Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für IKEA, Herr Wenzig?

Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für IKEA, Herr Wenzig?

von Benjamin Reuter

Was bewegt deutsche Nachhaltigkeitsmanager? Heute in unserer WiWo-Green-Serie Ulf Wenzig von IKEA.

In regelmäßigen Abständen befragt WiWo Green die wichtigsten Nachhaltigkeitsmanager der deutschen Wirtschaft zu ihren Zielen. Den dritten Fragebogen hat Ulf Wenzig ausgefüllt, der sich seit November 2011 als Sustainability Manager Retail bei IKEA Deutschland um das Thema Nachhaltigkeit kümmert. Vorher hat Wenzig in Indonesien in den Bereichen Abfallmanagement und Energieeffizienz gearbeitet.

Herr Wenzig, bitte formulieren Sie in einem Tweet von 140 Zeichen, was Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen bedeutet.

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Nachhaltigkeit ist bei IKEA ein starker Innovationsantrieb vom Design unserer Produkte bis hin zur Art, wie wir sie produzieren, verpacken und transportieren.

Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um das Thema - oder sind Sie Einzelkämpfer?

Wir haben in allen Unternehmensbereichen hauptberufliche Sustainability Manager – bis in´s Top Management von IKEA, wo unser Chief Sustainability Manager Steve Howard das Thema vorantreibt. Insgesamt sprechen wir sicher über 150-200 Kollegen. Viel wichtiger sind aber die nebenberuflichen Nachhaltigkeitsverantwortlichen – und das sind weltweit alle 135.000 Mitarbeiter. Die Mitarbeiter sind die wichtigsten Multiplikatoren für dieses Thema. Wir wollen alle Mitarbeiter mit dem Thema Nachhaltigkeit erreichen, das soll ein ganz natürlicher Bestandteil des Denkens, Handelns und des Geschäfts werden. Da sind wir aber noch nicht angekommen und es ist meine Aufgabe für IKEA Deutschland, das Thema voranzubringen.

Nennen Sie kurz die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens

Unsere globale Nachhaltigkeitsstrategie, die im Netz unter „People & Planet Positive“ abrufbar ist, setzt auf drei Bausteine:

1. Ein nachhaltigeres Leben zu Hause- Entwicklung erschwinglicher Produkte, mit denen die Kunden Energie und Wasser einsparen und Abfall reduzieren können. Wir arbeiten seit Jahren daran, möchten aber noch viel weiter gehen. Bis 2020 werden wir deutlich mehr Produkte für ein nachhaltigeres Leben zu Hause anbieten und damit das Leben der Vielen verbessern.

2. Energie und Ressourcen - Kostensenkung und Schonung von Ressourcen, indem wir mehr aus weniger machen, Abfall als Ressource nutzen und auf erneuerbare Energien setzen. Bis 2020 wird die IKEA Gruppe klimaneutral d.h. wir werden insgesamt mehr regenerative Energie erzeugen als wir verbrauchen.

3. Menschen und Gesellschaft - Neben nationalen (Naturschutzbund Deutschland, Aktion Tagwerk) und internationalen Kooperationen (UNICEF, Save the Children, UNHCR) legen wir besonderen Wert auf eine nachhaltige Lieferkette. Seit 2000 gibt es daher den IWAY Standard, der Arbeits- und Umweltbedingungen bei unseren Lieferanten prüft und sie dabei unterstützt, nachhaltiger zu arbeiten.

Auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6 - wie gut setzen Sie diese Ziele schon um?

Ach wissen Sie, Schulnoten…

Auf welches Projekt in dem Feld sind Sie stolz?

Wir haben einen klaren Standpunkt zur Energie, die wir in unserer Geschäftstätigkeit nutzen – wir möchten weniger verbrauchen, und die Energie, die wir verbrauchen, soll aus erneuerbaren Quellen kommen. Dies trägt zur Kostenstabilisierung bei und schützt uns vor Schwankungen der Energiepreise. Im letzten Jahr haben wir erneuerbare Energie erzeugt, die 34% unseres Gesamtverbrauchs entspricht, und am Ende des Geschäftsjahrs 2012 hatten wir weltweit rund 250.000 Solarpaneele auf unseren Gebäuden und 83 Windkraftanlagen in Betrieb.

Wie stellen Sie überhaupt fest, wie nachhaltig ihr Unternehmen ist?

Wir freuen uns natürlich wenn Interbrand im Januar 2013 feststellt: IKEA is the world's most sustainable retailer. Viel wichtiger ist aber was intern passiert um unsere Nachhaltigkeitsperformance voranzubringen. Wir wollen keine speziellen Ökoprodukte herstellen, sondern arbeiten vielmehr darauf hin, dass unser gesamtes Sortiment nachhaltiger wird. Für 2015 planen wir, dass wir 90% unseres Umsatzes mit noch nachhaltigeren Produkten erzielen, und haben zur Messung unseres Fortschritts eine eigene Nachhaltigkeits-Scorecard entwickelt. Mit dieser haben wir drei Viertel unseres Sortiments analysiert, und ein Drittel der Produkte ist bereits nachhaltiger. 91% aller benutzten Materialien sind entweder erneuerbar, recyclingfähig oder recycelt.

“Go green to get gold” - wie viel Geld spart Ihr Unternehmen, indem es nachhaltiger arbeitet?

Wenn wir uns nicht um Energie- und Ressourceneffizienz kümmern, werden wir mittelfristig in unserem Marktsegment keinen Bestand mehr haben. Kundenanforderungen, höhere Preise für Rohstoffe und Energie, notwendige Emissionsminderungen und weiter niedrige Preise für unsere Produkte – das ist das Umfeld, das uns zu einem nachhaltigen Wandel treibt. Aber auch intrinsisch passt das gut zu unseren Unternehmenswerten. Ein Kernattribut der IKEA Kultur ist Bescheidenheit, ein anderes Einfachheit. Dazu passen Nachhaltigkeit und Effizienz. Einsparungen sind in der Regel eine logische Folge.

Wo sehen Sie ein Geschäftsmodell für Nachhaltigkeit, das über kurzfristige Kostenersparnisse hinausgeht?

Wir können nicht länger Instrumente des 20. Jahrhunderts auf Probleme des 21. Jahrhundert anwenden. Wir müssen unser Geschäft transformieren. Bei IKEA sind wir schon lange auf dem nachhaltigen Weg unterwegs und jetzt haben wir mit einer klareren Strategie und ambitionierten Maßnahmen noch einmal deutlich gemacht, wohin die Reise gehen wird.

Was tun sie, um Lieferketten nachhaltig zu gestalten?

Wir besuchen unsere Lieferanten regelmäßig, um sicherzustellen, dass sie IWAY einhalten, und führten 2012 ca. 1000 IWAY Audits durch. Wir hatten uns das Ziel gesetzt, dass 2012 alle unsere Lieferanten für Einrichtungsgegenstände nach IWAY Standard anerkannt sein sollten – und die meisten waren dies. Leider wollen nicht alle mitziehen. Wir haben deshalb die Zusammenarbeit mit etwa 70 Zulieferern beenden müssen.

Was ist das größte Hindernis für die Umsetzung von Nachhaltigkeit?

Manchmal sind es unsere eigenen Ambitionslevel. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Gerne würde wir unsere gesamte Baumwolle aus verantwortungsvollem Anbau beziehen. Baumwolle ist neben Holz einer unserer wichtigsten Rohstoffe. Allein – die Mengen, die wir benötigen, sind aus diesen Quellen schier nicht verfügbar. Wir kooperieren daher mit der Better Cotton Initiative um die verfügbare Menge – bislang für IKEA ca. 30% - kontinuierlich zu erhöhen und hoffen 2015 bei 100% angekommen zu sein.

Koppelt Ihr Unternehmen das Gehalt der Führungskräfte an das Erreichen grüner Ziele?

Bei mir persönlich gibt es natürlich diese Verknüpfung. Ansonsten ist Sustainability ein zentraler Baustein der Geschäftsstrategie, und daher sind alle Mitarbeiter im Rahmen ihrer Aufgaben gehalten und motiviert zu dieser Zielstellung beizutragen.

Was tun Sie persönlich, um nachhaltiger zu leben?

Grundsätzlich ist es sehr hilfreich den Kopf einzuschalten und sich einfache Fragen zu stellen: Brauche ich das wirklich? Wo kommen denn meine Lebensmittel her? Passt noch was in die Waschmaschine? Fährt da auch ein Bus hin? Kleine Dinge, die in der Summe viel bewegen können. Ich gestehe aber: Da ich leidenschaftlicher Motorradfahrer bin, kommen sicherlich auch einige überflüssige Kilometer zusammen. Ich hoffe in Summe passt alles. Nachhaltigkeit sollte eben nicht nur Verzicht bedeuten.

Ulf Wenzig wird zum Thema „Nachhaltigkeit als Unternehmensstrategie“ auch auf dem Nachhaltigkeits-Gipfel 2013 sprechen, der am 17. September in Wiesbaden stattfindet. Alle Informationen zur Anmeldung und zum Programm finden Sie unter diesem Link.

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