Lebensmittel-Recycling: Insekten verwandeln Abfall in Tierfutter

Lebensmittel-Recycling: Insekten verwandeln Abfall in Tierfutter

von Eva Mühle

Ein Start-up aus Georgia züchtet Insekten, die sich von Lebensmittelabfällen ernähren - und dann selbst zu Futter werden.

"Die Vergangenheit recyceln, um die Zukunft ernähren zu können" - klingt abstrakt, aber das Leitmotiv von Grubbly Farms erschließt sich schnell: Die beiden Freunde und frisch gebackenen Uniabsolventen Sean Warner und Patrick Pittaluga (beide 24) wandeln mit ihrem Start-up Lebensmittelabfälle in Futtermittel um.

Dazu sammeln die beiden in ganz Georgia, wo sie herkommen und Grubbly Farms auch Anfang 2015 gegründet haben, abgelaufenes Brot, altes Obst und andere organische Produkte ein, die ansonsten in den Müllcontainern von Supermärkten, Restaurants oder Bauernhöfen landen.

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Mit diesen Bioabfällen füttern sie Larven der schwarzen Soldatenfliege, die täglich das Doppelte ihres eigenen Körpergewichts fressen und so aus dem Müll hochwertige Biomasse herstellen kann. Die gezüchteten Larven können nämlich anschließend als gesundes, protein- und fettreiches Futter unter anderem in der Tiermast eingesetzt werden.

Als Kaltblüter verwerten Insekten ihre Nahrung sehr effizient. Zwei Kilogramm Futter sind nötig, um 1 Kilogramm Insektenmasse zu erzielen. Rinder brauchen hingegen das Vierfache an Futter, um ein Kilo Körpermasse zu produzieren. Verglichen mit Rinderherden emittieren die Insekten zudem nur einen verschwindend geringen Bruchteil an Treibhausgasen.

Durch den Abbau von Essensabfällen werden hingegen Unmengen an Treibhausgasen freigesetzt. "Mit je 100 Tonnen Bioabfall, den unsere Soldatenfliegen fressen, können wir den CO2-Ausstoß um 71 Prozent senken", so die Gründer von Grubbly Farms.

Zusätzlich sollen aus den 100 Tonnen Abfall je fünf Tonnen Proteine, zwei Tonnen Öl und 8 Tonnen Düngemittel entstehen. "Das sind alles Produkte, die wir einsetzen können, um mehr Nahrung für uns Menschen herstellen zu können." Ein wichtiger Ansatz, denn bis 2050 könnte die Weltbevölkerung auf neun Milliarden Menschen anwachsen. Um deren Hunger zu stillen, müsste sich die aktuelle Nahrungsproduktion laut UN beinahe verdoppeln.

Mitgründer Sean Warner war eigentlich kein Insekten-Fan, wie er in diesem Video erklärt:

https://www.youtube.com/watch?v=SiURdgKC134

Die gesunden und im Vergleich zur herkömmlichen Fleischproduktion umweltfreundlicheren Insekten könnten als Mittel gegen Hungerkrisen eine Schlüsselrolle spielen. Bei rund zwei Milliarden Menschen stehen laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bereits Insekten als fester Bestandteil auf dem Speiseplan.

Immer mehr Firmen, darunter viele Start-ups, setzen daher auf die Krabbeltierchen als nachhaltiges Geschäftsmodell. Für knapp 10 Euro kann sich jeder im Internet zum Beispiel eine Tüte Mehlwürmer kaufen. Oder für rund 250 Euro einen "Grillen-Reaktor", mit dem man zu Hause Insekten züchten kann.

So weit ist das Start-up Grubbly Farms noch nicht. Zwar züchten Warner und Piattaluga die Insekten nicht mehr im Badezimmer ihres Appartements, sondern haben mittlerweile eine Art Gewächshaus mit Kapazitäten für bis zu 680 Kilogramm Larven. Den Vertrieb hat Grubbly Farms aber noch nicht gestartet. Aktuell werde noch getestet, für welche Tiere die Larven-Nahrung vorrangig angeboten werden soll.

Die zwei Gründer suchen außerdem aktuell nach Investoren und Wirtschafts-Experten, um ihr Projekt zu etablieren. Auf einer Veranstaltung für Start-ups in Kairo Mitte Oktober konnten die zwei Freunde ihr Projekt bereits erfolgreich möglichen Förderern präsentieren. "Das war cool. Jeder, mit dem wir gesprochen haben, ist von unserer Idee begeistert", so Patrick Pittaluga.

Ganz neu ist die Idee von Grubbly Farms allerdings nicht. So gibt es auf der Welt bereits eine Handvoll Unternehmen, wie beispielsweise die französische Firma Ynsect bei Evry oder AgriProtein aus Südafrika, die Insekten züchten, um damit Rinder oder Fische zu füttern. In Deutschland hat die TU Dresden bereits in diese Richtung geforscht.

In der EU ist die Verfütterung von tierischen Proteinen an Masttiere allerdings seit Jahren aus Sorge vor unter anderem BSE gesetzlich verboten. Dass mit tierischen Proteinen auch solche von Insekten gemeint sein können, war damals allerdings noch kein Thema. Seit 2013 läuft das dreijährige EU-Forschungsprojekt Proteininsect, um zu klären, welche Rolle Insekten für die Ernährung von Menschen und für die Fütterung von Tieren spielen. 

In Studien soll zudem analysiert werden, welches gesundheitliche Risiko von Insekten als Futtermittel ausgeht. Anfang Oktober hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Auftrag der EU-Kommission dazu bereits einen Bericht veröffentlicht. Laut EFSA seien die Risiken der Insektenfuttermittel in vielen Fällen vergleichbar oder geringer als bei anderen tierischen Proteinen. Das Risikoprofil macht allerdings deutlich, dass in vielen Punkten noch wissenschaftliche Daten fehlen.

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