Reste statt Regenwald: Künstliches Tropenholz aus Abfällen

Reste statt Regenwald: Künstliches Tropenholz aus Abfällen

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Da freuen sich die Tiere (nicht mehr im Bild, weil kein Lebensraum): Das Tropenholzimitat könnte den Holzschlag wie hier in Indonesien eindämmen.

von Wolfgang Kempkens

Ein australisches Unternehmen hat ein spottbilliges Tropenholz-Imitat entwickelt. Das könnte auch gegen illegalen Holzschlag helfen.

Nicht jedes Holz, das aus den Tropen kommt, ist per se schlecht: Manches Forstunternehmen achtet auf Nachhaltigkeit - und macht den Holzexport trotzdem zum ertragreichen Geschäft. Doch kann der Händler in Deutschland einen solchen Hintergrund nicht belegen, dann ist die Empfehlung oft: Finger weg. Illegale Rodung ist nämlich für Flora und Fauna gleichermaßen ein Problem.

Ein Problem, dem ein australisches Unternehmen beikommen will: Aus Holzabfällen aller Art, die bisher verbrannt werden, und aus dünnen Baumstämmen aus der Durchforstung, die allenfalls zur Papierherstellung taugen, formt 3RT Holz. Das sogenannte 3Wood ist ein holzbasierter Werkstoff, der ebenso hart und widerstandsfähig ist wie Tropenholz. Er lässt sich zum Bau von Möbeln und Fensterrahmen und sogar von Schwellen für die Bahn nutzen.

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Gut vier Millionen Euro (sechs Millionen australische Dollar) hat das Unternehmen in eine prototypische Anlage gesteckt, die 3Wood produziert. Das Holz wird zerkleinert, mit einem wasserbasierten Leim, der kein Formaldehyd enthält, vermischt und in die gewünschte Form gepresst. Das Verfahren haben Forscher der Flinders University in der australischen Stadt Adelaide entwickelt.

Tropen-Imitat zum Spottpreis

"Der Wert des Ausgangsmaterials beträgt 45 australische Dollar pro Kubikmeter", sagt Peter Torreele, Managing Director des Unternehmens. "Nach der Behandlung ähnelt es 100 Jahre altem Tropenholz, das 2000 bis 5000 Dollar kostet." Die Oberfläche sieht aus, als bestehe 3Wood aus massivem oder furniertem Holz. Das Material ist wetterfest und resistent gegen Holz fressende Insekten wie Borkenkäfer und Termiten.

Torreele sieht das Material als Alternative zum Abholzen von tropischen Regenwäldern. Im Unterschied zum Imprägnieren von relativ weichem Holz, das es wetterfest macht, können die Australier alle Holzarten verarbeiten. Sägewerke könnten die Technologie nutzen, um die Abfälle zu verwerten, die bis zu 68 Prozent des Ausgangsmaterials ausmachen.

"Mit unserer Technologie bringen wir die Sägewerke ins 21. Jahrhundert", sagt Torreele. Basis der Technologie ist die Herstellung von besonders strapazierfähigen Bodenbelägen aus Bambus. Dazu werden die Rohre zusammengepresst, sodass sie in Streifen zerfallen. Diese werden in Leim getränkt und unter Druck zu Platten gepresst. Sollten die Kunden das annehmen, könnte sich der illegale Schlag von Tropenholz bald auch finanziell nicht mehr lohnen.

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