Währungen: Wie Tschechien und die Slowakei ihre Krone auflösten

Währungen: Wie Tschechien und die Slowakei ihre Krone auflösten

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Einig in Uneinigkeit: Regierungschefs Meciar (links) und Klaus

von Hans Jakob Ginsburg

Sie konnten nicht mehr miteinander. Anfang 1993 löste sich die Tschechisch-Slowakische Föderation auf. Aus der Krone wurden zwei Währungen.

Die tschechischen Gebiete waren altes Industrieland und hatten seit dem Ende des Kommunismus 1989 zügig privatisiert – die Übernahme des Autobauers Skoda durch VW war nur ein Beispiel. Der kompromisslose Marktliberale Václav Klaus hatte 1992 haushoch die Wahlen gewonnen – aber nur im tschechischen Landesteil. Weiter östlich hatte Vladimir Meciar triumphiert, ein populistischer Nationalist. Der verkündete, alles Ungemach der Wende liege an der Ausbeutung der armen Slowakei durch die Tschechen. Derweil gammelten die slowakischen Stahlwerke und Rüstungsfabriken vor sich hin. Privatisierung hieß für Meciar im Wesentlichen Bereicherung fragwürdiger Seilschaften.

Klaus und Meciar einte der wechselseitige Widerwille. Sorgen machte den Scheidungswilligen fast nur die monetäre Trennung. Politiker und Banker hatten 1992 gewarnt, eine neue slowakische Krone werde schnell auf ein Drittel des Wertes der tschechischen Währung sinken.

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Überraschend stabil

Es kam anders: Meciar wies Banken, Arbeitgeber und Behörden an, nur noch Geldscheine mit aufgestempeltem slowakischem Staatswappen auszugeben. In wenigen Wochen waren in Kanada neue Banknoten gedruckt: überraschend stabiles Geld.

Das funktionierte, weil weder die alte Krone noch ihre Nachfolgerinnen damals konvertibel waren; Geld ins Ausland zu bringen war also fast sinnlos. Darum war auch kaum jemand in Kronen verschuldet, und in der Slowakei waren Banken mangels Existenz kein Problem: Dort waren fast nur Filialen tschechischer und österreichischer Banken tätig. Nach dem Ende der Ära Meciar 1998 blühte die Slowakei als Lieblingsziel westeuropäischer Investoren auf. Deren Nachfrage nach slowakischen Kronen stabilisierte die Währung, deren Wert zuletzt – Ende 2008 – bei 80 Prozent der tschechischen Krone lag. Seitdem haben die Slowaken den Euro. Dass man Währungsgebiete aber auch wieder verlassen kann, haben sie nicht vergessen.

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