Strategie: Warum China Cleantech-Startups im Westen aufkauft

Strategie: Warum China Cleantech-Startups im Westen aufkauft

Chinesische Unternehmen beteiligen sich mit Milliarden Dollar an den innovativsten Startups. Warum, erklärt unser Kolumnist.

Von Bruno Rudnik, Gründer und Inhaber der Münchener Unternehmensberatung SusTech Consult. Rudnik ist Spezialist für die Cleantech-Märkte in China und Indien.

Die grüne Revolution in China hat begonnen – aber kommt sie schnell genug? Mit dieser Frage habe ich meine letzte Kolumne geschlossen. Während jüngste Presseberichte angebliche Pläne zur Deckelung der chinesischen CO2-Emissionen für 2016 verkünden, bleiben diese allerdings genauso vage, wie die konkreten Maßnahmen, mit denen China seine Wirtschaft ergrünen lassen möchte.

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Die nationalen Ausgaben für Forschung und Entwicklung grüner Technologien steigen zwar kontinuierlich, aber disruptive Innovationen aus China sind (noch) die Ausnahme. Wie das Beispiel der Solarbranche zeigt, bestand das chinesische Geschäftsmodell bisher vor allem in der Kostensenkung durch hohe Stückzahlen einer bereits am Weltmarkt etablierten Technologie.

Doch jetzt schlagen chinesische Unternehmen immer öfter eine Abkürzung zum Erwerb grünen Know-hows ein: Sie investieren in westliche Technologien, deren Beitrag zur Lösung globaler und lokaler Umweltprobleme vor allem ein Zukunftsversprechen ist.

Während in Deutschland gerade erst diskutiert wird, wie der Erwerb von Traditionsunternehmen aus der Automobil- oder Maschinenbaubranche wie Putzmeister (Betonpumpen) oder Kiekert (Schließsysteme) durch Investoren aus Fernost zu bewerten ist, sind die Chinesen schon einen Schritt weiter. Ermutigt und gefördert von der eigenen Regierung investieren sie in westliche Startups aus hochinnovativen Cleantech-Branchen wie Elektromobilität, Batterietechnik oder Biochemie.

Grünes Geld aus dem roten ChinaIhr Vorgehen ist dabei zugleich strategisch wie auch opportunistisch: Strategisch, da es ihnen primär um die mittel- und langfristigen Marktpotenziale grüner Technologien in China geht. Opportunistisch, da sie vor allem in den USA immer häufiger die Finanzierungslücken von jungen Unternehmen auf dem Weg zur kommerziellen Produktion füllen. Einige Beispiele:

- Wanxiang und GreatPoint Energy

Die Wanxiang Group ist der größte chinesische Automobilzulieferer – und einer der aktivsten Cleantech-Investoren des letzten Jahres. Das Geschäftsfeld Elektromobilität wurde zuletzt mit dem Kauf des insolventen amerikanischen Batterie-Startups A123 für 250 Millionen Dollar sowie einer 100-Millionen-Dollar-Beteiligung an Smith Electric Vehicles, einem Hersteller von elektrischen Nutzfahrzeugen, strategisch ausgebaut. Der aufsehenerregendste Deal aber war ein anderer: Die 1,25 Milliarden Dollar schwere Partnerschaft mit dem amerikanischen Startup GreatPoint Energy. Alleine 420 Millionen Dollar flossen in das Eigenkapital der Gesellschaft – der Rest des Geldes wird vor allem in die weltweit erste Großanlage des Unternehmens investiert. Diese soll in Westchina errichtet werden und aus Kohle sauberes und kostengünstiges Erdgas produzieren.

- Baosteel und LanzaTech

LanzaTech wandelt Abgase aus Industrieprozessen in biobasierte Treibstoffe und Chemikalien um. Das amerikanische Startup mit neuseeländischen Wurzeln nutzt dafür gentechnisch modifizierte Mikroben, die aus Kohlenstoffmonoxid beispielsweise Ethanol, Butanol oder Propanol herstellen. Auch LanzaTech hat seine erste Großanlage nicht in den USA oder Europa errichtet – sondern in China auf dem Gelände des Stahlgiganten Baosteel. Ende 2012 ist die Ethanol-Produktion des Gemeinschaftsunternehmens erfolgreich angelaufen. Weitere Partnerschaften mit chinesischen Stahl- und Kohleunternehmen hat LanzaTech bereits beschlossen.

- Zhongding Power und EcoMotors

Das fünf Jahre alte Startup EcoMotors aus den USA will den Verbrennungsmotor neu erfinden. Der sogenannte OPOC („opposed piston, opposed cylinder“) ist eine Abwandlung des Gegenkolbenmotors und verbraucht laut EcoMotors bis zu 50% weniger Kraftstoff als herkömmliche Viertaktmotoren. Prominenter Investor des Unternehmens ist unter anderem Bill Gates. Die erste Großproduktion des OPOC soll bis 2014 für 200 Mio. USD vom chinesischen Automobilzulieferer Zhongding Power in der Nähe von Shanghai gebaut werden.

Trotz dieser überraschenden Entwicklung: Auch die chinesischen Investoren werden vorsichtiger. Lange wurde zuletzt über einen Einstieg der Automobilunternehmen Geely und Dongfeng beim schwer angeschlagenen amerikanischen Elektroautohersteller Fisker Automotive spekuliert. Insbesondere die politische Dimension des Deals wurde den Chinesen dann doch zu heikel. Denn über ein reines „Trial and Error“ ihrer Auslandsaktivitäten sind die chinesischen Investoren inzwischen hinaus.

Sorgen um PatenteDie Offenheit gegenüber den Investoren aus China ist allerdings noch sehr gemischt: Während viele westliche Startups zurückhaltend sind und sich insbesondere um Know-how-Verlust und Patentschutz sorgen, erhält ein neuer Pragmatismus Einzug, der vor allem die Markt- und Finanzierungspotenziale für grüne Technologien in China sieht.

Oder wie es der CEO eines amerikanischen Startups aus der Biochemie-Branche ausdrückt: „Für uns ist nicht die geografische Herkunft eines Investors wichtig, sondern ob er bereit ist, einen gemeinsamen Weg zu gehen und das Unternehmen und dessen Technologie auf das nächste Level zu bringen.“

Cleantech ist zeit-, anlagen- und damit kapitalintensiv. Daher werden am Ende vor allem Technologieentwickler erfolgreich sein, die Partner mit tiefen Taschen und langem Atem haben. Der Blick nach Osten kann sich also lohnen.

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