CO2-neutrales Gewächshaus: Hier ist auch im Winter Tomaten-Saison

CO2-neutrales Gewächshaus: Hier ist auch im Winter Tomaten-Saison

von Marius Hasenheit

Sommergemüse gibt's nun auch im Winter - aus einem umweltfreundlichen Gewächshaus im bayerischen Kirchweidach.

Die Krokusse sprießen, es wird wärmer. Der Frühling macht nicht nur gute Laune, er bringt auch neue Obst- und Gemüsesorten aus der Heimat in die Supermarktregale.

Das wird Menschen freuen, die gern regional und saisonal einkaufen. Zwischen November und März ist für solche Konsumenten Sommergemüse, etwa Gurken oder Tomaten, tabu.

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Sie begnügen sich mit Kohlsorten, die ihnen der deutsche Winter beschert.

Denn Sommergemüse muss über weite Strecken transportiert werden, damit es auch im Winter in deutschen Supermarktregalen liegt. Mit Schiffen, Lastwagen oder sogar dem Flugzeug. Das verursacht erhebliche Mengen an CO2-Emissionen.

In Kirchweidach haben Tomaten immer SaisonDas gilt leider auch für Obst, das zwar aus regionaler Produktion kommt, aber zur falschen Jahreszeit konsumiert wird. Ein prominentes Beispiel ist der heimische Apfel, der im Oktober geerntet wurde und im April im Obstregal liegt. Er muss monatelang gelagert und gekühlt werden, was kräftig an der Ökobilanz rüttelt.

Wem das Klima am Herzen liegt, sollte daher darauf achten, überwiegend saisonal einzukaufen. Es gibt allerdings Ausnahmen wie im oberbayrischen Kirchweidach.

Dort haben Tomaten und Paprika das ganze Jahr über Saison.

Denn der Ort liegt an einer geothermischen Quelle, mit einer Wassertemperatur von 120 Grad Celsius.

Josef Steiner nutzt Geothermie (Erdwärme), um seine Gewächshaus-Anlage mit einer Fläche von 12 Hektar fast kostenlos und zugleich CO2-neutral zu beheizen.

Tomatenernte im FrühlingEs ist paradox: Gerade erst ist der Schnee geschmolzen und schon beginnen der Gemüsebauer Steiner und sein Team mit der Ernte.

Fünf Millionen Kilogramm Tomaten wollen sie in diesem Jahr ernten, wie das Oberbayerische Volksblatt berichtet. Damit versorgt Steiner natürlich nicht nur den Ort sondern große Supermarktketten wir Rewe.

Das vermutlich größte deutsche Geothermie-Gewächshausprojekt profitiert davon, dass es die Restwärme aus dem Nahwärmenetz der Gemeinde nutzen kann. Daneben setzt Josef Steiner aber auch auf Photovoltaik, die Fernwärme einer Biogasanlage und Regenwasser.

Autarker Wasserkreislauf undkrabbelnde SchädlingsvernichterDas mit der Dachfläche aufgefangene Regenwasser reicht in etwa aus, um sein Gemüse zu bewässern. Restwasser kommt zurück in den Bewässerungskreislauf. Statt auf Chemie baut das Gewächshauspersonal auf Nützlinge wie Milben. Sie bekämpfen Schädlinge.

Damit werden die Hummeln nicht beeinträchtigen, die die Bauern für die Bestäubung des Gemüses gezielt einsetzen.

Gigantisches Geothermie-Gewächshaus in HollandGewächshäuser ganz anderer Dimensionen finden sich im Nachbarland. In Holland baut die niederländische Firma Wijnen Square Crops auf einer Gewächshausfläche von 32 Hektar Paprika an - auch hier mit Hilfe eines geothermisches Heizwerks.

Von solchen Maßstäben können deutsche Betriebe nur träumen. Allerdings gebe es großen Bedarf an kosteneffizienten Gewächshäusern, sagt Gabriele Harring vom Bundesverband Zierpflanzen dem Portal Bi-Medien. Auch Geothermie spiele dabei eine Rolle.

Die Energieversorger von EnBW erproben auf einem Demeterhof bei Lörrach ein energieautarkes Gewächshaus. Wissenschaftler nutzen Erdwärmesonden, einen unterirdischen Wärmespeicher und spezielle Kunststofflinsen auf dem Dach, die Wasser mit Sonnenstrahlen erhitzen.

Daneben gibt es weitere Möglichkeiten, Gemüse umweltschonend anzubauen.

In Lutherstadt Wittenberg nutzt die Wittenberg Gemüse GmbH die Abwärme eines Stickstoffwerkes für ihre Gewächshäuser.

Eine andere Idee wird am Bodensee getestet. Dort entsteht auf einer Fläche von knapp 6000 Quadratmetern derzeit die deutschlandweit erste Agrophotovoltaikanlage (APV). Sie kombiniert Solarkraft und Landwirtschaft, um den Flächenverbrauch zu reduzieren (wir berichteten).

Zurück in Oberbayern: Dort betätigt sich der Gemüsebauer Josef Steiner inzwischen auch als Gästeführer. Er leitet scharenweise staunenden Besucher durch sein Gewächshaus, in dem Tomaten immer Saison haben.

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