Erneuerbare Energien: Öko-Heizungen teils billiger als Gas und Öl

Erneuerbare Energien: Öko-Heizungen teils billiger als Gas und Öl

von Ralph Diermann

Öko-Heizungen wie Wärmepumpen und Holzheizungen sind teuer? Eine neue Studie belegt das Gegenteil.

Erneuerbare Energien? Nein Danke! So denken die meisten Hausbesitzer, wenn es um ihren Heizungskeller geht. Der Anteil klimafreundlicher Öko-Heizungen, etwa Wärmepumpen und Holzkessel, an allen neu installierten Heizungsanlagen war 2015 laut einer Statistik des Branchenverbands BDH so gering wie seit  2010 nicht mehr. Ähnlich sieht es bei der Solarthermie aus.

Die Öko-Technologien stehen im Ruf, deutlich teurer zu sein als Gas- oder Öl-Kessel. Doch das ist ein Irrtum, wie eine neue Studie des Dresdener Instituts für Technische Gebäudeausrüstung zeigt. Meist kostet das Heizen mit erneuerbaren Energien im Neubau nicht mehr als mit Öl oder Gas - und ist mitunter sogar günstiger. Die Studie hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Auftrag gegeben, der bislang nicht gerade als glühender Verfechter der erneuerbaren Energien galt.

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Die Experten haben ausgerechnet, wie viel Geld die Bewohner von Neubauten verschiedener Effizienzstandards pro Jahr für Heizwärme ausgeben müssen. Dabei haben sie neben den Verbrauchskosten auch die Investition in die Technik sowie Wartung und Reparaturen einberechnet. Zudem haben sie berücksichtigt, dass je nach Heizung weitere Investitionen – etwa in Lüftungsanlagen oder ergänzende Solarthermie-Kollektoren – nötig sind, um die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) sowie des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) zu erfüllen.

Wärmepumpe: Favorit für das EinfamilienhausBewohner eines neuen Einfamilienhauses mit durchschnittlichem Wärmeschutz zum Beispiel müssen mit einem Gaskessel etwa genauso viel für die Heizwärme bezahlen wie mit einer Wärmepumpe. Das Heizen mit Öl ist acht Prozent teurer. Am günstigsten schneidet hier die Fern- und Nahwärme ab, deren Tarife sich allerdings regional stark unterscheiden.

Wer in einem Einfamilienhaus lebt, das mit Müh und Not die EnEV-Anforderungen erfüllt, spart mit einer Wärmepumpe vier Prozent gegenüber einer Gasheizung ein. Verglichen mit einem Öl-Kessel beträgt der Kostenvorteil sogar elf Prozent. Holzpelletkessel kommen die Bewohner laut der Studie in Einfamilienhäusern generell teuer zu stehen.

Ganz anders dagegen in neuen Mehrfamilienhäusern mit Mindest-Wärmeschutz – hier sind Holzheizungen wegen der niedrigen Brennstoffpreise die wirtschaftlichste Wahl, gefolgt von Gasheizungen. Wärmepumpen eignen sich für diesen Gebäudetyp nicht. In Gebäuden mit durchschnittlichem Wärmeschutz fahren Haushalte mit einem Erdgaskessel am besten. Nur unwesentlich teurer sind Nah- und Fernwärme sowie Ölheizungen. Mit Holz zu heizen kostet bei diesem Gebäudetyp rund ein Fünftel mehr als mit Erdgas.

Brennstoffpreise sind ein UnsicherheitsfaktorWer sich für eine neue Heizung entscheidet, legt sich damit für zwanzig Jahre und länger auf einen Energieträger fest. Niemand kann jedoch vorhersagen, wie sich die Energiepreise in dieser Zeit entwickeln werden – ein Unsicherheitsfaktor in solchen Kalkulationen. Die Autoren der BDEW-Studie haben die durchschnittlichen Brennstoffpreise zwischen Oktober 2014 und September 2015 zugrunde gelegt. Heizöl war in diesem Zeitraum verglichen mit dem langjährigen Mittel sehr günstig, gegenüber heute aber deutlich teurer. Auch Erdgas war im Untersuchungszeitraum teurer als heute, aber billiger als 2012 oder 2013.

Steigen die Preise für fossile Brennstoffe wieder auf das Niveau früherer Jahre, schneiden die erneuerbaren Energien im Kostenvergleich noch besser ab als in der Studie. Bleiben Öl und Gas jedoch langfristig so günstig wie heute, sind die fossilen Kessel bei den Kosten nicht zu schlagen.

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