Verpackung: Essbaren Hüllen und pflanzbaren Kartons gehört die Zukunft

Verpackung: Essbaren Hüllen und pflanzbaren Kartons gehört die Zukunft

von Andreas Zynga

Eine Hülle, die man einpflanzen kann oder eine komplett essbare Verpackung könnten Plastik bald überflüssig machen

Andreas Zynga ist CEO des Innovationsdienstleisters NineSigma. Für WiWo Green erstellt er regelmäßig einen Innovationsmonitor, der die Trends und Neuheiten der Nachhaltigkeitsbranchen überblickt.

Bei nachhaltigen und grünen Verpackungen stehen vor allem die im Fokus, die man gar nicht wegwerfen will - oder bei denen nichts übrig bleibt, das entsorgt werden müsste.

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Beginnen wir mit der Verpackung, die sich auch dann als äußerst nützlich erweist, wenn sie ihren eigentlichen Zweck schon erfüllt hat. Diese "pflanzbaren" Verpackungen (siehe Titelfoto) bestehen aus biologisch abbaubarem Papier und enthalten Samen. Wenn das Papier in einem mit Erde gefüllten Topf "eingepflanzt" wird, treiben diese aus und das Papier wird kompostiert. Was übrig bleibt, sind Blumen, Kräuter oder Gemüse - aber kein Müll. Kunden können dabei zwischen verschiedenen Samen auswählen: Möchten Sie, dass aus Ihrem Papier Tomaten wachsen? Dann wählen Sie ein Papier mit Gemüsesamen!

Beispiele für nachhaltige Verpackungen sind auch die aus Papierfasern geformte Schachteln für Körper- und Hautpflegeprodukte des Kosmetikunternehmens Pangea Organics aus Colorado. Erwähnenswert sind auch die Verpackungen von Bloom Everlasting Chocolates, in die Samen eingelassen sind. Pflanzbare Verpackungen sind keine gänzlich neue Innovation - es gibt sie schon seit längerem - allerdings ist das Interesse an einem Einsatz in größerem Maßstab in letzter Zeit gestiegen.

Verpackung direkt essenEine andere Variante ist die "essbare Verpackung". Hervorzuheben sind dabei Innovationen wie die von WikiFoods. Die WikiFoods-Technologie besteht darin, große Mengen von Nahrungsmitteln und Getränken in essbare Verpackungen aus natürlichen Materialien einzuwickeln. Wie die Schale einer Traube schafft der Verpackungsprozess eine Schutzhülle gegen Feuchtigkeitsverlust und Fremdstoffe und ist gleichzeitig ein leckerer Energielieferant.

Ooho! ist eine nachhaltige Wasser-"Flasche", die Plastik zu 100 Prozent durch eine biologisch abbaubare Seegras- und Calciumchlorid-Membran ersetzt, die ohne Bedenken für den menschlichen Verzehr geeignet ist. Fazit: Ooho! ist ein essbarer Wasserballon. Wenn Sie Durst haben, können sie die Membran anstechen und das Wasser austrinken. Wie das funktioniert, zeigt dieses Video. Ooho! ist eine Erfindung des Londoner Unternehmens Skipping Rocks Lab, das für sein Nachhaltigkeitskonzept vor kurzem finanzielle Mittel von der Europäischen Union erhalten hat und seine Technologie hoffentlich auch bald in größerem Umfang vorstellen kann.

Die Industrie widmet nachhaltigen Verpackungen seit einiger Zeit besonders viel Aufmerksamkeit. Auch NineSigma unterstützt seine Kunden regemäßig darin, innovative nachhaltige Verpackungslösungen zu identifizieren für Bereiche wie Nahrungsmittel, Transport und kompostierbare Folien. 2013 ist NineSigma eine erfolgreiche Partnerschaft mit Scientists without Borders, dem Sackler Institut für Ernährungswissenschaft an der New York Academy of Science und "Sight and Life", dem vom Chemieunternehmen DSM finanzierten Thinktank für Ernährungsfragen, eingegangen. Über eine Open Innovation Challenge sollen nachhaltige Lösungen gefunden werden, um Pulver aus Mikronährstoffen herzustellen – ein wichtiges Mittel gegen Mangelernährung auf der ganzen Welt.

Eine spannende Studie untersuchte vor kurzem den biologischen Abbau von Polystyrol durch plastikverzehrende Mehlwürmer. Wissenschaftler konnten zeigen, dass Styropor, das wegen seiner langen Haltbarkeit berüchtigt ist, schnell von einer bestimmten Art von Mehlwürmern abgetragen werden kann. Diese Entdeckung kann vielleicht ein globales Müllproblem lösen: das Oxymoron "nachhaltiges Plastik" könnte schon bald Realität werden!

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