Europäische Union und die Türkei: Studie mahnt Vertiefung der Zollunion an

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Kanzlerin Merkel und der Türkische Staatspräsident Erdogan.

von Philipp Mattheis

Die Europäische Kommission und die Türkei wollen über eine Vertiefung ihrer Zollunion verhandeln. Beide Seiten könnten davon profitieren, zeigt eine neue Studie.

Politisch ist der Ton rau zwischen Ankara und Brüssel. Der türkische Staatspräsident Erdoğan droht und poltert gern, das Flüchtlingsabkommen platzen zu lassen, wenn die EU nicht die versprochene Visa-Freiheit gewährt. Wirtschaftlich aber ist die Integration der Türkei in die EU eine andauernde Erfolgsgeschichte. Jetzt wollen die Europäische Kommission und die Türkei sogar über eine Vertiefung ihrer Zollunion verhandeln, sie auf den Agrar- und Dienstleistungssektor ausweiten.

Der Hintergrund: Freihandelsabkommen der EU mit Drittstaaten wie TTIP haben einen negativen Einfluss auf die EU-Türkei-Beziehungen. Das jedenfalls besagt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

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Danach hat Ankara durch die Einbindung in europäische Produktionsketten stark von der Zollunion profitiert, zugleich aber handelspolitische Souveränität abgegeben. Wenn die EU nun Freihandelsabkommen abschließt, könnten Drittstaaten zollfrei Waren in die Türkei einführen, während türkische Exporteure weiterhin unter Beschränkungen leiden würden. Die Türkei fordert daher seit Langem ein Recht auf Mitsprache bei den Verhandlungen.

Eine Vertiefung der Handelsbeziehungen würde Deutschland nützen

Zwei Varianten sind laut der Studie denkbar: Ein Weg wäre, die Zollunion in ein Freihandelsabkommen abzuschwächen. Das allerdings würde sich negativ auf das Wirtschaftswachstum in der Türkei auswirken. Eine Vertiefung der Zollunion hingegen würde in der Türkei zu einer Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens von 200 US-Dollar führen. Bleibe alles beim Alten, „drohe das Land ökonomisch von der EU abzudriften“.

Eine Vertiefung würde übrigens auch in Deutschland, dem wichtigsten EU-Handelspartner der Türkei, Wohlstandsgewinne abwerfen, heißt es in der Studie. Für Erdoğan wäre eine Vertiefung der Zollunion auch ein politischer Gewinn: Nach einer Periode der außenpolitischen Isolation konnte Ankara zuletzt die Beziehungen zu Israel und Russland normalisieren. Nachdem Erdoğan für den im November abgeschossenen Piloten bei Russlands Staatspräsident Putin um Entschuldigung gebeten hatte, hob dieser Sanktionen auf.

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