Öko-Rambos: Diese Unternehmen schaden dem Regenwald am meisten

Öko-Rambos: Diese Unternehmen schaden dem Regenwald am meisten

von Anna Gauto

Eine NGO zeigt, welche Firmen, Länder und Investoren tropische Urwälder schützen - und welche den Wäldern schaden.

Angetrieben durch die globale Nachfrage nach Nahrung, Futtermitteln und Brennstoffen war die Rohstoffproduktion laut Expertenschätzungen in den vergangenen zehn Jahren für über 50 Prozent der Entwaldung in tropischen und subtropischen Regionen verantwortlich.

Vor allem Palmöl, Soja, Rindfleisch, Leder, Holz sowie Papier- und Zellstoff sind sogenannte "Waldrisikogüter". Sie oder ihre Bestandteile stecken in vielen Produkten, die wir in unseren Supermarktregalen finden.

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Um ihre Geschäftsgrundlagen nicht zu gefährden und Imagekratzer zu vermeiden, haben Unternehmen in letzter Zeit reihenweise Programme verkündet, die dem Kahlschlag unserer grünen Kohlenstoffspeicher entgegenwirken sollen. So hat sich der Nahrungsmittelkonzern Mars erst kürzlich neue Nachhaltigkeitsziele verpasst (wir berichteten).

Wer sind die Waldfeen, wo sitzen Waldrambos?Jetzt schlägt für Unternehmen, Investoren und Staaten die Stunde der Wahrheit. Denn die Umweltorganisaton Global Canopy Programme (GCP) hat laut eigenen Angaben erstmals umfassend untersucht, was die 500 Akteure, die den größten Einfluss auf den Bestand tropischer Wälder haben, tatsächlich für ihren Schutz tun.

In ihrem „Forest 500“ Ranking ordnet sie 250 Unternehmen, 150 Investoren, 50 Länder und 50 andere einflussreiche Player, wie private Organisationen und Unternehmen, auf einer Punkteskala ein. Denn zusammen, so GCP, kontrollieren diese 500 die globalen Lieferketten der wichtigsten Waldrisikogüter.

Für die Analyse hat die NGO nationale Datenquellen, wissenschaftliche Untersuchungen, Firmenjahrbücher und andere Dokumente ausgewertet (ein Überblick über die Methodologie findet sich hier).

Das sind die wichtigsten Ergebnisse:Nur sieben (!) der 500 untersuchten Akteure bekamen die volle Punktzahl. Darunter sind Unternehmen wie die Danone Gruppe (Frankreich, Lebensmittel), Kao Corp. (Japan, Chemie und Kosmetik), Procter & Gamble (USA, Konsumgüter), die Reckitt Benckiser Gruppe (UK, Haushaltswaren), Unilever (UK, Lebensmittel und Konsumgüter) und, bemerkenswert, Nestle S. A. (Schweiz, Lebensmittel).

Nestle hat offenbar die Lehren aus seiner durch eine Greenpeace-Kampagne bekannt gewordene Palmölpolitik gezogen. Für das Palmöl soll Regenwald in Indonesien abgeholzt worden sein.

Unter den Investoren kann sich nur die Bank HSBC (UK) einen Spitzenplatz sichern (statt Wald zu roden, war sie aber damit beschäftigt, Steuersünder zu unterstützen).

Das ist besonders bedauerlich, da gerade der Finanzsektor eine einzigartiges Gewicht habe, so die Studienautoren. Er entscheidet schließlich darüber, ob Gelder in Richtung nachhaltiger Waldinvestments gehen.

30 Unternehmen outet der Report als echte Waldrambos, sie bekommen null Punkte. Auffallend ist, dass viele dieser Unternehmen ihren Firmensitz in Asien oder dem Nahen Osten haben. Doch auch so bekannte Konzerne wie Kraft Foods (USA, Lebensmittel), die Deichmann-Gruppe (Deutschland, Schuhe) oder The Gap (USA, Kleidung) schneiden schlecht ab (hier geht es zum Unternehmens-Ranking des GCP).

Die 50 der von CGP gelisteten Länder vereinigen fast 90 Prozent der globalen tropischen Wälder auf sich; leider aber auch 90 Prozent der tropischen Entwaldung, die in der vergangenen Dekade stattgefunden hat. Dennoch haben sich nur wenige Länder „Null-Entwaldungsziele“ gesetzt.

Gleichzeitig haben einige Länder wichtige Maßnahmen zum Waldschutz ergriffen, besonders Volkswirtschaften aus Südamerika sind oben mit dabei. Deutschland und die Niederlande sind wiederum besonders vorbildlich, wenn es um die Vermeidung des Imports von Waldrisikogütern geht.

Sorgenkinder sind hingegen Madagaskar, das zwischen 2000 und 2012 große Waldgebiete verloren hat. Oder auch Nigeria, wo nationale Bestimmungen die Wälder nicht wirksam schützen.

Wichtige Importländer von Waldgütern wie China, Indien (37 Prozent der globalen  Rohpalmölimporte) und Russland (20 Prozent der Rindfleischimporte aus Südamerika) tun erschreckend wenig, um Entwaldung vorzubeugen, wie folgende Grafik zeigt:

"Wir sind alle Teil einer globalen Entwaldungs-Ökonomie", zieht Mario Rautner vom GCP das Fazit. "Entwaldung steckt in Schokolade und Zahnpasta." Gleichzeitig betont Rautner die Macht der  vom GCP untersuchten Forest 500: Gemeinsam hätten sie die Chance, in den globalen Lieferketten aufzuräumen und dem Kahlschlag tropischer Urwälder ein Ende zu setzen.

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