Hochhäuser: ThyssenKrupp entwickelt den Fahrstuhl ohne Seil

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Hochhäuser: ThyssenKrupp entwickelt den Fahrstuhl ohne Seil

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Der Aufzug von ThyssenKrupp fährt auch quer.

von Jürgen Rees

Der Transrapid in klein: In einem neuen Fahrstuhl ohne Seile lebt die Technik der Magnetschwebebahn wieder auf. ThyssenKrupp Elevator will die Welt des Fahrstuhls revolutionieren.

Der Burj Khalifa in Dubai – das derzeit höchste Haus der Welt – ragt 828 Meter und 189 Etagen in den Wüstenhimmel. Tausende Bewohner und Besucher fahren täglich mit seinen insgesamt 57 Aufzügen. Doch wer vom Erdgeschoss bis nach ganz oben will, muss in der 43. und 76. Etage umsteigen.

Den Aufstieg in einem Rutsch verhindern schnöde Stahlseile: Wenn sie die Kabinen von unten nach ganz oben ziehen müssten, würden sie bei einem 800-Meter-Hochhaus allein 109 Tonnen wiegen, die nur mit hohem Energieaufwand zu bewegen wären.

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Das soll sich jetzt ändern, 161 Jahre nach der Erfindung des modernen Aufzugs mit Absturzsicherung. Die Essener Aufzugsspezialisten von ThyssenKrupp Elevator, mit einem Umsatz von 6,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr die Nummer drei auf dem Weltmarkt, haben ein neues Aufzugssystem namens Multi entwickelt. Das kommt erstmals in Hochhäusern ganz ohne Seile aus und fußt auf der Technik der Magnetschwebebahn Transrapid. Während dessen Teststrecke im Emsland und der einzige Zug im Regelbetrieb – in Shanghai – vor sich hinrotten, steht seinem Linearantrieb nach Überzeugung von ThyssenKrupp eine neue Blüte in Aufzügen und Fahrsteigen bevor.

Kein Ende des Höhenrausches in Sicht

Der Bedarf ist groß. Denn weltweit streben die Menschen in die Metropolen, vor allem in Asien und Lateinamerika. Noch 1950 lebten 70 Prozent der Weltbevölkerung auf dem Land, bis 2050 soll sich dieses Verhältnis umkehren. Doch Platz ist in den Städten begrenzt und teuer, die Wolkenkratzer werden immer höher.

Da ein Ende des Höhenrausches nicht in Sicht ist, haben die ThyssenKrupp-Ingenieure den Fahrstuhl neu gedacht. Sie haben alle Kabinen motorisiert, die damit nicht nur nach oben und unten fahren, sondern erstmals auch zur Seite abbiegen können. „Diese neue Bewegungsfreiheit ist ein Wendepunkt in der Geschichte des Aufzugs“, so ThyssenKrupp-Aufzugschef Andreas Schierenbeck. Herzstück des Systems ist ein elektrischer Antrieb, der mit Wechselstrom ein wanderndes Magnetfeld erzeugt, das die Kabine in der Schiene festhält. Das Magnetfeld beschleunigt den Aufzug ebenso wie Fahrsteige, moderne Achterbahnen oder den Transrapid.

Das Konzept ähnelt einem Paternoster. Die Kabinen sind mit einer Geschwindigkeit von 18 Kilometern pro Stunde unterwegs. Alle 15 bis 30 Sekunden können Wartende, die nach oben oder unten wollen, einsteigen. Multi ist damit für die Mitfahrer besser verträglich als viele Hochgeschwindigkeitsaufzüge in Wolkenkratzern, die oft mit deutlich mehr als dem doppelten Tempo nach oben oder in die Tiefe sausen. Viele Aufzugfahrer beklagen sich etwa im 509 Meter hohen Taipei 101 in Taiwan über die flotte Fahrt mit 60 Kilometern pro Stunde; ihnen wird schlecht.

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Multi benötigt die Hälfte weniger Raum als herkömmliche Systeme. Der lässt sich stattdessen zum Wohnen oder Arbeiten nutzen. Zudem wiegt er 50 Prozent weniger als vergleichbare Aufzüge. „Das ist ein großer Fortschritt für Bauplaner“, sagt Dario Trabucco vom Council on Tall Buildings and Urban Habitat, einem unabhängigen Forschungsinstitut in Chicago.

Ende 2016 will ThyssenKrupp den ersten Prototyp in seinem dann fertigen, 246 Meter hohen Testturm für Aufzüge im schwäbischen Rottweil erproben.

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