Bettervest: Startup bringt Energiewende nach Afrika

Bettervest: Startup bringt Energiewende nach Afrika

von Anna Gauto

Die Crowdinvesting-Plattform Bettervest trimmt ein Hotel in Afrika auf Energieeffizienz. Bewirkt Klimaschutz dort mehr als in Deutschland?

Eigentlich wollte Torsten Schreiber, einer der Gründer der Crowdinvesting-Plattform bettervest, die Sommerferien in Cote d’Ivoire verbringen. Doch sein Schwager bat ihn, vorher einen Abstecher in Mali zu machen.

Denn in Mali, wie auch in anderen Ländern Afrikas, spricht man viel von Erneuerbaren Energien, weshalb Politiker den Sozialunternehmer aus Frankfurt kennen lernen wollten. In der Hauptstadt Bamako traf sich Schreiber, der mit bettervest Einrichtungen auf Energieeffizienz trimmt, mit Ministern. Gemeinsam besichtigten sie ein Kraftwerk.

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Eine Dreckschleuder in Bamako ist der AuslöserWas Schreiber dort sah, schockierte und faszinierte ihn gleichermaßen. Sein Blick fiel auf Diesel-Generatoren, die aus einer Zeit stammten, als Blumenkinder noch Frieden und freie Liebe im Matsch von Woodstock feierten. Er sah Maschinen, die am Tag 170.000 Liter Heizöl verbrennen – soviel wie neun Sattelzüge – und ungefiltert in die Luft blasen.

Schreiber erkannte, dass die Arbeit bei bettervest, wo die Crowd Geld in Betriebe investiert, damit diese etwa Glühbirnen gegen LEDs tauschen, zwar wichtig ist. Aber wie viel mehr könnte man für die Energiewende erreichen, würde man solche CO2-Schleudern, die Diesel mit einem Wirkungsgrad von nur 20 Grad verbrennen, durch erneuerbare, dezentrale Kraftwerke ersetzen?

Weil die Energiewende nicht halt vor Ländergrenzen macht, beschloss das bettervest-Team, das aus fünf festen Mitarbeitern und viel mehr ehrenamtlichen Helfern besteht, die Energiewende nach Afrika zu exportieren. „Denn wir müssten 1.000 Projekte in Deutschland machen, um den Impact zu erreichen, den wir in Afrika für viel weniger Aufwand bekommen“, sagt Schreiber.

Luxushotel am Strand ist erster PilotMit dem Vier-Sterne-Hotel "Etoile du Sud" in Grand Bassam soll nun schon bis März 2015 das erste Pilotprojekt starten. „Das Hotel ist voller 60 Watt Glühbirnen aus den 1980ern", so Scheiber. Die will bettervest durch LEDs ersetzen. Außerdem sollen die Klimaanlagen künftig über Solarthermie laufen. Bettervest will neue Wasserpumpen für den Pool einsetzen und eine Solaranlage auf dem Dach bauen lassen. Die liefert sauberen Strom und ersetzt die Diesel-Generatoren, die bei Stromausfällen anspringen - vier mal täglich.

Das Startup schätzt, im Etoile du Sud deutlich mehr als 50 Prozent Energie einzusparen – genaues wisse man, nachdem der Energieberater sich die Anlage angesehen habe.

Denn bevor das Hotel auf bettervest online geht, muss es denselben aufwändigen Prüfungsprozess durchlaufen, wie deutsche Projekte. Also reist ein externer Energieberater von Deutschland nach Grand Bassam und berechnet genau, wie viel die Maßnahmen tatsächlich einsparen und ob Hürden bei der Umsetzung lauern.

Denn nur dann funktioniert das Geschäftsmodell von bettervest: Die Crowd bezahlt, damit das Hotel seine Technologie auf den neuesten und nachhaltigsten Stand bringt und so weniger Energie verbraucht. Das Geld, das die verbesserte Energieeffizienz nach einiger Zeit einspielt, geht zurück an die Investoren plus einer Rendite von bis zu zehn Prozent.

Die Crowd ist doppelt abgesichert, weil sie nicht direkt sondern über den deutschen Energiecontracter GTC eine Geschäftsbeziehung mit dem Projekt in Afrika eingeht. Die GTC GmbH, die schon ein Blockheizkraftwerk für ein bettervest-Projekt in Lübeck eingesetzt hat, liefert also nicht nur Pumpen, LEDs und die Solaranlage. Sie legt das notwendige Kapital aus und garantiert, dass die Investoren die Rückzahlung aus den Gewinnen der Effizienz-Maßnahmen erhalten (hier ein Interview mit Jens Nikulka von GTC über den afrikanischen Piloten).

Das Hotel sei zudem prädestiniert, ein Bewusstsein für die Energiewende zu schaffen und Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen miteinander in Kontakt zu bringen. Denn wer ins Etoile du Sud investiert, soll dort auch kostenlos Urlaub machen können. Würde jemand nach Afrika fliegen, nur um ein energieeffizientes Zementwerk zu besichtigen?

Bettervest arbeitet nicht mit SchurkenstaatenZudem sei das Hotel ein gut funktionierendes Unternehmen und der Leiter Jacques Ablé laut Schreiber „absolut vertrauenswürdig. Die Crowd kann eigentlich nur verlieren, wenn sowohl das Hotel als auch GTC Pleite gehen“. Denn es werde immer nur der Betrag ausgeschüttet, den man durch Energieeffizienz einspare.

Doch auch Ablé, Vorsitzender des Hotelierverbands der Elfenbeinküste, gewinnt. Ihn macht ein grünes Hotel zum Vorreiter, was ihm viele neue Buchungen und Gäste bringen könnte. Zudem ist es auch von wirtschaftlichem Interesse Energie zu sparen, denn die  Energiepreise in Westafrika entsprechen denen in Deutschland.

Dass Projekte in Afrika für die Crowd-Investoren zu unsicher sein könnten, glaubt Schreiber nicht. „Wir sind die ersten, die so etwas machen und haben die Rückmeldung bekommen, dass die Menschen dabei sein wollen.“ Außerdem „arbeiten wir nicht mit Schurkenstaaten zusammen, sondern mit Demokratien. Dort haben Verträge in der Regel Gültigkeit“, sagt Schreiber.

In Mali, Senegal und Cote D’Ivoire sei man bereits in Kontakt mit der obersten Regierungsebene. Denn dort vertreiben Staatsunternehmen den Strom. Ein Projekt mit einem Unternehmen in Deutschland, so Schreiber, sei unsicherer als einen Vertrag mit dem Präsidenten des Senegal zu haben.

Und das schmutzige Kraftwerk in Bamako? Torsten Schreiber wird es nicht mehr den Schlaf rauben. Denn der Sozialunternehmer darf drei neue Kraftwerke in Mali bauen. Eines soll aus Müll Strom machen, das zweite Biomasse verwerten, also Ernteabfälle, und das dritte Plastikflaschen durch Pyrolyse in Öl umwandeln. 2015 soll der Bau der Kraftwerke starten.

"Meine Tochter ist fünf. Ich will ihr eine bessere Welt hinterlassen", erklärt Schreiber seine Motivation. "Wenn später Fragen kommen, will ich nicht sagen müssen, ja, ich haben den Klimawandel mitbekommen, aber nichts tun können."

 

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