sich die Unterstützer der AfD deutlich von den Befürwortern der anderen Parteien.

Demnach sind 36 Prozent der AfD-Wähler der Meinung, dass Deutschland einen solchen Führer haben sollte (7 Prozent bei den anderen Parteien) und 40 Prozent der AfD-Wählerschaft findet, dass der Nationalsozialismus auch gute Seiten hatte (6 Prozent bei den anderen Parteien).


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Bei den zwei letzten Fragen, so die Wissenschaftler, seien die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen weniger deutlich ausgefallen. Von den Wählern der AfD stimmen demnach 22 Prozent der Aussage zu „Es gibt wertvolles und unwertes Leben“, von der Wählerschaft der anderen Bürgerschaftsparteien sind es14 Prozent.

Ein Viertel der AfD-Wählerschaft (25 Prozent), heißt es in der Erhebung weiter, denken: „Andere Völker mögen Wichtiges vollbracht haben, an deutsche Leistungen reicht es aber nicht heran“. Von 10 Prozent der Wählerschaft der anderen Bürgerschaftsparteien wird diese Meinung ebenso geteilt.

In der Erhebung wurde auch die Sonntagsfrage gestellt. Danach wäre die AfD nicht mehr im Hamburger Landesparlament vertreten. Würden die Hamburger am kommenden Sonntag zur Bürgerschaftswahl gerufen, würde demnach die AfD nur noch vier Prozent (2015: 6,1 Prozent) bekommen.

Verlierer sind auch die Linke, aber vor allem FDP. Die Linke würde mit jetzt 8 Prozent (2015: 8,5 Prozent) nur leicht absinken. Die FDP dagegen käme nur noch auf fünf Prozent (2015: 7,4 Prozent).

Die SPD könnte hingegen ihren Stimmenanteil gegenüber der Wahl 2015 noch ausbauen. Auch der grüne Koalitionspartner würde zulegen. Demnach käme die SPD auf 48 Prozent der Stimmen (Bürgerschaftswahl 2015: 45,6 Prozent) und würde nur knapp die absolute Mehrheit verfehlen. Die Grünen legen von 12,3 Prozent auf jetzt 16 Prozent zu. Einen Aufwärtstrend verzeichnet auch die oppositionelle CDU, die nun auf 18 Prozent käme (2015: 15,9 Prozent).

Die Demoskopen wiesen allerdings darauf hin, dass „die Ergebnisse mit Blick auf die AfD vorsichtig zu interpretieren“ seien. So würden potenzielle AfD-Wähler diese Präferenz oft nicht offen angeben, weil sie als „sozial unerwünscht“ eingeschätzt werde. Außerdem würden AfD-Wähler seltener an Umfragen teilnehmen als andere Wähler.

Quelle:  Handelsblatt Online
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