Giftkiller Kalk: Ofen macht aus Abfall wertvolles Gas

Giftkiller Kalk: Ofen macht aus Abfall wertvolles Gas

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50.000 Tonnen Abfälle kann der Ecoloop-Ofen im Jahr in Synthesegas umwandeln. Möglich macht das der Kalk, der die Schadstoffe bindet. (Foto: ecoloop.eu)

von Wolfgang Kempkens

Müllverbrennungsanlagen sind teuer, denn die Abgasreinigung ist aufwendig. Ein Duisburger Unternehmen hat mit einem umgebauten Ofen nun eine Alternative erfunden.

Verunreinigte Kunststoffe, teerhaltiges Material oder chlorhaltige Abfälle: Der Schachtofen im Kalkwerk des Goslarer Unternehmens FELS schluckt alles. Das tun Müllverbrennungsanlagen zwar auch. Während diese jedoch nur Wärme produzieren und aufwändige Abgasreinigungsanlagen benötigen, erzeugt der Schachtofen Synthesegas – das kann zur Strom- und Wärmeerzeugung oder zur Herstellung von Treibstoffen verwendet werden.

50.000 Tonnen Abfälle kann die Anlage im Harz jährlich verwerten. „Pro Stunde produziert sie 15.000 Kubikmeter Synthesegas“, sagt Roland Möller, Geschäftsführer des Duisburger Unternehmens Ecoloop, das den Schachtofen gebaut hat. Der Heizwert beträgt 37.500 Kilowattstunden, der Eigenbedarf der Anlage liegt bei 1000 Kilowattstunden pro Stunde.

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Schachtöfen werden schon seit Jahrzehnten genutzt, um Kalk zu brennen – Ecoloop hat sie umfunktioniert. Ein Gemisch aus bis zu acht Zentimeter großen Kalksteinen, gemahlenem Kalk und dem Abfallmaterial wird von oben eingefüllt. Von unten wird Luft eingeblasen und Wasser eingesprüht.

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Der Schachtofen erzeugt aus den Abfällen Synthesegas, das zur Erzeugung von Strom oder Treibstoffen verwendet werden kann. (Foto: ecoloop.eu)

In der oberen Zone des Ofens finden zahlreiche thermochemische Prozesse statt. Die komplexen Moleküle der Kunststoffe oder anderer Materialien, die Kohlenstoff enthalten, werden durch die Hitze zerschlagen. Der reaktionsfreudige Kalk bindet Chlor, Schwefel und Schwermetalle. Wasser und Luft reagieren mit dem Kohlenstoff. Dabei bilden sich Wasserstoff und Kohlenmonoxid, in kleinen Mengen auch Methan.

Dieses Gemisch nennt sich Synthesegas. Übrig bleibt Koks, ein kohlenstoffhaltiges Material, das beim Fall durch das Innere des Ofens verbrennt und die Energiebilanz aufbessert. Ein Drehteller am unteren Ende des Ofens ist das einzig bewegliche Teil der Anlage. Er sorgt dafür, dass Asche und übrig gebliebene Kalkbrocken den Abzug nicht verstopfen. Der Kalk wird abgesiebt und in den Ofen zurückgeführt.

Abfalltechnik wird sinnvoll ergänzt

Da der Kalk bereits sämtliche Schadstoffe bindet, muss das Synthesegas nur noch von Staubteilchen befreit werden. Eine Gasreinigungsanlage ist daher überflüssig. Die Asche lässt sich aufbereiten, um etwa wertvolle Metalle und Phosphate zurückzugewinnen, die beim Vergasen von Klärschlamm übrig bleiben oder auf einer Deponie gelagert werden kann.

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Würden Müllverbrennungsanlagen zumindest teilweise von Problemabfällen mit großen Mengen an Schadstoffen entlastet, könnte der Aufwand für die Rauchgasreinigung verringert und damit die Kosten gesenkt werden.

„Während man zuzahlen muss, damit Müllverbrennungsanlagen den Abfall verwerten, entsteht bei uns ein Mehrwert“, sagt Möller. „Mit Ecoloop wollen wir die Abfall- und Recyclingtechnik sinnvoll ergänzen.“

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