Fracking: Erdbeben in den USA nehmen drastisch zu

Fracking: Erdbeben in den USA nehmen drastisch zu

von Benjamin Reuter

US-Geologen warnen vor Erdbeben, die im Zusammenhang mit der Öl- und Gasförderung stehen.

Schon länger untersuchen Wissenschaftler in den USA, welchen Zusammenhang es zwischen der Förderung von Erdgas und Erdöl aus Schiefergestein und Erdbeben gibt. Eines scheint dabei sicher: Das Fracking-Verfahren, mit dem die Rohstoffe aus dem Gestein geholt werden, ist nicht direkt für die Beben verantwortlich.

Vielmehr ist es das Schmutzwasser, das nach dem Fracking an die Oberfläche kommt und dann von den Unternehmen an anderer Stelle wieder unter die Erde gepresst wird, um es zu entsorgen. Das Wasser ist mit Schadstoffen aus dem Untergrund und teilweise mit Fracking-Chemikalien belastet. Die Brühe wieder in Hohlräume im Boden zu verpressen, ist bisher die günstigste Art mit dem unerwünschten Nebenprodukt umzugehen.

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Das hat aber Folgen, wie die US-Geologiebehörde USGS jetzt in einem Report feststellt (hier als PDF).

Insgesamt in 14 Regionen in den USA sind laut den Geologen Erdbeben aufgetreten, die vor allem durch das Verpressen von Flüssigkeiten aus der Öl- und Gasförderung ausgelöst wurden.

Der Leiter der Studie Mark Petersen beschreibt die Ergebnisse des Reports so: "Die (vom Menschen verursachten, Anm. d. Red.) Erdbeben kommen viel öfter vor als früher und sie stellen ein zunehmendes Risiko für die Menschen dar, die in den betroffenen Gebieten leben."

Vor allem im Zentrum und Osten der USA hätten die von Menschen verursachten Erdbeben seit 2009 drastisch zugenommen, warnt die USGS. Dieser Zeitraum fällt mit dem Schiefergas- und Schieferölboom in den USA zusammen.

Derzeit arbeiten die USGS-Geologen daran, Modelle zu entwickeln, die die Erdbebengefahr in den betroffenen Gebieten vorhersagen können. Die USGS-Studie ist insofern interessant, weil erstmals ein Überblick über die von Menschen verursachten Erdbeben für die gesamte USA erstellt wurde. Bisher lagen nur Studien aus den einzelnen Bundesstaaten vor.

Für die Fracking-Industrie in den USA sind das keine guten Nachrichten.

Einmal könnten die Ergebnisse dazu führen, dass Unternehmen viel gründlicher als bisher testen müssen, ob geologische Strukturen erdbebensicher sind. Das würde ebenso mehr Geld kosten wie die Vorgabe, das Schmutzwasser wieder aufzubereiten. Technisch ist das möglich, aber eben teuer.

Zudem könnten Schadenersatzklagen auf die Unternehmen zukommen, die von den Öl- und Gasförderern mit der Entsorgung beauftragt sind. Unter anderem stützen Versicherungen ihre Policen auf die Erdbebenwarnungen der USGS. Immobilien in den betroffenen Gegenden würden stark an Wert verlieren.

Auch für Deutschland ist der Report interessant. Denn die Bundesregierung hat in ihrem kürzlich beschlossenen Entwurf für ein Frackinggesetz (das noch den Bundestag passieren muss) Tests mit dem Verfahren erlaubt.

Sollte es in dem kommenden Jahren wirtschaftlich und im großen Stil genutzt werden – auch das ist laut dem Gesetz möglich, allerdings mit Einschränkungen – müssen die Unternehmen auch in Deutschland das Abwasser entsorgen. Auch hier ist die Verpressung zum Beispiel in leere Gasfelder die günstigste und naheliegende Variante. Allerdings soll sie nur in Ausnahmefällen erlaubt werden.

Wie groß die Erdbeben-Gefahr im Zusammenhang mit der Förderung von Schiefergas und Schieferöl tatsächlich ist, weiß derzeit aber wohl niemand genau. Die USGS-Geologen weisen darauf hin, dass die Verpressung des Frackingwassers Erdbeben auslösen kann, aber zumeist keine negativen Folgen hat.

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