Ungewöhnlicher Baustoff: Nike baut Laden aus Abfall

Ungewöhnlicher Baustoff: Nike baut Laden aus Abfall

von Sandra Lukatsch

Der Sportartikelhersteller Nike hat in China einen Laden aus Müll gebaut. Aber sind die Produkte genauso öko?

In den großen Megacities der Schwellen- und Entwicklungsländer vermüllen Dosen und Plastikflaschen die Straßen. Längst nutzen viele Herstellerfirmen die Städte als Rohstoffminen (Stichwort „Urban Mining“) und verwerten die Abfälle für neue Produkte.

Der Sportartikelhersteller Nike hat nun einen Laden bauen lassen, dessen Innenausstattung komplett aus Abfall besteht. Das Geschäft namens „X-158 Hyper Nature“ steht in der gigantischen Hafenstadt Shanghai in China. Die Konstrukteure, eine taiwanische Architektur-Firma namens Miniwiz, verarbeiteten nach eigenen Angaben insgesamt 5.500 Aluminium-Dosen, 2.000 PET-Flaschen und 50.000 alte CDs und DVDs.

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Das US-amerikanische Unternehmen kämpft verzweifelt um ein grünes Image. In einem Ranking der Beratungsgesellschaft Interbrand liegt Nike etwa abgeschlagen hinter dem deutschen Konkurrenten Adidas. Darin werden die 50 nachhaltigsten Unternehmen aufgeführt. Erst im März kündigte man eine strategische Partnerschaft mit  Bluesign Technologies an - das Unternehmen aus der Schweiz hat sich darauf spezialisiert, Produktionsprozesse in der Textilbranche nachhaltiger zu konzipieren und arbeitet etwa mit Patagonia zusammen.

Baustoffe der ZukunftDer Müll-Laden in Shanghai passt deswegen perfekt die Strategie von Nike. Die Decke bilden circa 1.000 milchweiße Platten, die aus DVDs hergestellt sind und mit aus Reishülsen extrahiertem Siliciumdioxid gefestigt werden. Die Anordnung der Platten im Origami-Stil dient der Stabilität der Decke. Die Plastikflaschen wurden zu rund 1.800 Meter Tragseilen verarbeitet.

Auf Klebstoffe verzichteten die Konstrukteure komplett, um alle Komponenten wieder in den Stoffkreislauf zurückführen zu können. Den Klebstoff-Ersatz bilden extra angefertigte Verbindungsstücke aus dem Aluminium der Dosen.

Dass es möglich ist, ganze Gebäude aus Flaschen zu errichten, zeigte der Miniwiz-Gründer und Geschäftsführer, Arthur Huang, bereits im Jahr 2010 mit dem EcoArk-Paillon in Taipeh - einem Hochhaus, dessen Fassade komplett aus recycelten PET-Flaschen besteht (siehe Video). Die Plastikfassade dämmt, ist lichtdurchlässig, sehr leicht und verbraucht deutlich weniger Bau- und Materialkosten als eine konventionelle Fassade.

Sportböden aus alten SchuhenRecycling ist bei Nike schon seit 1993 ein Thema. Mit seinem „REUSE-A-SHOE“-Programm setzt sich der Turnschuhhersteller mit speziellen Sammelstellen dafür ein, dass gebrauchte Sportschuhe nicht auf der Müllkippe, sondern im belgischen Meerhout landen.

Hier steht eine Wiederverwertungsanlage, die alte Schuhe, Abfälle sowie konfiszierte, gefälschte Nike-Schuhe zu Rohstoffen verarbeitet. So entstehen neue Sportböden, wie z.B. Kunstrasen, Outdoor-Tennisplätze oder Indoor-Basketballplätze.

Auch bei der Verarbeitung der holländischen Fußball-Trikots zur EM 2012 verwendete Nike Plastikflaschen. 13 Flaschen braucht der Hersteller, um ein Trikot herzustellen. So hat Nike 115 Millionen Plastikflaschen für die EM 2012 wiederverwertet.

Bei der Weltmeisterschaft 2014 wird wohl auch die brasilianische Nationalmannschaft in diesem außergewöhnlichen Recycling-Dress auflaufen. Und indirekt für saubere Straßen in den Megastädten sorgen.

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