Windräder: Neue Technik schaltet Warnlampen nur bei Bedarf an

Windräder: Neue Technik schaltet Warnlampen nur bei Bedarf an

von Angela Schmid

Warnlampen an Windrädern dürften ein seltener Anblick werden: Neue Systeme leuchten nur, wenn sich Flieger nähern.

Das nächtliche Blinken von Windenergieanlagen (WEA) geht den Menschen in unmittelbarer Nähe mächtig auf die Nerven. Kilometerweit sind die roten Lichter zu sehen. So will es das Gesetz. Ab einer Höhe von 100 Metern ist eine sogenannte Befeuerung Vorschrift, damit kleine Flugzeuge die WEA als Hindernis erkennen, wenn es dunkel, neblig oder diesig ist.

In der Bevölkerung wird das als permanente Belästigung empfunden und lässt die Akzeptanz für die immer größeren Windmühlen schrumpfen - davon ist man beim Windstromerzeuger Enertrag überzeugt. Deshalb schaltet das Unternehmen die Warnlampen einfach ab.

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Damit die Flieger nun nicht reihenweise an Windrädern hängen bleiben, schalten sich die Lichter doch noch für kurze Zeit ein. Im schleswig-holsteinischen Langenhorn wurden sechs Anlagen des Bürgerwindparks mit einem von Enertrag und Airbus entwickelten Radarsystem ausgestattet, das die Lampen automatisch anschaltet, wenn sich ein Flugzeugzeug nähert. (Siehe Foto.)

Kommt nun also nach dem Dauerleuchten das permanente Blinken? Eher nicht: Nach Berechnungen von Enertrag bleiben die Lichter zu 98 Prozent abgeschaltet. Denn kaum ein kleines Flugzeug oder ein Hubschrauber verirrt sich nachts in den Luftraum der abgelegenen Region.

Bis Ende des Jahres soll das radargestützte Steuerungssystem „Airspex“ noch erweitert werden, um eine 360 Grad-Abdeckung zu erreichen. „Wir wollen die Anwohner des Windparks entlasten und damit zur Akzeptanz von Windkraftanlagen beitragen ", so Melf Melfsen, Betreiber des Bürgerwindparks Ockholm-Langenhorn. „Airspex “arbeitet mit Primärradar zur Detektion von Luftfahrzeugen - einer bekannten und erprobten Technologie. Es überwacht den Luftraum bis zu einer Entfernung von acht Kilometern und einer Höhe von 800 Metern.

Radar oder Funk?Nur ein paar Kilometer weiter hat das Fraunhofer Institut FHR in Kooperation mit dem Windpark-Betreiber Dirkshof im Windpark Reußenköge das ähnlich funktionierende Passiv-Radar-Systems PARASOL installiert. Das System nutzt im Gegensatz zu Enertrag bereits vorhandene Rundfunksendernetze, um gefährdete Flieger zu orten. Besonders digitale Signale wie DAB+ und DVB-T eignen sich aufgrund ihrer Signalformen gut, um Objekte zu unterscheiden.

Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Während das vom FHR genutzte System keine eigene Radarstrahlung erzeugt und ohne eigenes Sendemodul und witterungsabhängig betrieben wird, ist das Enertrag-System von Veränderungen bei den Rundfunksendernetzen unabhängig. Die Strahlung ist nach Aussage von Projektmanager Fabio Lenzner minimal und entspricht laut Enertrag mit vier Watt in etwa der doppelten Leistung eines normalen Mobiltelefons. Dafür ist die Investition höher als beim Passivradar. Diese amortisiert sich aufgrund geringer Wartung nach Aussage von Lenzner über eine Laufzeit von 20 Jahren aber wieder.

Genemigung muss noch kommen, Konkurrenz ist schon daEin Jahr lang wurde ein Prototyp des Passivradars von Windpark-Betreiber Dirkshof getestet – die erste Generation ist jetzt installiert. Verkauft werden darf es noch nicht. Der Betreiber wartet noch auf die Genehmigung von der Deutschen Flugsicherung. Spätestens im September zur Messe Husum Wind soll sie vorliegen.

Enertrag darf sein System zwar schon vermarkten. Aber nur mit vorläufiger Genehmigung. „Die Unterschrift von Bundeskanzlerin Angela Merkel fehlt noch“, erklärt Lenzner. Denn für das Enertrag-Radar muss das Gesetz für Luftfahrthindernisse geändert werden. „Ein hoher genehmigungstechnischer Aufwand“, so der Projektmanager.

Für die Überwindung aller gesetzlichen Hürden haben sich das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie der regionalen Bundestagsabgeordneten Ingberg Liebing stark gemacht. „Der jahrelange Einsatz für eine bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung von Windkraftanlagen hat sich gelohnt“, so der Christdemokrat aus Husum. Er hält das Thema für extrem wichtig, damit höhere und energieeffizientere Windkraftanlagen zum Gelingen der Energiewende gebaut werden können.

Interesse an den beiden unterschiedlichen Radarsystemen ist in ganz Deutschland bei Projektierern und Windparkbetreibern vorhanden. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Der norwegische Radarspezialisten OCAS dringt ebenfalls mit seinem System auf den deutschen Markt vor. Es könnte nach der Gesetzesänderung ein regelrechtes Wettrennen um die Signalsysteme geben – und nur der erste macht das Licht aus.

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