Plastiktüten-Verbot: Mit Tüten aus Mais gegen Umweltverschmutzung

Plastiktüten-Verbot: Mit Tüten aus Mais gegen Umweltverschmutzung

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Die Einkaufstüten könnten bald etwas kosten - und kompostierbar sein.

EU-Länder sollen Plastiktüten verbieten können, sagt Umwelt-Kommissar Janez Potocnik. Eine Alternative könnten Bio-Tüten sein, die aus Mais oder Zuckerrohr hergestellt werden und kompostierbar sind. Noch gibt es für die aber keinen richtigen Recyclingkreislauf.

Im April 2005 stellte der französische Chemiker Jacques Lemaire den „Néosac“ vor. Eine Plastiktüte, die sich statt in 450 Jahren innerhalb von drei Monaten selbst auflöst - seine Lösung gegen die Umweltverschmutzung durch den massiven Gebrauch von Plastiktüten. Der „Néosac“ ist eine normale Tüte, die mit chemischen Zusatzstoffen versetzt wird, sodass das Polyethylen schneller zerfällt. Aber: Der „Néosac“ gibt bei der Zersetzung auch das gesundheitsschädliche Schwermetall Kobalt frei. Die Erfindung wurde keine Revolution, sondern verschwand wie die Tüten.

Acht Jahre später ist noch keine langfristige Lösung für das „Tüten-Problem“ gefunden. Der EU-Umwelt-Kommissar Janez Potocnik will mit dem Entwurf die Plastiktüten verbannen: Weg von durchschnittlich 198 Tüten pro Europäer im Jahr. In europäischen Geschäften kosten die Tüten nur wenige Cents oder sind umsonst – verboten werden können die Tüten bisher nicht. In Deutschland nutzen wir jährlich im Durchschnitt 71 Tüten pro Kopf, davon werden 64 nur einmal benutzt. Ein Portugiese benutzt durchschnittlich sogar mehr als 500 Tüten. Gerade in Ländern ohne so ausgeprägte Abfall- und Kreislaufwirtschaft wie in Deutschland enden die oft in der Natur – in den Weltmeeren gibt es mittlerweile sechsmal mehr Plastik als Plankton.

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Biologisch abbaubare Einkaufstüten dagegen sind selten. Seit 2008 sind in Deutschland Polyactid-Verpackungen (kurz: PLA) auf dem Markt, die eine Alternative zur Polyethylen-Tüte sein könnten. Laut der Victorgroup kostet so eine Bio-Tüte allerdings 39 Cent. Sie wird aus stärkehaltigen und zuckerhaltigen Pflanzen wie Mais, Zuckerrüben oder Zuckerrohr hergestellt. Bei der PLA-Herstellung werden Pflanzenstärke oder Zucker mit Hilfe von Milchsäurebakterien vergoren. So entsteht Milchsäure, aus der in einem chemischen Verfahren das Bioplastik-Granulat gewonnen wird, das zusammen mit erdölbasierten Kunststoffen zu Plastiktüten weiterverarbeitet werden kann.

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Bisher werden diese Tüten zum Beispiel als Abfallsäcke für Biomüll benutzt, die mit Kartoffelschalen und Kaffeefilter einfach auf den Kompost geworfen werden können. Als „kompostierbar“ gelten laut EU-Norm Plastiktüten, die innerhalb von 12 Wochen abgebaut werden. Das gilt aber nur für professionelle Anlagen. Das Kompostieren einer Bio-Tüte auf dem eigenen Komposthaufen dauert viel länger – bis zu mehreren Monaten - denn die erdölbasierten Kunststoffe, die die Stabilität der Tüten verbessern sollen, verlängern die Abbau-Zeit. Oft bleiben auch kleine Plastikstücke über.

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In professionellen Vergärungsanlagen werden Bioabfälle aus der braunen Tonne mit Hilfe von Mikroorganismen, Wasser und bestimmten Temperaturen abgebaut. Solche optimalen Bedingungen können außerhalb der Anlagen selten erreicht werden. Ein weiteres Problem: Die Bio-Tüte kann man in der braunen Tonne fast nicht von normalen Plastiktüten unterscheiden. Müllmänner nehmen die Tonnen deshalb oft wegen „falscher Befüllung“ nicht mit. Auch in der Vergärungsanlage werden „Störstoffe“ wie Dosen, Batterien oder eben Plastiktüten vollautomatisch aussortiert und verbrannt. Erst ab etwa 18.000 Tonnen PLA-Müll im Jahr würde sich ein eigener Recyclingkreislauf lohnen, sagen Experten der Bioplastik-Industrie. Der existiert in Deutschland aber noch nicht - momentan gibt es pro Jahr erst rund 4.000 Tonnen Bio-Plastikmüll. Die Bio-Tüten landen also vorerst trotzdem in der Müllverbrennung.

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