Meditierende Manager: Mehr Buddhismus in unserer Wirtschaft

Meditierende Manager: Mehr Buddhismus in unserer Wirtschaft

von Nora Marie Zaremba

Wie der Buddhismus unser Wirtschaftssystem besser machen kann, untersucht ein neues Buch.

Der mitfühlende und entspannte Top-Manager - das Bild muss man erst einmal in den Kopf bekommen. Wer erfolgreich sein will, muss doch in unserem Wirtschaftssystem auch mal rücksichtslos vorgehen - gegen sich selbst und gegen andere.

Doch es scheint so, als finde langsam ein Umdenken statt - von der Ellenbogen-Gesellschaft zur inneren Ruhe.

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Die US-amerikanische Harvard Universität bietet neuerdings „Mindful Leadership“-Seminare an. Bei Google gibt es Meditationsräume und morgendliche Achtsamkeitsübungen. Und für normale Angestellte werben Berliner Yogaschulen nun auch mit „Yoga fürs Büro"-Programmen. Erste Anzeichen einer Veränderung?

Die renommierte Neurowissenschaftlerin Tania Singer geht dieser These in ihrem neuen Buch „Mit Gefühl in der Wirtschaft“ nach. Zusammen mit dem buddhistischen Mönch Matthieu Ricard will sie klären, ob den Fehlern unseres Wirtschaftssystems mit buddhistischen Denkweisen beizukommen ist.

Verschiedenen Wissenschaftler kommen dabei zu Wort und diskutieren mit darüber, wie Mitgefühl im westlichen Wirtschaftsmodell eine stärkere Rolle spielen kann. Prominentester Gesprächspartner: Das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, der 14. Dalai Lama.

Kooperation regt das Gehirn anKooperation aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn. Allein das mache die Zusammenarbeit bereits erstrebenswert, heißt es im ersten Teil des Buches.

Außerdem berichtet Richard Davidson, US-amerikanischer Professor für Psychologie, dass auch Mitgefühl erlernbar sei. Zumindest waren nach Meditationssitzungen entsprechende Hirnareale bei seinen Patienten, die sich selbst als nicht kooperativ wahrgenommen hatten, viel aktiver als zuvor.

Ein weiteres Experiment zeigt, dass sich einander vollkommen fremde Menschen Geld leihen. Wenn eine Belohnung in Aussicht gestellt werde, dann sei die Bereitschaft zum Geben aber noch größer, schreibt der Direktor des Instituts für Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich, Ernst Fehr.

Die Kooperationsbereitschaft bricht hingegen ein, wenn Hilfsbereitschaft ausgenutzt wird. Gibt es ihn also, den reinen Altruismus? Das kann das Buch nicht abschließend klären. Muss es vielleicht auch nicht. Der Dalai Lama weist darauf hin, dass eine ichbezogene Sicht auf die Welt nicht verwerflich sei, sondern im Buddhismus sogar erstrebenswert. Denn wer mit sich selbst im Reinen sei, der  gebe nicht viel auf Geld und Besitz.

In einer These sind sich die Neurowissenschaftler, Ökonomen und Mönche einig: Der Buddhismus lehrt, dass jeder Mensch mitfühlen kann. Würden wir das anerkennen, könnte das auch unsere Wirtschaft besser machen. Aber aufgepasst: Wer den reinen Altruismus gefunden hat muss aufpassen, dass ein gewiefter Chef das neue Mitgefühl nicht ausnutzt, um noch ein paar Überstunden rauszupressen.

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