Klicken für Bäume: So soll die Suchmaschine Ecosia Regenwald retten

Klicken für Bäume: So soll die Suchmaschine Ecosia Regenwald retten

von Caspar Schlenk

Die Berliner von Ecosia forsten mit Werbeeinnahmen Regenwald auf. Eine Million Bäume wurden bisher gepflanzt.

In ungefähr 44 Jahren will Christian Kroll den kompletten Regenwald gerettet haben. Klingt ambitioniert, das ist es auch. Aber immerhin knapp eine Million Bäume konnten Umweltorganisationen mit seinen Spenden bereits aufforsten. Das Außergewöhnliche an Kroll ist jedoch nicht seine Vision, sondern wie er die Spenden sammelt – nämlich mit der Suchmaschine Ecosia.

Ecosia soll die alltäglichen Suchen im Internet mit guten Taten verbinden: 80 Prozent der Einnahmen spendet das Unternehmen für die Aufforstung des Regenwaldes. Mit dem Rest bezahlt Kroll seine Mitarbeiter und den Betrieb der Server. Das Startup aus Berlin-Schöneberg greift für seine Suchen wiederum auf die Ergebnisse der Suchmaschine Yahoo zurück.

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 Australischer Vorreiter EcochoAufgetaucht ist die Idee einer grünen Suchmaschine vor sechs Jahren. Damals gründete der Australier Tim MacDonald Ecocho. Für 1000 Suchanfragen versprach sein Unternehmen, zwei Bäume zu pflanzen. Innerhalb weniger Monate kopierten andere Webseiten die Idee. Mit dabei: Christian Kroll mit einer Suchmaschine namens Forestle. Schon nach wenigen Tagen platzte jedoch die Kooperation mit Google. Der Suchmaschinenriese warf dem Startup vor, dass es seine Nutzer dazu verleite auf möglichst viele Werbeanzeigen zu klicken – ohne etwas zu kaufen.

Die Pionier-Seite Ecocho ist heute tot. Kroll hingegen hat weitere Versuche gewagt. Anlässlich der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 ging er mit Ecosia an den Start. Mit der Hilfe des WWF erlangte Ecosia in kurzer Zeit  Bekanntheit in der Ökoszene (bis August 2013 flossen die Spenden in Projekte des WWF). Knapp fünf Jahre nach dem Start hat Kroll mit seiner Suchmaschine die Spendengrenze von zwei Millionen Euro geknackt.

Werbeeinahmen für die AufforstungKrolls Website bezeichnet sich selbst als „Suchmaschine, die Bäume pflanzt“ (hier geht’s zu den FAQs). Schon nach wenigen Suchen erklärt die Website dem Nutzer, dass er dabei geholfen habe, einen Baum zu pflanzen.

Eine Angabe, die etwas plakativ ist, denn die Suchmaschine verdient nicht mit jeder Suchabfrage. Geld fließt erst, wenn beispielsweise ein Nutzer auf die Werbebanner klickt. Diese Werbeeinnahmen gehen dann in großen Teilen an die US-Umweltorganisation The Nature Conservancy, die damit den brasilianischen Regenwald aufforstet.

Grüne Server?Es gibt aber einen ökologischen Haken. Denn die Server von Ecosia werden nicht mit Ökostrom betrieben, kritisiert Nanu Kaller, Konsumentensprecherin bei Greenpeace in der Tageszeitung taz. Das Startup kaufe zwar Zertifikate, um die Emmissionen auszugleichen, doch ökologisch gesehen sei das schlechter, als einen Server direkt Ökostrom zu betreiben. Kroll verteidigt sein Unternehmen: Grüne Rechenzentren seien nicht flexibel genug, wenn die Zahl der Suchanfragen stark schwanke. Sonderlich glaubwürdig ist das nicht. Denn seit einiger Zeit betreibt selbst der Technikriese Apple seine Rechenzentren mit Grünstrom – ohne Störungen.

500.000 Suchanfragen erhält Ecosia täglich und die Tendenz ist leicht steigend. Das sind weniger als ein Prozent Marktanteil in Deutschland. Um den Regenwald zu retten, müssen es künftig ein paar mehr werden.

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