Rauchmelder: Der Lebensretter an der Decke

Rauchmelder: Der Lebensretter an der Decke

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Thomas Kuhn, WirtschaftsWoche-Redakteur und seit 1980 Feuerwehrmann.

von Thomas Kuhn

An Rauchmeldern scheiden sich die Geister: Sind die schrillen Alarmgeber die billigstmögliche Lebensversicherung oder bloß Geschäftemacherei? Zum Deutschen Rauchmeldertag geben wir die wichtigsten Antworten.

Das Datum passt: Freitag der 13. ist „Rauchmeldertag“. Den hat die Initiative „Rauchmelder retten Leben“ ausgerufen, die dafür wirbt, die eigenen vier Wände mit Brandrauchsensoren abzusichern. Während Kritiker hinter solchen Kampagnen vor allem Vertriebsinteressen der Brandschutzindustrie sehen und auf die immensen Kosten einer bundesweiten Aus- und Nachrüstpflicht für Rauchmelder verweisen, schwören Brandschutzprofis auf Rauchmelder als „billigste Form der Lebensversicherung“.

Jeder einzelne vermiedene Brandtote durch einen rechtzeitigen Alarm sei den Aufwand von nur wenigen Euro Kosten pro Gerät wert.

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Jenseits aller Polemik – wie sehen die Fakten aus?

1. Wie viele Brandopfer gibt es in Deutschland?

Rund 400 Menschen sterben jährlich durch Brände – Monat für Monat sind das im Durchschnitt 30 bis 35 Todesopfer. Der allergrößte Teil von ihnen – rund 95 Prozent – stirbt nicht durch die Flammen, sondern erstickt an den giftigen Rauchgasen. Und selbst wer Rauch und Flammen überlebt, leidet oft jahrelang unter Spätfolgen. Rund 4000 Brandverletzte mit Langzeitschäden zählt die Statistik pro Jahr.

Hausratversicherung: Worauf achten Versicherte?

  • Einordnung

    Die Hausratversicherung ist eine wichtige Versicherung für alle, die wertvolle Gegenstände in ihrer Wohnung haben. Sie ersetzt Schäden, die durch Feuer, Einbruchdiebstahl, Vandalismus nach Einbruchdiebstahl, Explosion, Sturm oder Leitungswasserschäden entstanden sind.
    Quelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

  • Hausrat

    Das sind Gegenstände, die im Haushalt gebraucht werden oder zur Einrichtung gehören. Beispiele: Möbel, Teppiche, Bekleidung, Haushaltsgeräte, Bücher, aber auch Sportgeräte oder Satellitenschüsseln. Egal ist, ob die Gegenstände dem Versicherungsnehmer gehören oder nicht. Ausgeschlossen ist das Eigentum von Untermietern.

  • Bargeld und Sparbücher

    Bei Bargeld und Wertpapiere gibt es Höchstgrenzen für die Entschädigung. Sie ist meist auf 20 Prozent der Versicherungssumme begrenzt. Die Grenzen können vereinbart werden.
    Wer Geld rumliegen lässt, bekommt in der Regel nicht mehr als 1000 Euro zurück. Für Sparbücher, Urkunden oder sonstige Wertpapiere liegt die Grenze meist bei 2.500 Euro.

  • Grobe Fahrlässigkeit

    Wer unvorsichtig ist, bekommt auch etwas von der Versicherung zurück. Allerdings hängt die Höhe davon ab, wie schwer der Verstoß war, den der Verbraucher zu vertreten hat.

  • Versicherungssumme

    Der eigene Hausrat sollte geschätzt werden. Sonst macht dies der Versicherer pauschal. So kann man etwa 650 Euro je Quadratmeter Wohnfläche ansetzen. Bei 80 Quadratmetern Wohnfläche entspricht dies einer Versicherungssumme von 52.000 Euro. Pauschale Berechnungen führen in die Irre, wenn Wohnung zwar klein ist, aber mit sehr vielen wertvollen Gegenständen eingerichtet ist.

  • Preise

    Die Prämie hängt auch ab vom Versicherungsort. Hausratversicherungen sind in größeren Städten teurer, weil hier eine höhere Kriminalitätsrate angenommen wird. Daher gilt die Daumenregel: Je weniger Einwohner die Stadt, desto geringer die Prämie.

  • Schaden

    Wenn etwas passiert ist, muss das dem Versicherer sofort schriftlich gemeldet werden. Auf keinen Fall sollten beschädigte Sachen vernichtet werden, bevor der Schadenersatz beglichen ist!

  • Anzeige

    Bei einem Einbruch oder Vandalismus muss zusätzlich eine Anzeige bei der Polizei gemacht werden.

  • Dokumente

    Sparbücher und andere wichtige Urkunden sollte man sofort sperren lassen.

  • Streitfall

    Wer sich mit seinem Versicherer streitet, kann einen Sachverständigen einsetzen. Bei strittigen Ergebnissen der Gutachten entscheidet ein Obmann.

2. Reduzieren Rauchmelder die Zahl der Todesfälle messbar?

Die Zahl der Brandopfer sinkt seit den Neunzigerjahren – damals gab es gut 800 Tote pro Jahr. Seit fast zehn Jahren liegt die Zahl der Opfer zumeist unter 400. Und das obwohl die inzwischen in 14 Bundesländern geltende Brandmelderpflicht oft erst vor wenigen Jahren eingeführt wurde.

Ob und in welchem Ausmaß die Rauchsensoren zu der positiven Entwicklung beigetragen haben, lässt sich also nicht feststellen. Denn es gibt keine bundes- oder auch nur landesweite Brandstatistik, die erfasst, ob in der betroffenen Wohnung Melder installiert waren. Und schon vor der gesetzlichen Verpflichtung hatten Millionen von Bundesbürgern die Geräte installiert.

Umgekehrt aber funktioniert der Gedankenschluss sehr wohl. Fast jeder Feuerwehrmann kennt zig Fälle, bei denen die Retter nur deshalb noch rechtzeitig kamen, weil das Piepsen des Sensors Bewohner, Nachbarn oder Passanten rechtzeitig alarmierte.

3. Braucht es überhaupt Rauchmelder?

Zu den gefährlichsten Irrtümern im Zusammenhang mit Bränden gehört die Vorstellung, Rauch oder Hitze würden Menschen in Brandwohnungen schon rechtzeitig wecken und ihnen so genug Zeit zur Selbstrettung gewähren. Tatsächlich ist es so, dass Rauchgase genau das Gegenteil bewirken: Die darin enthaltenen giftigen Substanzen sind zunächst betäubend, dann erstickend. Bevor jemand hustend vom Rauch überhaupt erwacht wäre, ist er in aller Regel bereits ohnmächtig – und dann tot.

Da Brandrauch aber zur Decke steigt, können die Alarmsensoren das Warnsignal auslösen, bevor der giftige Qualm im Raum bis auf Betthöhe abgesunken ist. Vom Lärm geweckt haben die Bewohner dann noch eine Chance auf Rettung.

Hightech für Lebensretter Feuer und Flamme für Roboter und Drohnen

Die Feuerwehr 4.0 kommt: Roboter, Drohnen und andere mitdenkende Geräte erweitern nicht nur die Handlungsmöglichkeiten der Lebensretter, sondern machen den Job des Feuerwehrmanns auch um ein Vielfaches sicherer.

Die  2,85 Meter lange Drohne auf der Interschutz 2015. Quelle: PR

4. Wie viel Zeit bleibt zur (Selbst-)Rettung?

Einerseits kann es Stunden dauern, bis sich ein Stückchen liegengebliebene Glut zu einem Feuer entwickelt. Andererseits bleiben, wenn beispielsweise ein Wohnzimmersessel oder eine Gardine in Brand geraten, oft nur wenige Minuten bis sich das Feuer in einem Raum zum Vollbrand entwickelt hat, bis Hitze und Qualm eine Rettung aus dem Zimmer de facto unmöglich machen.

Nach Erfahrung der Brandschutzprofis haben Menschen im Brandfall gerade einmal vier Minuten Zeit, um sich aus der Gefahr zu retten. Sie warnen daher davor – abgesehen von kleinen Entstehungsbränden – noch groß Löschmaßnahmen zu versuchen. Piepst der Rauchmelder und ist das Feuer (noch) auf einen Raum begrenzt, dann sollte man versuchen, die Tür zum Brandraum noch zu schließen, Haus oder Wohnung rasch verlassen und – natürlich – die Feuerwehr zu alarmieren.

5. Wo gibt es schon eine Rauchmelderpflicht?

Abgesehen von Berlin und Brandenburg haben alle Bundesländer inzwischen in ihren Landesgesetzen eine Rauchmelderpflicht verankert. Teils gelten sie nur für Neubauten, teils – oft mit Übergangsfristen – auch für Altbauten.

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