Recycling: Wie in Brasilien Abfall zu Kunst wird

Recycling: Wie in Brasilien Abfall zu Kunst wird

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Ideen aus Müll. Wer groß recyclen will fängt klein an: Kinder entwerfen ihr eigenes Spielzeug

von Alexander Busch

Niemand verwandelt Abfall kunstvoller in Alltagsprodukte als die Brasilianer. Der Luxus aus Abfall hat in Brasilien eine lange Tradition.

Natürlich liebt eine Grüne Recyceltes. Doch diese Handtasche, die Renate Künast in Brasilien geschenkt bekam, war wohl die ungewöhnlichste, die sie je besessen hatte – das Accessoire ganz nach dem Geschmack der Grünen-Frontfrau. Bei ihrem Besuch in Brasilien schenkten ihr lokale Umweltschützer ein silber schimmerndes Täschchen, geknüpft aus Tausenden Aludosenlaschen. Es sei „einmalig, wie hier Abfall zu Design wird“, erklärte die deutsche Politikerin entzückt.

Für brasilianische Designer, Architekten, Künstler und Couturiers sind Produkte aus Abfall indes keineswegs einmalig. Unter Rappern in den Vororten der Großstädte sind Halsketten aus Aludosenlaschen schon lange angesagt. Die schweren Jungs können sich die sonst üblichen Goldketten schlicht nicht leisten.

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Doch neuerdings sieht man solchen Schmuck selbst in den teuren Szene-Clubs São Paulos: Die jungen Menschen dort tragen immer öfter netzhemdartige Oberteile aus ebendiesen Aludosenlaschen, die Renate Künast so begeisterten.

Weg aus der Armut

Der „luxo do lixo“ – zu Deutsch: „Luxus aus Abfall“ – hat in Brasilien eine lange Tradition. Schon immer haben die Armen die Abfälle der Reichen in Spielzeug, Schmuck, Möbel oder Kunst verarbeitet. Aus Butterdosen fertigten anonyme Künstler Mitte des vergangenen Jahrhunderts Miniatur-Kinderkarussells, Autos oder Flugzeuge. Heute sind die wertlosen Blechobjekte von einst begehrte Sammlerstücke in den Top-Galerien dieser Welt. Den Armen brachte das bislang wenig.

Bis heute spielen Kinder in den Favelas, den Slums Brasiliens, mit Autos, die sie kunstvoll aus Haushaltsreiniger-Flaschen zusammenschrauben. Selbst Einrichtungsgegenstände wie Tische und Stühle fertigen Familien aus Pappresten und PET-Flaschen.

Nun wollen Hilfsorganisationen diese Volkskreativität als Weg aus der Armut nutzen: Viele Lampen, Schmuckstücke und Taschen, die in europäischen Design- und Möbelläden angeboten werden, stammen aus Brasilien und finanzieren Sozialprojekte im Amazonasland. Modeketten wie „Maria Lixo“ („Müll Maria“) fertigen schicke Taschen und Geldbeutel aus benutzten Einkaufstüten und vertreiben sie übers Internet weltweit. Arbeitslose sammeln sie aus Abwasserkanälen und von den Straßenrändern auf und liefern sie gegen umgerechnet ein paar Euro am Tag in den Fabriken ab. Ein Recyclingsystem wie in Europa gibt es in Brasilien nicht. Das ist zumindest gut für die Kunst: „In Europa müssen Künstler das ganze Material mühsam von den Recyclingfirmen kaufen“, sagt Stephan Schäfer, einer der führenden Kunstrestauratoren Brasiliens, „hier bekommen sie es umsonst.“

Das Material auf den Müllkippen sei für ihn „ein Geschenk Gottes“, sagt Washington Santana, einer der führenden Trash-Art-Künstler Brasiliens, der schon auf die Documenta in Kassel eingeladen wurde. Santana sucht sich seine Materialien auf den Müllkippen der Großstadt Salvador zusammen. Sein bekanntestes Werk ist ein Modell der brasilianischen Nationalflagge, zusammengesetzt aus weggeworfenen blauen, gelben und grünen Flip-Flops.

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