Getränke to go: Hier kommt der Pappbecher ohne schlechtes Gewissen

Getränke to go: Hier kommt der Pappbecher ohne schlechtes Gewissen

von Benjamin Reuter

Bisher lassen sich die allgegenwärtigen Pappbecher kaum recyceln. Eine neue Beschichtung könnte das ändern.

Rund 200 Milliarden Pappbecher geben Kaffeeketten, Fast-Food-Restaurants und Straßenverkäufer pro Jahr an ihre Kunden aus. Ein bisher wenig beachteter Aspekt der To-go-Kultur ist ihre mangelnde Umweltverträglichkeit. Das Problem ist nämlich, dass die Becher, in denen heißer Kaffee, Softdrinks oder Bier schwappen, nur schlecht wiederverwertbar sind. Sie gehören nicht in den Papiermüll, sondern in den normalen Haushaltsmüll und landen damit meist in Heizkraftwerken. Ein effizientes Recycling verhindert die Kunststoffbeschichtung an der Innenseite.

Mit Alternativen taten sich die Unternehmen bisher schwer. Um seine Umweltbilanz zu verbessern, versucht etwa die Kaffeekette Starbucks ihre Kunden dazu zu animieren, mehr Kaffee aus Keramiktassen zu trinken. Wer sein eigenes Trinkbehältnis mit ins Geschäft bringt, bekommt einen Preisnachlass von 30 Cent (dem Unternehmen spart das zusätzlich den Abwasch). Jenseits dieser Aktion tut sich Starbucks mit der Nachhaltigkeit des Kaffeegenusses aber schwer.

Anzeige

2008 präsentierten die Amerikaner einen Plastikbecher, der "die Umwelt weniger belastet". Ein Jahr zuvor hatten sie einen Trinkbehälter eingeführt, dessen Fasern immerhin zu zehn Prozent wiederverwertbar waren. Seitdem ging aber nicht mehr viel voran, wenn man der Eigenauskunft des Unternehmens glaubt.

Das soll sich jetzt mit einer neuen Beschichtung für die Becher ändern, die das niederländische Unternehmen AkzoNobel entwickelt hat. Der Clou: Die Beschichtung löst sich im Recyclingprozess des Papiers sehr leicht auf. Die Becher können also mit Servietten und anderen Abfällen in die Tonne wandern. Am Ende kommt wieder neues Papier heraus.

Verpackung auch für Fast-FoodDie neue Beschichtung besteht zum allergrößten Teil aus pflanzlichen Ölen und wiederverwertetem Kunststoff. Die Öle wiederum sind nicht für die Lebensmittelherstellung geeigenete Reste aus zertifizierter Palmölproduktion. Zwar ist die neue Beschichtung etwas teurer als die aus herkömmlichen Kunststoffen, dafür entfällt für die Recycler und Unternehmen zusätzlicher Sortieraufwand.

Auch den Abfall aus der Produktion der Becher könnten die Hersteller mit der neuen Beschichtung reduzieren, hoffen die Entwickler. Bis zu 13 Prozent des Papiers gehen bisher laut AkzoNobel bei der Produktion verloren. Auch diese Abfallmengen können jetzt einfach ins Papierrecycling übergehen.

Martin Hilgenstock, Marketing Manager für Verpackungslacke bei AkzoNobel, glaubt, dass die Neuentwicklung "zu einer ähnlich großen Umstellung bei der Produktion von Pappbechern führen wird, wie bei dem Übergang von Wachs zum gegenwärtigen Polyethylen-Verfahren vor rund 40 Jahren".

Ob die Hersteller der Becher und ihre Kunden, die Fast-Drink- und Fast-Food-Ketten, tatsächlich auf die Neuentwicklung anspringen, bleibt abzuwarten.

Denn bisher gibt es die Beschichtung nur für Kaltgetränke-Becher. Für warme Getränke soll sie demnächst folgen. Auch Fast-Food-Verpackungen aus Papier lassen sich damit beschichten. So wird auch die Pommes an der Imbissbude zumindest für die Umwelt etwas gesünder. Vorausgesetzt, die Nutzung von Pflanzenölen ist wirklich so umweltverträglich, wie AkzoNobel behauptet.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%