Teletext: Mit Klötzchen-Grafiken und Pixel-Text in eine neue Ära

Teletext: Mit Klötzchen-Grafiken und Pixel-Text in eine neue Ära

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So sieht der neue Videotext aus: "HD Text" nennt ihn RTL

Oft verspottet als "Internet für Arme", erfreut sich Videotext auf dem Fernsehbildschirm nach wie vor großer Beliebtheit. Bislang trotzte der Info-Dinosaurier allen Hightech-Bestrebungen. Jetzt wollen der Fernsehsender RTL und Elektronikriese Philips die Klötzchengrafiken und Mini-Artikel ins echte Internet-Zeitalter katapultieren.

Wer wissen will, wie sein Lieblings-Fußballverein am Wochenende gespielt hat und das Spiel nicht live am Fernsehen oder wenigstens am Radio mitverfolgen konnte, zappt sich in den Videotext eines beiliebigen Fernsehsenders.

Ob News aus Politik und Wirtschaft oder Gesundheitstipps, Sportergebnisse oder Börsenkurse - das Informationsangebot Teletext kann sich sehen lassen. Kurz und knapp und alles auf einen Blick. Gesteuert wird das Ganze mit der TV-Fernbedienung. Kein Mauszeiger, kein Klicken: Es gibt eine Übersicht, die Anwahl der einzelnen Seiten erfolgt durch Eingabe einer dreistelligen Ziffer.

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Seit fast 40 Jahren gibt es den Teletext schon - in Deutschland wird er als Videotext (VT) bezeichnet.

Jetzt will der Kölner Privatsender RTL gemeinsam mit dem niederländischen Elektronikkonzern Philips auf der IFA eine neue Ära einläuten: Wenn alles klappt, soll im nächsten Jahr das neuen Teletext-Angebot "HD-Text" starten, der über Set-Top-Boxen oder Fernsehgeräte mit HD-Anschluss empfangen werden kann.

Der HD Text basiert auf dem Hybrid Broadcast Broadband TV (HBBTV)-Standard, auf den sich bereits mehrere Sender und Gerätehersteller verständigt haben. Grundlage für HBBTV ist CE-HTML, eine Programmiersprache, wie sie auch für Inhalte auf mobilen Endgeräten eingesetzt wird, darf sich der Leser auf ein Videotext-Revolution freuen: eine weniger verpixelte Darstellung und mehr echtes Internet-Gefühl mit hochaufgelösten Bildern.

Erstmals Bewegtbilder mit Teletext möglich

Erstmals soll es auch möglich sein Bewegtbilder etwa für Nachrichten oder Werbesports einzubinden, wie Tino Groß, Leiter Teletext bei RTL, gegenüber wiwo.de sagt. 

Die reine Ziffern-Navigation werde ergänzt durch die Taste "OK" und Pfeiltasten für alle vier Richtungen. Mehr Möglichkeiten bietet die TV-Fernbedienung ohnehin nicht.

Auch die ARD setzt auf den neuen Standard und lässt die Besucher der heute zu Ende gehenden Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin schon einmal in die neue VT-Welt hineinschnuppern. Wann das neue Angebot dann für alle Zuschauer des Ersten zur Verfügung stehen wird, darauf will sich Frauke Langguth, bei der ARD für Videotext verantwortlich, noch nicht festlegen. 2008 nutzen die meisten Fernsehzuschauer den ARD Text, gefolgt von RTL und ZDF. Das Zweite ist nach Worten von Karin Müller, Redaktionsleiterin ZDF text und zdf.de, ebenfalls an der neuen Videotext-Technik interessiert, konzentriert sich auf der IFA jedoch aufs hochauflösende Fernsehen.

Die Gerätehersteller hätten es schon vor Jahren in der Hand gehabt, die Revolution der Pixel beim Teletext viel früher einzuläuten. "Noch immer unterstützen die Chips in den Geräten nur den technischen Level 2.0", erklärt Bernd Eder, Vorstand der Kölner Puck AG, die sich auf Fernsehsender-Software spezialisiert hat. Level 2.5 mit besseren Darstellungsmöglichkeiten für Videotext sei längst möglich gewesen, sagt der Fachmann, doch keiner der Hersteller habe die entsprechenden Chips in die Geräte eingebaut.

Rund 16 Millionen Nutzer täglich

Auch die ARD setzt auf Videotext der nächsten Generation

Auch die ARD setzt auf Videotext der nächsten Generation

Dass sich die Investition gelohnt hätte, zeigen die Nutzerzahlen von Videotext: Rund 16 Millionen TV-Zuschauer greifen pro Tag ungefähr anderthalb Minuten auf die Videotext-Angebot der Sender zu. Zwar stagniert diese Zahl seit drei Jahren, doch auf hohem Niveau. Fast ein Drittel der 14- bis 49-jährigen Zuschauer - der für die Werbebranche relevanten Zielgruppe - nutzen nach einer Studie von AGF/GfK täglich das Teletext-Angebot.

Ein weiteres Manko, die fehlende Möglichkeit zur Interaktion für den Nutzer, haben Techniker längst aus dem Weg geräumt: Bei Spielen, Quizzen und anderen interaktiven Angeboten bleiben auch Videotext-Nutzer nicht außen vor. Der fehlende Rückkanal wird dadurch kompensiert, dass Nutzer eine SMS schicken, eine Gewinnspiel-Hotline anrufen oder E-Mails versenden.

Und wer noch eine Weile auf HD-Fernsehgerät oder Set-Top-Box verzichten möchte, kann sich auch künftig über Klötzchen-Grafiken und Schriften freuen, die mit ihrem Retro-Charme an selige BTX-Zeiten erinnern: Kein Fernseh-Sender wird den herkömmlichen Videotext in Kürze abschalten.

Dafür, so sind sich alle Verantwortlichen einig, ist er viel zu beliebt.

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