Grünes Kerosin: Forscher entwickeln Algensprit für Flugzeuge

Grünes Kerosin: Forscher entwickeln Algensprit für Flugzeuge

von Wolfgang Kempkens

Algenkerosin ist heute noch Science-Fiction - deutsche Forscher und Airbus wollen das jetzt ändern.

Dass man aus Pflanzenölen Biodiesel herstellen kann ist altbekannt. Sie lassen sich aber auch als Ausgangsmaterial für Kerosin verwenden, den viel reineren Kraftstoff, den Flugzeuge und Hubschrauber benötigen. Er hat weniger sehr leichte und sehr schwere Kohlenwasserstoffverbindungen als Diesel und verbrennt mit weitaus geringeren Rückständen.

Ein Verfahren, Kerosin aus Pflanzenöl herzustellen, hat zum Beispiel das Unternehmen Verfahrenstechnik Schwedt aus dem gleichnamigen Ort an der Oder entwickelt. Die Luftfahrtindustrie schielt begehrlich auf dieses Biokerosin, weil bei dessen Verbrennung nur so viel Kohlendioxid entsteht, wie die Pflanzen zuvor aus der Luft aufgenommen haben. Mit Biokerosin können die Fluggesellschaften also ihre Treibshausgasbilanz aufhübschen. Derzeit ist Herstellung des Treibstoffs aus Pflanzenölen aber so teuer, dass er nur für Demonstrationsflüge genutzt wird.

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Zwölf Forschungseinrichtungen und Unternehmen haben sich jetzt zusammengetan und wollen das mit dem Projekt Aufwind (Algenproduktion und Umwandlung in Flugzeugtreibstoffe: Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Demonstration) ändern. Die Leitung haben Biowissenschaftler des Forschungszentrums Jülich. Das besondere an dem Projekt: Öllieferanten sollen nicht Ackerpflanzen wie Raps sein, sondern Algen.

Algen bieten sich für die Produktion von Biotreibstoffen an, weil sie keine landwirtschaftlich genutzten Flächen benötigen. Sie wachsen in ihren Biorektoren auch an Orten wie sehr trockenen und heißen Gebieten, die für die Nahrungsmittelproduktion ungeeignet sind. Außerdem ist ihr Ertrag weitaus höher als der von Ölpflanzen, die auf dem Feld wachsen, wie Raps oder Palmen.

Mit der EADS und ihrer Tochter Airbus ist bei Aufwind auch einer der beiden größten Flugzeugbauer der Welt dabei. An Know-How aus Deutschland fehlen allerdings die Hochschule Anhalt und der Dresdner Anlagenbauer Gicon, die kürzlich eine Forschungsanlage in Betrieb nahmen, in der Algen gezüchtet und auf ihre Ergiebigkeit getestet werden.

Vier große Hürden bleibenDen Basisrohstoff Pflanzenöl sollen also, wie bei dem Projekt in Sachsen-Anhalt, Mikroalgen liefern. So weit ist alles klar. Die zwölf Partner müssen allerdings noch zahlreiche Fragen klären:

1. Welche Algen liefern das meiste Pflanzenöl?

2. Wie genau müssen sie mit Spurenelementen und vor allem mit Licht und Kraftwerksabgasen versorgt werden, damit sie optimal wachsen?

3. Welche Bioreaktoren sind am besten geeignet?

4. Wie lassen sich die Nebenprodukte verwerten, wenn die Algen ausgequetscht und ihr Öl abgegeben haben? Mögliche Nutzer sind Kosmetikhersteller und Futtermittelproduzenten.

Hinzu kommt die Aufgabe, das Herstellungsverfahren günstiger zu machen. Denn während Biodiesel durch Zugabe von Methanol entsteht, ist Biokerosin durch einfaches Panschen und Abfiltern von Glyzerin nicht herzustellen.

Zunächst muss das Öl, vergleichbar dem Erdöl, in einer Raffineriestufe in seine unterschiedlichen Bestandteile getrennt werden. Nur ein Teil davon ist für die Kerosinherstellung geeignet. In einem chemischen Prozess, der Hydrierung, wird der Wasserstoffanteil verändert. Je nach dessen letztlichem Anteil ist das Produkt synthetischer Diesel, Benzin oder eben Kerosin. Gemeinsam ist diesen Treibstoffe ein hoher Reinheitsgrad.

Das Projekt Aufwind ist auf zweieinhalb Jahre angelegt. Die Kosten liegen bei 7,5 Millionen Euro. 5,75 Millionen Euro trägt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, den Rest die Projektpartner.

Nur einen Haken hat die Sache: Algen binden zwar Kohlendioxid aus der Luft. Doch das fangen sie in Bodennähe ein. Flugzeuge emittieren es dagegen in einer Höhe von vielen tausend Metern - dann bleibt das Treibhausgas für mehrere Jahrzehnte in der Atmosphäre und trägt in dieser Zeit zum Klimawandel bei.

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