Sprit aus Plastik: Indische Forscher entwickeln günstiges Recyclingverfahren

Sprit aus Plastik: Indische Forscher entwickeln günstiges Recyclingverfahren

von Wolfgang Kempkens

Weltweit versuchen Unternehmen Treibstoff aus Abfall herzustellen. Indischen Forschern scheint dies zu gelingen.

Benzin, Diesel und Kerosin aus Abfall  herzustellen - das versuchen derzeit viele Unternehmen und Startups weltweit. Dazu verwenden sie Pflanzenabfall aus der Landwirtschaft, Hausmüll oder Plastikabfälle, die sich bisher nicht recyceln lassen.

In Deutschland versucht sich aktuell Dieselwest, ein Abfallverwerter im nordrhein-westfälischen Ennigerloh, an Sprit aus Plastik. Jetzt allerdings könnten sie Konkurrenz bekommen. Indische Ingenieure und Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich, wie in Ennigerloh, Treibstoffe aus Kunststoffabfällen herstellen lässt.

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Die Inder haben sich dabei für einen Rohstoff für das Verfahren entschieden, mit dem es noch niemand versucht hat: nämlich Kaolin, einem schneeweißen Mineral, das unter anderem zur Herstellung von Porzellan genutzt wird. In Indien gibt es große Vorkommen an Porzellanerde, wie das Mineral auch genannt wird. Es als Katalysator für den Umwandlungsprozess einzusetzen, hat besonderen Charme, denn es ist sehr viel günstiger als bisher bekannte Reaktionsbeschleuniger, die in ähnlichen Verfahren eingesetzt werden.

Verpackung im TankWährend die Deutschen ein Gemisch aus unterschiedlichen Kunststoffen und Zellstoffflocken in Öl verwandeln, haben die Inder sich auf Polyethylen spezialisiert, von dem weltweit mehr als 70 Millionen Tonnen pro Jahr hergestellt werden. Das ist etwa ein Drittel der gesamten Kunststoffproduktion. Genutzt wird das oft transparente Material vor allem für Verpackungen.

Der Chemiker Achyut Kumar Panda von der Centurion University of Technology and Management in der indischen Stadt Rajaseetapuram und sein Kollege Raghubansh Kumar Singh vom National Institute of Technology in Palur Hills erhitzen den gehäxelten mit Kaolin vermischten Abfall auf 400 bis 500 Grad Celsius. Dabei zerbrechen die Molekülketten des Polyethylens. Es bleiben kurzkettige Moleküle übrig, die, anders als das Ausgangsmaterial, eine Flüssigkeit bilden.

Mit Hilfe von Gaschromatographen und Massenspektrometern analysierten sie ihr Produkt. Es besteht vor allem aus Paraffinen und Alkanen. Paraffine werden zu Kerzen und Lampenöl verarbeitet, dienen aber auch als Treibstoff für kleine Raketen.

Zu den Alkanen zählen zahlreiche gasförmige und flüssige Kohlenwasserstoffe, wie Methan, Propan und Butan, die als Treibstoffe nutzbar sind. Aus einem Kilogramm Plastikabfall gewinnen die indischen Wissenschaftler 700 Gramm flüssige Kohlenwasserstoffe.

Bleibt die Frage, wie praktikabel das Verfahren ist? Denn Polyethylen wird heute in Europa schon sehr gut recycelt, was sich lohnt, da die Herstellung energieintensiv ist.

Allerdings: Ist das Plastik verunreinigt, wie es oft bei Nahrungsmittelverpackungen der Fall ist oder Abfall der einfach in der Landschaft herumliegt, ist die Reinigung duraus aufwendig. Vielleicht wären genau diese Art Schmutzplastik für die Spritherstellung mit dem indischen Verfahren geeignet - denn alles, was aktuell nicht recycelt werden kann, wird für die Energieproduktion verfeuert oder landet auf der Deponie.

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