Fußgänger : Darum springt die Ampel so schnell auf Rot

Fußgänger : Darum springt die Ampel so schnell auf Rot

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Ein rotes Ampelmännchen.

von Lisa Oenning

Oft springt die Fußgänger-Ampel schon auf Rot, während sich der Passant noch mitten auf der Straße befindet. Jetzt stellt sich heraus: Das ist Absicht. Welche Faktoren die Ampelschaltung beeinflussen.

Jeden Morgen gehe ich zu Fuß zur Arbeit. Jeden Morgen laufe ich deutlich schneller als das übliche Schritttempo von 3,6 Kilometern pro Stunde. Jeden Morgen stehe ich an der gleichen, hochfrequentierten Straßenkreuzung. Und jeden Morgen stelle ich mir die gleiche Frage: Schaffe ich es heute während der Grünphase, die Straße zu überqueren? Meine persönliche Statistik macht mir wenig Mut. In 100 Prozent der Fälle lautet die Antwort: Nein. Etwa fünf bis sechs Meter vor dem Bürgersteig springt die Lichtanlage um.

Doch jetzt stellt sich heraus: Das ist Absicht. Viele der 68.000 Ampeln in Deutschland sind extra so programmiert, dass sie umspringen, während der Fußgänger sich noch mitten auf der Straße befindet. "Die Richtlinien für Lichtsignalanlagen besagen, dass der durchschnittliche Fußgänger während der Grünphase mindestens die Hälfte der Strecke geschafft haben muss", sagt Christian Book von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen in Hamburg.

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Die Richtlinien gehen dabei davon aus, dass der durchschnittliche Passant zwischen einem und eineinhalb Meter in einer Sekunde zurücklegt. Das ist umgerechnet eine Geschwindigkeit von 4,3 km/h. "Auch wenn die Ampel schon auf halber Strecke Rot zeigt, kommen die Fußgänger noch sicher über die gesamte Straßenbreite", sagt Book. Nur wissen das die Wenigsten: Sie rennen los oder kehren um. Aber der Durchschnitts-Passant schafft es laut Experte selbst dann noch sicher über die Straße, wenn er in der letzten Sekunde der Grünphase losläuft.

Aber nicht unbedingt Eltern mit Kinderwagen, Gehbehinderte oder Senioren, die langsamer als das statistische Mittelmaß laufen. Sie sind oft noch auf der Straße, wenn die Autofahrer schon Grün haben – und werden so zu Unfallopfern. Zahlen gibt es dazu nicht. Das statistische Bundesamt führt nicht explizit auf, wie viele Passanten in Unfälle an Ampelkreuzungen involviert sind.

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Trotzdem gibt es laut Book keinen Grund zur Panik. Die Ampeln seien jeweils so berechnet, dass sie für alle Verkehrsteilnehmer unter normalen Voraussetzungen sicher sind, aber gleichzeitig einen möglichst reibungslosen Verkehrsfluss gewährleisten. "Jede Schaltung ist ein Kompromiss aus vielen Zielkonflikten", sagt Book. An stark belasteten Straßen und zu verkehrsintensiven Zeiten seien die Umlaufzeiten – die Zeit eines gesamten Ablaufes der Schaltung – oft länger. An weniger stark belasteten Stellen und zu verkehrsschwachen Zeiten könne es zu kürzeren Umlaufzeiten kommen. An manchen Orten, zum Beispiel vor Seniorenheimen oder Kindergärten, sind die Grünphasen für Fußgänger oftmals länger. Und wo der Verkehr beispielsweise morgens aus der Stadt hinausfließt, herrschen regelrechte grüne Wellen für Autofahrer.

In Düsseldorf gibt es eine gelbe Zwischenphase

Eine Zwischenphase mit einem gelben Balken soll den Düsseldorfer Fußgängern mehr Sicherheit verleihen. Normalerweise besagt die Straßenverkehrsordnung, dass bei der Fußgängerampel nur ein Wechsel zwischen Rot und Grün erlaubt ist. Seit 1953 hat die Stadt als einzige Kommune in Deutschland eine Sondergenehmigung für die gelbe Übergangsphase. "Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass diese Zwischenphase die Verkehrssicherheit in Düsseldorf nicht erhöht hat", sagt Book. Die Passanten seien genauso verunsichert wie vorher – oder laufen los, obwohl die Zeit nicht mehr ausreicht.

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Countdown-Ampeln, die den Fußgängern zeigen, wie viel Zeit ihnen noch zum Überqueren bleibt, erhöhen die Sicherheit auch nicht unbedingt. Die Leute würden blind loslaufen – ohne nach rechts und links zu schauen, und könnten dabei leicht von einem anderen Verkehrsteilnehmer, der noch Grün hat, übersehen werden. "Das Herunterzählen macht nur dort Sinn, wo viele Menschen auf einmal über die Straße laufen", sagt Book. Beispielsweise hinter einem Bahnhof.

Besser geeignet seien in diesen Fällen in die Lichtanlagen integrierte Erfassungssysteme – sie erkennen den Fußgänger und dessen Geschwindigkeit und stimmen darauf die Länge der Grünphase ab. Für einzelne Gruppen gibt es auch Transponder: Erzieherinnen können damit zum Beispiel bei der Lichtanlage eine längere Grünphase beantragen, wenn sie mit einer Gruppe Kindern die Straße überqueren.

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