Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Kyocera, Herr Herb?

Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Kyocera, Herr Herb?

von Benjamin Reuter

Was bewegt die deutschen Nachhaltigkeitsmanager? Heute antwortet Detlef Herb von Kyocera.

In regelmäßigen Abständen befragt WiWo Green die wichtigsten Nachhaltigkeitsmanager der deutschen Wirtschaft zu ihren Zielen. Den heutigen Fragebogen hat Detlef Herb ausgefüllt. Er verantwortet als Umweltmanager die umwelt- und gesellschaftspolitischen Aktivitäten des Bürotechnikherstellers Kyocera Document Solutions in Deutschland.

Bitte formulieren Sie in einem Tweet von 140 Zeichen, was Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen bedeutet.

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Unsere Unternehmensphilosophie: Die harmonische Koexistenz mit Natur und Gesellschaft hat die Grundlage aller Geschäftsaktivitäten zu sein

Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um das Thema – oder sind Sie Einzelkämpfer?

Beim Thema Umweltschutz ist es wichtig, dass alle Mitarbeiter aktiv mitmachen. Sonst kann auch ein Umweltmanagementsystem, das sowohl in den Produktionsstätten von Kyocera, als auch in den Vertriebsorganisationen weltweit umgesetzt ist, nicht funktionieren. Das Thema Umweltschutz ist kein Projekt eines kleinen Teams, sondern ein Prozess an dem alle Mitarbeiter tagtäglich beteiligt sind.

In meiner Funktion als Umweltbeauftragter in Deutschland werde ich von einer Kollegin unterstützt. In unserer Zentrale in Japan arbeitet außerdem eine mehrköpfige CSR-Abteilung eng verzahnt mit der Produktentwicklung an Themen wie Lebenszyklusanalysen, Energieeffizienz und sozialen Kriterien.

Nennen Sie bitte die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens?

Der Kyocera Konzern bildet seine Mitarbeiter und die lokale Bevölkerung weltweit in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz aus und stellt die Einhaltung von Sozialstandards sicher. Darüber hinaus entwickeln wir energieeffiziente und ressourcenschonende Produkte. Konkret für unsere Vertriebsgesellschaft in Deutschland sehen wir als unsere drei wichtigsten Schwerpunkte:

1. In der kontinuierlichen ökologischen Sensibilisierung und Motivation unserer Mitarbeiter, Partnerunternehmen und Kunden. Wir führen beispielsweise jedes Jahr einen Umwelttag durch und haben unter anderem die Green IT Partner Zertifizierung ins Leben gerufen – eine Zertifizierung mit hohen und regelmäßig ansteigenden Kriterien für unsere besonders grünen Partner.

2. Die Erfassung, die regelmäßige Kontrolle und die kontinuierliche Verbesserung der eigenen Umweltleistung. Hier hilft natürlich auch das monatliche Reporting, welches wir an Japan senden, in dem unser Ressourcenverbrauch (z.B. Spritverbrauch, Stromverbrauch…) aufgelistet ist. Hier haben wir von Japan die Vorgabe jährlich fünf Prozent einzusparen.

3. Unser Engagement für den Klimaschutz. Seit Mai 2013 sind sämtliche Toner von uns CO2-neutral. Hier arbeiten wir mit der Klimaschutzorganisation myclimate zusammen und unterstützen ein Klimaschutzprojekt. Innerhalb des ersten Jahres haben wir so bereits mehr als 21.000 Tonnen CO2 reduzieren können. Dies entspricht dem Einsatz von mehr als 9.000 effizienten Kochern pro Jahr in Kenia und knapp 15.000 Tonnen eingespartem Feuerholz.

Auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6 – wie gut setzen Sie diese Ziele schon um?

Wir haben hier in Deutschland im Rahmen der Kyocera Document Solutions schon viel erreicht. Ich würde uns derzeit in Deutschland die Note 3 geben, denn wir konnten aufgrund unseres massiven Wachstums die Einsparziele nicht immer erreichen. Jedoch verbessern wir uns kontinuierlich.

Auf Konzernebene ist Kyocera allerdings exzellent aufgestellt. Hier würde ich dem Unternehmen insgesamt die Note 1 geben. Die Ausrichtung des Konzerns basiert zum einen darauf, Produkte und Technologien zu entwickeln, die im Einklang mit der Umwelt und Gesellschaft sind. Zum anderen betreibt der Konzern seit der Gründung ein überzeugendes Umwelt-und Nachhaltigkeitsmanagement. In der Umweltcharta „Environment 2020“ sind alle Umwelt-und Nachhaltigkeitsziele festgelegt.

Auf Technologieebene hat der Konzern schon frühzeitig begonnen, Photovoltaikzellen und Brennstoffzellen (SOFC) zu entwickeln. Im November 2013 hat die Kyocera Corporation in Zusammenarbeit mit weiteren Unternehmen das bisher größte Solarkraftwerk in Japan in Betrieb genommen. Mit 290.000 polykristallinen Solarmodulen erzeugt es rund 78.800 Megawattstunden Strom pro Jahr, was dem Verbrauch von bis zu 22.000 Haushalten entspricht.

Auf welches Projekt in dem Feld sind Sie stolz?

Wir sind sehr stolz darauf, dass wir schon seit über 25 Jahren mit der Deutschen Umwelthilfe zusammenarbeiten und nicht nur internationale Projekte, sondern im Rahmen der Aktion „Lebendige Flüsse“ auch Biospherenreservate an Rhein und Elbe unterstützen. Darüber hinaus unterstützen wir im Rahmen des Kyocera-Umweltpreises, den wir nächstes Jahr zum fünften Mal vergeben, CO2-reduzierende Projekte und Geschäftsmodelle.

Gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe und myclimate haben wir vor einigen Jahren das Print Green Programm entwickelt, so dass wir die CO2-Emissionen, die bei der Herstellung, dem Transport sowie der Nutzung und Verwertung unserer Produkte unweigerlich entstehen, kompensieren.

Seit letztem Jahr bieten wir unseren Kunden mit der Unterstützung von myclimate auch klimaneutrale Toner an und kompensieren so aktuell 21 Millionen Kilogramm CO2 pro Jahr. Mit den Geldern aus der Kompensation wird in Kenia der Einsatz von effizienteren Kochern gefördert, die nicht nur die Umwelt entlasten, sondern auch helfen, den Alltag der Menschen zu erleichtern.

Wie stellen Sie überhaupt fest, wie nachhaltig ihr Unternehmen ist?

Weltweit haben wir ein Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 eingeführt, das in den Produktionsstätten und Vertriebsniederlassungen umgesetzt ist und die Umweltauswirkungen erfasst.

„Go green to get Gold“ – wie viel Geld spart Ihr Unternehmen, indem es nachhaltiger arbeitet?

Je weniger Ressourcen wir verbrauchen, desto günstiger ist dies für uns und natürlich für die Umwelt. Durch den Einsatz unserer Solaranlage auf dem Firmendach in Meerbusch können wir z.B. den extern zugekauften Strom reduzieren. Dank unserer langlebigen ECOSYS-Technologie in allen Kyocera-Systemen benötigt der Kunde weniger Verbrauchsmaterialien und reduziert so die Umweltbelastung und spart auch gleichzeitig noch Geld. Das wird auch von den Kunden wahrgenommen und wertgeschätzt.

Wo sehen Sie ein Geschäftsmodell für Nachhaltigkeit, das über kurzfristige Kostenersparnisse hinausgeht?

Studien zeigen, dass immer mehr Vorstände international führender Unternehmen die Bedeutung von Nachhaltigkeit als Werttreiber erkennen und das Thema zu einem integralen Bestandteil sowohl des strategischen als auch des operativen Managements geworden ist. Nachhaltige Geschäftsmodelle können nur erfolgreich sein, wenn dadurch Wettbewerbsvorteile erzielt werden, das Unternehmen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen wachsen kann und durch Energie-und Ressourceneffizienz wirtschaftlicher und effizienter sein kann.

Die große Herausforderung liegt jedoch aus meiner Sicht nach wie vor in der Umsetzung und Verankerung von Nachhaltigkeit im Tagesgeschäft. Entscheidend hierfür ist eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Personal- und Führungskräfteentwicklung.

Was tun Sie, um Lieferketten nachhaltig zu gestalten?

Viele Themen können heute nicht mehr alleine von einem Hersteller angegangen werden, sondern alle beteiligten Unternehmen müssen innerhalb der Lieferkette an einem Strang ziehen. Dies ist Aufgabe der Konzernmutter. Um unser eigenes CSR-Verständnis auf unsere Lieferanten zu übertragen, stellt unsere Zentrale in Japan ihnen das „Kyocera Supply-Chain CSR Deployment Guidebook“ zur Verfügung.

In Deutschland haben wir eine eigene Lieferantenbefragung nach sozialen und ökologischen Kriterien durchgeführt und auch bei der Auswahl von neuen Lieferanten spielen diese Faktoren eine entscheidende Rolle.

Was ist das größte Hindernis für die Umsetzung von Nachhaltigkeit?

Hindernisse für die Umsetzung von Nachhaltigkeit sind im Allgemeinen oft mangelnde Phantasie im Suchen und Finden von neuen Ansätzen und Lösungen sowie das Denken in bestehenden Strukturen. Auch interdisziplinäre Teams sollten öfter eingesetzt und der abteilungsübergreifende Austausch gefördert werden.

Deswegen ist es Kyocera auch so wichtig, seine Mitarbeiter und Führungskräfte weltweit in Bezug auf Nachhaltigkeit zu schulen und weiterzuentwickeln.

Koppelt Ihr Unternehmen das Gehalt der Führungskräfte an das Erreichen grüner Ziele?

Nein

Was tun Sie persönlich, um nachhaltiger zu leben?

Öfter mal das Auto gegen das Fahrrad eintauschen. Gerade in den Sommermonaten fahre ich öfter mit dem Rad zur Arbeit. Darüber hinaus erkunde ich beim Wandern die schönen Landschaften in Deutschland vor der Haustür. Man muss nicht immer weit weg fahren.

Im Süden von Düsseldorf liegt zum Beispiel das Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe, das wir zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe schon seit Jahren unterstützen. Zudem verzichte ich öfter auf Fleisch und koche mit meiner Frau gerne vegetarisch oder vegan.

***

Bisher haben in der WiWo-Green-Serie "Nachgefragt" geantwortet:

1. Alexander von Aufschnaiter, H&M

2. Uwe Bergmann, Henkel

3. Ulf Wenzig, Ikea

4. Erich Harsch, dm-Drogeriemarktkette

5. Dorle Bahr, Beiersdorf

6. Daniel Schmid, SAP

7. Julia Bauer, Vaude

8. Ulrich von Deessen, BASF

9. Merlin Koene, Unilever

10. Uwe Kleinert, Coca-Cola

11. Michael Hermanns, Generali

12. Birgit Klesper, Telekom

13. Barbara Blohberger, Mondelez

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