Plastik: 90 Prozent aller Seevögel haben Müll im Magen

Plastik: 90 Prozent aller Seevögel haben Müll im Magen

von Peter Vollmer

Dass Fische Müll im Magen haben, ist bekannt. Aber auch 90 Prozent der Seevögel dürften Plastik essen - das legt eine neue Studie nahe.

Plastik aus dem Meer zu holen ist ziemlich schwierig, zu klein sind die Partikel meistens. Sie landen in Fischmägen und dann auf unseren Tellern. Aber nicht nur den Fischen geht es schlecht: Neun von zehn Seevögeln dürften ebenfalls Plastik im Magen haben.

Das zumindest legt eine Studie von australischen Forschern nahe. Sie haben den Einfluss von Meeresmüll auf Seevögel untersucht. Bislang gingen die Forscher davon aus, dass immerhin 29 Prozent der Vögel Plastik zu sich genommen haben. Die tatsächliche Zahl sei im Vergleich dazu „ziemlich astronomisch“, erklärt Co-Autorin Denise Hardesty von der australischen Forschungsbehörde CSIRO.

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„Wir können mit historischen Beobachtungen vorhersagen, dass 90 Prozent aller Seevögel Plastik zu sich genommen haben. Eine immense Menge, die wirklich die Allgegenwart von Plastikmüll aufzeigt“, sagt Co-Autor Chris Wilcox, ebenfalls CSIRO-Forscher.

Immerhin 186 Meeresvogel-Spezies haben die Forscher untersucht und aus regionalen Daten ein größeres Modell gebaut. „Nun haben wir erstmals eine globale Vorhersage dazu, wie weitreichend der Einfluss von Plastik auf am Meer lebende Arten ist“, sagt Wilcox.

Das Problem: Viele Vögel halten kleinere Plastikteile an den Küsten und im Wasser für Fischeier. Vor allem Albatrosse und Fischtaucher scheinen sich für die Plastik-Diät begeistern zu können.

„Sie denken, sie bekommen eine richtige Mahlzeit“, erklärt Hardesty. Anhand von Computersimulationen konnten die Forscher die Wege der Vögel und ihre Essgewohnheiten beobachten. Überraschend: Das Problem ist nicht dort besonders schlimm, wo viel Müll liegt, sondern da, wo sich viele verschiedene Arten tummeln.

Plastik immer noch ein Boom-MarktIn Europa und Nordamerika sei das Problem nicht ganz so schlimm, fanden die Forscher heraus. Bemühungen, weniger Plastik in die Umwelt gelangen zu lassen, tragen hier Früchte. Gerade in Australien und Neuseeland habe sie aber alles gesehen, erklärt Hardesty: „Feuerzeige, Kronkorken, Modellautos, andere Spielzeuge“ – ein Sturmtaucher könnte die Reste einer Strandparty entdeckt haben, ein Leuchtstab und drei Ballons fanden die Forscher in seinem Magen.

Es muss sich etwas ändern, sind die Forscher überzeugt, denn der Markt für Plastik wächst weiter: “In den kommenden elf Jahren werden wir so viel Plastik herstellen, wie seit Beginn der industriellen Kunststoffproduktion in den 50ern“, sagte Hardesty gegenüber dem Guardian.

Die Studie (die Sie hier lesen können) erscheint im Magazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Und endet wenig optimistisch: Sollte sich an den Modellbedingungen nicht ändern, gehen die Forscher davon aus, dass 2050 99 Prozent der Seevögel Plastik im Körper haben werden.

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