Innovation: 16-Jährige stellt Plastik aus Bananenschalen her

Innovation: 16-Jährige stellt Plastik aus Bananenschalen her

von Markus Okur

Kunststoffe bestehen aus teurem Erdöl. Eine 16-jährige Schülerin aus der Türkei hat nun eine Alternative präsentiert: Bio-Plastik aus Bananenschalen.

Die Welt ist abhängig vom Kunststoff - mit fatalen Folgen: Plastikmüll verschmutzt die Meere, ein hoher Ölpreis verteuert die Herstellung. Immerhin: An überraschenden Ideen, diese Probleme zu lösen, mangelt es nicht. Denn wer hätte gedacht, dass sich Kunststoff auch aus Bananenschalen herstellen lässt? Bei der alljährlichen Google Science Fair, einem Online-Wissenschaftswettbewerb für Schüler zwischen 13 und 18 Jahren, präsentierte eine 16-jährige Schülerin aus Istanbul, Elif Bilgin, genau dies:

In ihrem schon zwei Jahre währenden Projekt beschäftigt sie sich mit der Verwendung von Bananenschalen in der Produktion von Bio-Kunststoff. Er soll als Ersatz für das herkömmliche, Erdöl-basierte Plastik dienen. Bilgin entwickelte zum einen ein Verfahren zur Herstellung des Plastiks aus Bananenschalen. Ein mögliches Einsatzgebiet: In der Isolierung von Kabeln. Auf die Idee brachte sie Plastik aus den Resten von Mangos – auch deren Stärke wird in der Kunststoffproduktion eingesetzt.

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Die Schülerin recherchierte, dass allein in Thailand – der Gegend aus der die Banane ursprünglich stammt – rund 200 Tonnen an Schalen pro Tag weggeworfen werden. Die Schale mache gut 30-40 Prozent einer Banane aus. Dieser Ausschuss könne wesentlich besser genutzt und weiterverwertet werden, dachte sie sich.

Die Methode, die Bilgin erarbeitete,  ist dabei so einfach, dass man die Experimente in einem einfach eingerichteten Labor oder auch zu Hause nachstellen kann – alles, was man braucht ist Chlorwasserstoff, Glycerin, Natronlauge und Natriumdisulfit. Manche der verwendeten Chemikalien sind zwar reizend, aber nicht extrem gefährlich. Begeistert hat das auch die Jury des mit 50.000 Dollar dotierten "Science in Action"-Preises, den Bilgin kürzlich gewann.

Problem bei Bioplastik: Die KompostierbarkeitBisher gibt es vor allem Tüten und Folien aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais-, Zuckerrüben-, oder Kartoffelstärke. Wer aber glaubt, dass Kunststoffe auf Biomasse-Basis eine neue Erfindung sind, der irrt: Der erste industriell produzierte Kunststoff (1869) war ein Biokunststoff – Celluloid. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die ersten auf Erdölbasis gefertigten Kunststoffe erfunden.

Ob Biokunststoffe aber wirklich so umweltfreundlich wie erwartet sind, ist umstritten. Dies belegt zum Beispiel die jüngste Studie des Bundesumweltamtes über Verpackungsmaterial aus Bio-Kunststoffen.

Im Jahr 2011 wurde zudem gegen Danone, Aldi und REWE Anzeige wegen irreführender Werbung erstattet. Sie bewarben ihre Joghurtbecher und Einkaufstüten aus Polymilchsäure-basierten Kunststoffen als kompostierbar. Das heißt aber noch lange nicht, dass man sie einfach auf den Komposthaufen werfen kann: Viele Biokunststoffe zerfallen nur unter ganz spezifischen Bedingungen in Wasser und Kohlendioxid. Bedingungen, wie sie nur in einigen wenigen professionellen Kompostwerken herrschen.

Daher landet das Bioplastik oft – zusammen mit den herkömmlichen Stoffen – in der Verbrennungsanlage. Ob auch dem Bananen-Kunststoff von Bilgin ein ähnliches Schicksal droht, bleibt abzuwarten.

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