Biokohle: Größtes Projekt geht insolvent - und die Ex-Mitarbeiter übernehmen

Biokohle: Größtes Projekt geht insolvent - und die Ex-Mitarbeiter übernehmen

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In Duiven in den Niederlanden hätten jährlich 60.000 Tonnen Pellets zur Verbrennung in Kohlekraftwerken hergestellt werden sollen.

von Wolfgang Kempkens

In den Niederlanden wollen die Mitarbeiter einen insolventen Biokohle-Hersteller weiterführen.

Kohlekraftwerke, die fast so sauber wie Windgeneratoren und Solarzellen sind - könnte eine Technologie das erreichen, wären viele Stromversorger begeistert. Deshalb arbeitet eine Reihe von Forschern daran, Biomasse in eine kohleähnliche Substanz zu verwandeln. Bei deren Verbrennung entsteht lediglich so viel Kohlendioxid, wie die Pflanzen zuvor aus der Luft aufgenommen haben, um zu wachsen - die Klimabilanz wäre ausgeglichener als bei aus der Erde geförderter Kohle.

Staub wird natürlich nach wie vor emittiert. Und bei der so genannten Torrefizierung, wie der Umwandlungsprozess heißt, wird Energie verbraucht, was die Bilanz ein wenig verschlechtert. Aber es wäre ein weiterer Schritt in Richtung einer kohlenstofffreien Wirtschaft.

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Das ehrgeizigste Projekt dieser Art realisierte Topell Nederland im holländischen Städtchen Duiven: Eine Anlage, in der jährlich 60.000 Tonnen Pellets hergestellt werden sollten, die in normalen Steinkohlekraftwerken verfeuert werden sollten. 2011 ging die Anlage in Betrieb, im September 2014 insolvent.

Ende 2015 nun übernahm Blackwood Technology, ein Unternehmen aus dem niederländischen Städtchen Hoofddorp, die Torrefizierungstechnik und das Entwicklerteam von Topell. Ziel ist es, das Verfahren weiterzuentwickeln, damit es wirtschaftlich wird. Hinter Blackwood stecken ehemalige Mitarbeiter von Topell, die immer noch an das Konzept glauben.

Großanlage für Biokohle geschlossen

Statt der geplanten Pelletmenge kamen in Duiven während der gesamten Betriebszeit nur 15.000 Tonnen zusammen - zu wenig, um überleben zu können. Nun wird die Anlage stillgelegt. Ihr Vorgänger, eine ehemalige Topell-Energy-Testanlage in Arnheim, wird nun zum Zentrum des Geschehens.

An dieser Anlage ist die Torrefizierungstechnik einst entwickelt worden. Nun soll sie der Technologie doch noch zum Durchbruch verhelfen. Diese besteht im Kern aus einem Umwandlungsprozess von 15 bis 120 Minuten. Die vorgetrocknete Biomasse - Holz, Grünabfälle etwa, die beim Beschneiden von Bäumen und Büschen an Straßen und Bahnlinienanfallen, oder auch landwirtschaftliche Abfälle - landet in einem Reaktor, der luftleer gepumpt wird. Schematisch sieht das so aus:

Dann wird der Inhalt auf 250 bis 300 Grad Celsius erhitzt. Restwasser wird ausgetrieben, zudem auch kleine Mengen an Kohlendioxid und -monoxid sowie organische Säuren. Übrig bleibt eine kohleähnliche Masse, die einen deutlich höheren Heizwert hat als Biomasse. Sie wird gemahlen und, mit einem Bindemittel vermischt, zu Pellets gepresst.

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