Klimawandel: Mit Diamantstaub gegen die Erderwärmung

Klimawandel: Mit Diamantstaub gegen die Erderwärmung

von Sabrina Keßler

Forscher wollen Diamantstaub in der Atmosphäre versprühen, um die Erde vor Überhitzung zu schützen. Marktreif ist die Idee allerdings noch nicht.

Um die Temperaturen auf unserem Planeten zu senken, lassen sich Klimaforscher so einiges einfallen: Die einen schlagen Spiegel im All vor, die das Sonnenlicht reflektieren und die wärmenden Strahlen damit von der Erde abwenden. Andere wiederum schwören auf Sulfate, die in der Atmosphäre versprüht die Erderwärmung verlangsamen könnten.

Sulfate haben allerdings das Problem, dass sie in der Atmosphäre zur Produktion von Schwefelsäure führen. Die wiederum schadet der Ozonschicht. Weil sie zudem bestimmte Wellenlängen des Lichts absorbieren, wird die untere Stratosphäre aufgeheizt. Die Verwendung von Sulfaten könnte auch das Pflanzenwachstum steigern, aber gleichzeitig die Leistung von Solarpanels minimieren.

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Ein US-amerikanisches Forscherteam der Elite-Universität Harvard empfiehlt nun Diamantstaub als Allzweckwaffe gegen den Klimawandel. In ihrer Analyse schreiben die Wissenschaftler, dass Nanopartikel aus Diamanten oder Aluminiumoxid effektiver und vor allem umweltfreundlicher sind als die angedachten Sulfate. Wie kleine Spiegel im All sollen die Teilchen ankommende Sonnenstrahlen um bis zu 50 Prozent besser reflektieren.

Vielversprechend aber teuer 

Zwar haben die Wissenschaftler ihre Theorie noch nicht getestet. Doch die Forscher gehen davon aus, dass es mit Diamantstaub und Aluminum deutlich weniger Probleme gebe. So hätten die Materialien einen geringeren Effekt auf die Ozonschicht, auch die Stratosphäre würde weniger aufgeheizt. Da liegt daran, dass die Rohstoffe die Wellenlängen des Lichts anders absorbieren würden.

Welche Folgen das Versprühen von Diamantstaub langfristig auf die Atmosphäre hätte, sei allerdings noch nicht absehbar. Klar ist bislang nur: Es wird teuer. Tonnenweise Diamantstaub im All zu versprühen, ist mit hohen Kosten verbunden. Um nur einen Effekt von ein paar Prozent zu erreichen, müssten Hunderttausende Tonnen an Staub versprüht werden.

Die Forscher halten ihr Vorhaben dennoch für realisierbar, erklären sie in der Fachzeitschrift Nature. Aufgrund der verbesserten Möglichkeiten, künstliche Diamanten herzustellen, soll es in 50 Jahren bereits möglich sein, eine der Bevölkerung entsprechende Menge von rund 450.000 Tonnen Diamantstaub für fünf Dollar pro Erdbewohner ins All zu schießen. Trotzdem fokussieren sich die Forscher nun erst einmal auf Aluminium, weil es günstiger herzustellen ist.

 Bisherige Ansätze meist schädlichDie Idee hinter dem ungewöhnlichen Konzept stammt übrigens von der Natur selbst. Nach Ausbrüchen großer Vulkane beobachten Forscher nämlich regelmäßig abfallende Temperaturen. Grund dafür sind die besagten Sulfattröpfchen. So sank beispielsweise die Temperatur der Erdatmosphäre nach Ausbruch des philippinischen Vulkans Pinatubo im Jahr 1991 sechs Monate lang um ein halbes Grad.

Matthew Watson, Vulkanologe der Universität Bristol, warnt trotz aller Euphorie vor den Risiken. Bisherige Ansätze des sogenannten Geo-Engineering seien oftmals mit der Begründung gescheitert, dass die verwendeten Stoffe potentiell giftig seien. Infolgedessen verwarf man unter anderem den Vorschlag aus China, Schwefelsalz-Spray am Himmel zu verteilen. Das so gebildete Sulfat-Dioxid kühle zwar die Luft, sorge aber gleichzeitig dafür, dass sich die Stratosphäre ungewollt aufheize. Ob und wann Diamantstaub tatsächlich zur Abkühlung der Erde eingesetzt wird, bleibt also trotz allem erstmal abzuwarten.

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