Innovation: Rotterdam baut ultraleichte Kunststoff-Brücken

Innovation: Rotterdam baut ultraleichte Kunststoff-Brücken

von Sebastian Kirsch

Beton und Holz sind zu schwer. Jetzt lässt die Stadt Rotterdam sich leichte Brücken aus Glasfaser-Kunststoff bauen – und spart dabei noch sehr viel Energie.

Ihr Wahrzeichen aus Stahl und Drahtseilen lässt die Stadt Rotterdam stehen. Zu markant zieht sich die 800 Meter lange Erasmusbrücke in der Innenstadt über den Fluss Nieuwe Mass. Aber 34 Holzbrücken für Fußgänger und Radfahrer ersetzt die niederländische Stadt im Laufe dieses Jahres durch Brücken aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK).

Die High-Tech-Brücken sollen leichter, langlebiger und umweltfreundlicher sein als bisherige Übergänge aus Stahl und Holz. 15 GFK-Brücken stehen bereits in Rotterdam, die neuen sollen bis zu 17 Meter lang und gut 4 Meter breit werden. Der Hersteller Fibercore Europe sitzt mit seiner Zentrale direkt im Hafen Rotterdams und produziert dort auch. Die bisher längste Kunststoff-Brücke haben sie in den Niederlanden über eine Autobahn gebaut, sie ist 140 Meter lang.

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Halb so schwer wie Stahl

Schon bei einer Länge von 12 Metern auf neun Meter Breite ließen sich gegenüber dem Brückenbau aus Beton oder Stahl 1300-2700 Gigajoule Energie sparen, bestätigt eine Studie den Kunststoff-Brücken. Angefertigt hat sie die niederländische Unternehmensberatung Beco Group. Ein Gigajoule entspricht etwa der Energie, die sich mit 45,5 Kilogramm Kohle erzeugen lässt. So spart Kunststoffbrücke im gesamten Herstellungsprozess (vom Materialabbau bis zur Entsorgung) etwa die Energie von 60-120 Tonnen Kohle. Moderne Kohlekraftwerke verfeuern mehrere hundert Tonnen Kohle pro Stunde.

Im Bezug auf die C02-Emissionen während der Herstellung sollen die Kunststoffbrücken etwa zweimal besser abschneiden als Beton und Stahl. Am bedeutendsten ist aber der Gewichtsunterschied: Vier Tonnen wiegt eine 12 Meter lange GFK-Brücke laut Fibercore Europe, ein Zehntel einer Betonbrücke und halb so viel wie die Variante aus Stahl.

Firmenchef Simon de Jong gibt für seine Brücken eine Garantie von 50 Jahren. Halten sollen sie bis zu 100 Jahre – völlig wartungsfrei.  Preislich liegen die Brücken mittlerweile etwa gleichauf mit herkömmlichen Konstruktionen, sagt de Jong. Nur so seien sie jetzt wirtschaftlich interessant. Stahlträger nutzen die Brücken teilweise noch als Auflagefläche. Der Rest ist Kunststoff, inklusive Fahrbahn. Bis zu 60 Tonnen Gewicht können sie tragen und lassen sich auch als Autobrücken einsetzen.

In einem Stück zur BaustelleIn Deutschland hat das Bundesland Hessen 2008 bereits eine 27 Meter lange GFK-Brücke verbaut, entwickelt unter anderem vom Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen der Universität Stuttgart (ITKE) zusammen mit dem Unternehmen Fiberline. Man sei bisher sehr zufrieden mit der Standsicherheit der Brücke, heißt es vom ITKE, das das Bauwerk mit Sensoren überwacht. In Deutschland werde den GFK-Brücken noch kein so großes Vertrauen entgegen gebracht wie in den Niederlanden oder auch in den USA. Um die 100 Brücken sollen in Nordamerika schon mit Kunststoff-Fahrbahn eingesetzt werden.

Der große Vorteil: Solche Brücken lassen sich meist komplett beim Hersteller fertigen und dann aufgrund des geringen Gewichts in einem Stück zur Baustelle liefern. Das spart Zeit und Geld, der Einbau funktioniert üblicherweise innerhalb weniger Stunden.

Ein weiterer Vorteil: Die GFK-Brücken sind gut gewappnet gegen Erdbeben-Erschütterungen. Das dürfte in Rotterdam kein entscheidender Faktor gewesen sein. Fibercore Europe will aber nun auch international Baufirmen, Städte und Kommunen mit den Leichtbaubrücken ansprechen.

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