Brexit: Chemische Industrie rechnet mit 200 Millionen Euro Kosten

exklusivBrexit: Chemische Industrie rechnet mit 200 Millionen Euro Kosten

von Jacqueline Goebel

Der Verband der Chemischen Industrie erwartet erhebliche Mehrkosten durch den Brexits. Grund sind etwa mögliche Zölle und Änderungen der Zulassungsverfahren für Chemikalien.

Bild vergrößern

Die Chemische Industrie rechnet in Folge des Brexits mit hohen Mehrkosten

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnt vor gravierenden Mehrkosten durch den anstehenden Austritt von Großbritannien aus der EU. „Sollte die britische Regierung etwa Chemie- und Pharmazölle auf der Höhe der heutigen EU-Außenzölle einführen, würden jährliche Zollzahlungen von circa 200 Millionen Euro für Deutschlands drittgrößere Branche anfallen“, heißt es in einem Positionspapier des Verbands, das der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

„Vermutlich noch größere Belastungen wären zu erwarten, wenn künftig die Regulierung zwischen der EU und UK divergierende Pfade einschlägt“, heißt es in dem Papier. Sollte sich Großbritannien etwa dazu entschließen, eine andere Chemikalienverordnung oder Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel zu erlassen, würde das für die Branche „erhebliche bürokratische Hürden und Kosten“ bedeuten. Diese könnten die Belastungen durch Zollzahlungen sogar noch übertreffen, warnt der Verband.

Anzeige

Für die Chemische Industrie ist Großbritannien ein wichtiger Handelspartner. Die Branche exportiert Chemikalien im Wert von 12 Milliarden Euro nach Großbritannien, vor allem Spezialchemikalien und Pharmaprodukte. „Die Kosten würden die Wettbewerbssituation der deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen auf der Insel im Vergleich zur britischen Konkurrenz verschlechtern“, erklärt der Verband.

Brexit Britische Regierung legt Milliarden beiseite

Die britische Regierung bildet wegen des Brexits milliardenschweren Rücklagen. Finanzminister Philip Hammond kündigte an, in den kommenden Jahren drei Milliarden Pfund für die Brexit-Vorbereitungen bereitstellen zu wollen.

Der britische Finanzminister Philip Hammond Quelle: AP

Das könnte dazu führen, dass Unternehmen ihre Investitionsentscheidungen in Großbritannien überdenken. „Es ist nur ratsam, dass jedes Unternehmen seine Lieferketten nun überprüft und sich die Frage stellt, ob diese so bestehen bleiben können“, sagt Attila Gerhäuser, Leiter des Europabüros des VCI, der WirtschaftsWoche. Im schlimmsten Falle könnten Chemiekonzerne aus Großbritannien abwandern oder ihre Lieferketten umstrukturieren. Großbritannien ist für deutsche Chemiebranche der zehntwichtigste Produktionsstandort.

Sie lesen eine Vorabmeldung aus der aktuellen WirtschaftsWoche. Mit dem WiWo-Digitalpass erhalten Sie die Ausgabe bereits am Donnerstagabend in der App oder als eMagazin. Alle Abo-Varianten finden Sie auf unserer Info-Seite.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%