Evolutionslehre: 200 Jahre Darwin: Eine Theorie schockiert die Welt

Evolutionslehre: 200 Jahre Darwin: Eine Theorie schockiert die Welt

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Porträt des Naturforschers Charles Darwin, wie ihn der britische Künstler John Collier 1883 gesehen hat. Darwin wäre heute 200 Jahre alt geworden

Für viele Menschen in Europa war die Evolutionstheorie von Charles Darwin zunächst ein Schock, stellte sie doch ihr Weltbild infrage. Heute wäre der englische Naturforscher 200 Jahre alt geworden - und die Debatte für oder wider Darwins Theorie wird nicht mehr so heftig geführt wie einst.

Die katholische Kirche kann heute gut mit der Evolutionstheorie leben: „Biblische Schöpfungsaussagen sind ihrer literarischen Form nach keine protokollartigen Berichte über den Entstehungsvorgang der Welt, sondern ursächliche Sinndeutungen“, erläutert ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Es falle in die Kompetenz von Naturwissenschaftlern zu erklären, wie die Welt entstanden sei. „Die theologische Schöpfungslehre fragt dagegen, warum überhaupt etwas ist.“

Die evangelische Kirche in Deutschland sieht es ähnlich. Sie nennt den Kreationismus, der von der „wörtlichen Inspiriertheit“ der Bibel ausgehe und auf dieser Grundlage die „Irrtumlosigkeit der biblischen Texte“ verteidige, einen Irrweg. Eine „Orientierungshilfe“ des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland verweist auf Martin Luther, der mehr als 300 Jahre vor Darwin gelebt hat: „Man kann - so verdeutlichte Luther - von Universität zu Universität ziehen und sich alle Weisheit über das Werk der Schöpfung aneignen. Den Glauben, der im Schöpfercredo enthalten ist, findet man dadurch nicht. Ich selber muss mich als Geschöpf Gottes glauben, das alles von ihm empfängt und ihm danken kann.“

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Zentralrat der Muslime in Deutschland schreibt in seiner Islamischen Charta: „Der Koran fordert den Menschen immer wieder dazu auf, von seiner Vernunft und Beobachtungsgabe Gebrauch zu machen. In diesem Sinne ist die islamische Lehre aufklärerisch und blieb von ernsthaften Konflikten zwischen Religion und Naturwissenschaft verschont.“

„Das Judentum hat keine Probleme mit wissenschaftlichen Erkenntnissen jedweder Art“, erläutert der Berliner Rabbiner Prof. Walter Homolka. „Wir glauben, dass Gott den Menschen durch die menschliche Vernunft an seiner Offenbarung teilhaben lässt. Das schließt einen fortschreitenden Erkenntnisgewinn ein.“

Der Schöpfungsmythos lehre nicht die Herkunft des Menschen, sondern viel eher die Gleichheit aller Menschen. Der Buddhismus geht von der Wiedergeburt aus. „Er beschäftigt sich vorwiegend mit der Evolution des Geistes des Individuums über verschiedene Existenzen hinweg“, erklärt der Lehrer des Buddhismus am Tibetischen Zentrum Hamburg, Oliver Petersen. Die Entwicklung einzelner Wesen sei nicht von einem einzigen äußeren Einfluss sondern vorwiegend von deren Handlungen abhängig. Diese Lehre des Karmas müsse jedoch nicht im Widerspruch zur Evolutionstheorie Darwins stehen. „Der Einfluss von Genen und natürlichen Umständen insbesondere auf die körperliche Beschaffenheit der Wesen wird nicht geleugnet.“

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Naturkundemuseum Berlin auf Darwins Spuren

Zu einer spannenden Entdeckungsreise auf Darwins Spuren lädt von heute an das Naturkundemuseum in Berlin ein. Im Rahmen einer großen Sonderausstellung können Besucher zunächst die abenteuerliche Weltumseglung des Naturforschers „leibhaftig“ nacherleben: Sie betreten ein Schiff, in dessen Innern als Kisten und Fässer gestaltete Vitrinen mehr als 350 von Darwin gesammelte Tierarten zeigen. Die Kommentare dazu stammen von Darwin und seinen Reisebegleitern selbst.

Auch einige „Darwin-Originale“, wie der Staub vom Deck des Forschungsschiffes HMS Beagle oder der Zahn eines fossilen Urzeit-Riesen, sind im Bauch des Ausstellungs-Schiffes zu sehen. In einem zweiten, stärker biografisch ausgerichteten Teil präsentiert die Schau das Leben Darwins, seiner Familie und sein Forscherdasein in England - der Bogen spannt sich bis zum abschließenden Wettlauf um die Evolutionstheorie. Die Ausstellung, Teil eines Kooperationsprojektes mit dem Museum für Naturkunde in Stuttgart, läuft bis 31. August und wird von Sonderveranstaltungen begleitet. (Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9.30 bis 17 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertag 10 bis18 Uhr, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin)

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