Neuer Baustoff: Kühlstein soll Klimaanlagen ersetzen

Neuer Baustoff: Kühlstein soll Klimaanlagen ersetzen

von Tobias Finger

Ein US-Unternehmen hat einen Stein für Häuserwände entwickelt, der warme Luft abkühlt. Das Besondere: Er kommt aus dem Drucker.

Übernehmen Wände bald den Job von Klimaanlagen in Wohnhäusern? Ein neues Baumaterial verspricht das. Und es kommt aus dem Drucker.

Das Designbüro Emerging Objects, Vorreiter der 3D-Industrie, hat dafür den "Cool Brick" (zu deutsch "Kalter Ziegel") enwickelt: Dabei handelt es sich um Steine aus Keramik, die aus dem 3D-Drucker kommen. Mit Mörtel und durch ihre spezielle Form lassen sie sich laut Hersteller zu einer soliden Wand verbauen, die elektrische Kühlung überflüssig macht.

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Verdunstungskühlung statt KältemittelDie Wand arbeitet mit dem Prinzip der Verdunstungskühlung. Durch ihre poröse Struktur nehmen die Steine Wasser ähnlich wie ein Schwamm auf und sind luftdurchlässig. Damit das Wasser nicht an der Wand abläuft, werden die einzelnen Keramikteile mit ihrer asymmetrischen Form und dem Mörtel als Kleber ineinandergepasst. Die Struktur ist so fein, dass die Steine blickdicht sind.

Wenn Luft durch die Cool Brick-Wand strömt, kühlt das Wasser in den Steinen sie ab. Im Inneren des Hauses kommt ein kühler und feuchter Luftstrom an, ein zusätzlicher Raumbefeuchter ist auch nicht mehr nötig.

Die Methode wurde in ihrer ursprünglichen Form schon vor Christi Geburt angewendet. So kühlten Bewohner besonders heißer und trockener Klimazonen ihre Wohnräume mit Wasser-Gefäßen, die in speziellen Kästen vor Fenstern gelagert wurden (siehe Abbildung unten).

Vorerst sind die Kühlsteine von Emerging Objects nur ein Projekt für eine Designausstellung. Aber sie könnten künftig durchaus zur Anwendung kommen: Denn die Kühlung von Wohnraum spielt im Kontext des Klimawandels eine nicht unbedeutende Rolle.

Klimaanlagen belasten die Gesundheit und treiben den Stromverbrauch in die Höhe. Gleichzeitig steigt der Bedarf an künstlicher Kühlung durch die globale Erwärmung. Klimaanlagen sind also durchaus Folge und Ursache des Klimawandels.

Bei Emerging Objects möchte man in naher Zukunft das Material für ganze Häuser drucken. Dass das nicht völlig utopisch ist, zeigt ein Unternehmen in China: Es druckt mittlerweile Bauteile für Villen und Mehrfamilienhäuser.

Ein weiteres Einsatzgebiet für die Steine könnten "Kühlhecken" sein, wie sie das Sahara Forest Project im Golfemirat Abu Dhabi testet. Dort sollen feuchte Wände, durch die heißer Wüstenwind strömt, Äcker für die Landwirtschaft kühlen.

Offene Fragen bleibenEs fehlt also nicht an Anwendungsgebieten. Doch es bleiben Fragen: Wie viel Wasser benötigt man für eine effektive Kühlung? Denn in den trockenen und heißen Zonen, wo die Cool Bricks effektiv eingesetzt werden könnten, regnet es in der Regel selten. Mit  künstlicher Bewässerung würde man der Umwelt keinen Gefallen tun.

Ob die Cool Bricks auch isolierend gegen Kälte wirken und ob sie sich durch Sonneneinstrahlung verformen, muss ebenfalls geklärt werden. Die Steine sind ein spannender Ansatz - was sie tatsächlich für den Klimawandel bringen, müssen Feldtests zeigen.

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