EZB-Geldpolitik: Konsumexperte sieht Inflationsgefahr

27. Februar 2013, aktualisiert 27. Februar 2013, 04:49 Uhr
Könnte der Wert des Geldes durch die Politik der EZB ins Schlingern kommen? Quelle: dpaBild vergrößern
Könnte der Wert des Geldes durch die Politik der EZB ins Schlingern kommen? Quelle: dpa
Quelle: Handelsblatt Online

Die Europäische Zentralbank gibt den Banken der Region viel billiges Geld. Das betrachtet Konsumforscher Rolf Bürkl mit skeptischem Blick. Auch zum Run der Verbraucher auf Immobilien hat er eine Prognose.

NürnbergDas viele billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) für Europas Banken könnte nach Ansicht des Konsumforschers Rolf Bürkl mittelfristig die Inflation in Deutschland anheizen.

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„Es ist im Moment so, dass sich diese zusätzliche Geldmenge mehr oder weniger im Finanzbereich bewegt und weniger in Form von Investitionen und dergleichen in den realen Sektor übergeschwappt ist“, sagte der Konsumexperte des Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Wenn diese Geldmenge natürlich in den realen Sektor überfließt, wird das sicherlich auch auf die Preise drücken.“

Die EZB will genau das vermeiden und hat deshalb stets betont, das Geld rechtzeitig wieder einzusammeln. Europas Währungshüter bieten den Geschäftsbanken derzeit Zentralbankgeld zu historisch niedrigen Zinsen an, um das Geschäft der Banken untereinander sowie das Kreditgeschäft in den Euro-Krisenländern anzukurbeln.

Für dieses Jahr sieht auch Bürkl noch keinen stärkeren Anstieg der Inflationsrate, zumal die Jahresteuerung zuletzt im Januar auf 1,7 Prozent gesunken ist. „Aber mittelfristig steckt hier schon ein Gefahrenpotenzial drin.“ Hohe Inflation gilt als Gift für das Konsumklima.

In Deutschland tragen die Ausgaben der Privathaushalte knapp 60 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Für 2013 rechnet die GfK mit einem Zuwachs um ein Prozent - auch dank der anstehenden Tarifrunden.

„Das Einkommen ist natürlich eine ganz wichtige Voraussetzung für den Konsum. Im Moment zeichnet sich ab, dass die Tariferhöhungen höher sein werden als die zu erwartende Inflationsrate in diesem Jahr, also dass es auch reale Einkommenszuwächse gibt“, erläuterte Bürkl. Dies werde die Verbraucherstimmung stützen.

„Der Konsum könnte auch dadurch wachsen, dass die Verbraucher noch weiter ihr Sparen einschränken“, sagte Bürkl. Allerdings liege die Sparquote schon auf einem sehr niedrigem Niveau, weil die durch die Finanzkrise verunsicherten Bürger auch wegen der niedrigen Zinsen ihr Geld lieber für teure Anschaffungen ausgäben.

Der Run auf Immobilien könnte im Übrigen wegen des knapper werdenden Angebots nachlassen, prognostizierte Bürkl. „Wenn es im Immobilienbereich nicht mehr oder nur noch zu stark überhöhten Kosten möglich ist, das Geld anzulegen, dann werden die Verbraucher vermutlich zu anderen größeren oder werthaltigen Anschaffungen tendieren. Das kann zum Beispiel im weitesten Sinne alles sein, was mit Gold zu tun hat.“

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 27.02.2013, 20:59 UhrLinkeT

    Das lustige ist ja, bei einer Inflation wird das Geld weniger Wert -> große "Mengen" an Geld sind dann einfacher zu generieren -> Die 2.000.000.000.000 € Schulden sind schneller abgebaut.

    Das Problem sind Steuerliche Gesetze, einfachstes Beispiel:
    Kleinunternehmer Klausel, die besagt das Unternehmer die weniger als 17.500€ Umsätzen Umsatzsteuer befreit sind (Zahlen die Steuer aber selbst), daraus ergibt sich, das dann bei einer Entwertung um den Faktor 1000 jeder Umsatzsteuer zahlen müsste der jetzt 18€ p.A. Umsetzt. Das tut ja keinem weh, aber wie sieht es mit Steuerfreibeträgen aus - die sind ja ähnlich formuliert. Man sollte solche Gesetze relativieren, das Problem ist ja "nur" woran macht man Inflation fest? Am Goldpreis?

  • 27.02.2013, 07:40 Uhrcp-pr

    Wieder nur das bekannte Geschwätz des Establishments, seiner Domestiken und willfährigen und unkritischen Journalisten. Kein Einziges Wort darüber, wie diese Inflationswerte zustande kommen. Dass Rindfleisch durch Schweinfleisch und Butter durch Margarine ersetzt wird, dass nun der elektronische Mist wie Mac, Iphone und Co. einen wesentlich größeren Anteil des Warenkorbes ausmachen, wobei deren Preise tatsächlich in den letzten Monaten merklich gesunken sind - über deren Rolle kein Wort.! 1,7% Inflation? Benzin verdünnt mit Alkohol und trotzdem binnen eines Jahres um mindestens 15C (etwa 10%) gestiegen, Aldi und Co. erhöhten die Preise für Mehl von 25 auf 45C (ca. 55% Preissteigerung), Zucker von 65 auf 85C (ca. 24% Preissteigerung), Toastbrot von 45 auf nun 55C (ca. 19% Preissteigerung), Strom von 21C auf nun 25C (ca. 16% Preissteigerung) - ja so könnte ich noch lange fortfahren. Und wir sollen nur eine Inflation von 1,7% haben? Ja, durch die oben genannten Verdummungstricks kann man das tatsächlich schwarz auf weiß belegen.

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