Hypermiling: Über 2.000 Kilometer mit einer Tankfüllung

Hypermiling: Über 2.000 Kilometer mit einer Tankfüllung

von Angela Schmid

Ausdauer statt Geschwindigkeit - beim Hypermiling geht es darum, mit einer Tankfüllung möglichst weit zu kommen. Pendler können von der Fahrweise lernen.

2.111 Kilometer mit nur einer Tankfüllung. Für Felix Egolf kein Problem. Der 59-Jährige kennt alle Tricks und Kniffe, um möglichst viel Benzin zu sparen. Ein bisschen Ideologie und viel Passion treiben den ehemaligen Piloten der Fluggesellschaft Swissair an.

Hypermiling nennt sich das kraftstoffsparende Fahren. Eine Wortkreation aus den USA, wo der Verbrauch nach Meile pro Gallone berechnet wird. Dort, wo Benzin im Vergleich zu Europa eher günstig ist, sind Hypermiler eine sportliche Gemeinde, die sich darin messen, mit einer Tankfüllung möglichst weit zu kommen.

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Von den Alpen bis ans Meer und zurückAuch Egolf hat der Ehrgeiz gepackt. Und damit hat er das Interesse der Autoindustrie geweckt: Fast 30 Fahrzeuge hat der leidenschaftliche Autofahrer aus der Zentralschweiz im Laufe der vergangenen Jahre getestet. Das jüngste Modell war der Opel Insignia 1.6 CDTI ecoFlex. Mit einem offiziellen Verbrauch von etwa 3,9 Liter ein sparsamer Mittelklassewagen. Dafür gibt es in Deutschland die Einordnung in die beste Effizienzklasse A+. Im Alltag realistisch sind diese offiziellen Angaben hingegen selten - es sei denn man ist Langstreckenspezialist. Lediglich 3,46 Liter Diesel pro 100 Kilometer benötigte der Opel mit Egolf hinter dem Lenkrad auf seiner Reise von den Alpen an die Nordsee und wieder retour. Der geringste Verbrauch ist das für ihn noch nicht. Den erreichte er mit 2,94 Liter auf 100 Kilometer mit einem Polo. Doch mit dem Opel erreicht er auf seiner Reise ein anderes Ziel: „Ich wollte seit langer Zeit die 2.000-Kilometer-Marke knacken, fand aber nicht das Auto, das es ermöglichen würde“, so Egolf. Genau 2.111 Kilometer wurden es schließlich.

Los ging es mit dem Opel am 6. April in Luzern, weiter über den Hochschwarzwald mit dem höchsten Punkt der Tour (1.060 Meter) und einem Zwischenstopp am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim. Hier gab es ein kurzes Fachgespräch zwischen dem Hypermiler und Opel-Antriebsexperten Christian Müller, verantwortlicher Leiter der General-Motors-Antriebssparte in Europa. Müller zeigte sich begeistert: „Als Herr Egolf in Rüsselsheim ankam, stand die Tanknadel im Insignia noch fast auf voll. Da war er schon 429 Kilometer mit durchschnittlich sogar nur 3,2 Liter gefahren. Toll, dass er dann die 2.000-Kilometer-Schallmauer durchbrechen konnte.“

"Die neue Langsamkeit haben viele Menschen noch nicht entdeckt"

Weiter ging die Hypermiling-Tour via Münster und Oldenburg bis nach Cuxhaven an die Nordsee. Die Rückfahrt führte dann etwas weiter östlich über Hannover, Kassel, St. Gallen und endete am 8. April erfolgreich in Zürich. „Die Hypermiling-Tour mit dem Opel Insignia zeigt zudem, wer vorausschauend fährt, egalisiert oder unterbietet den Normverbrauch problemlos. Jeder kann also Hypermiler werden“, sagt Egolf und fordert die Menschen zum verantwortungsbewussteren Fahren auf. Das hat aus seiner Sicht viele Vorteile: Es spart Benzin und damit Geld. Es ist gut für die Umwelt, da weniger Kohlendioxid ausgestoßen wird und es ist weniger stressig. „Die neue Langsamkeit haben viele Menschen noch nicht entdeckt.“

Die Strecken von Egolf sind immer eine Kombination von Autobahn und Landstraße, Stadt und Berge. Auch Staus sind einkalkuliert. „Ich versuche, eine geografisch schöne und repräsentative Strecke auszuwählen“, erklärt der Hypermiler, der hin und wieder auch den Boden verlässt und als Buschpilot in Alaska die Welt von oben betrachtet.

Mit 90 km/h auf der AutobahnDie meisten - wenn auch nicht alle - Tricks des Hypermilers lassen sich auch im Alltag anwenden:

  • Auf der Autobahn zwischen 80 und 90 km/h fahren – damit ist schon viel gewonnen
  • Eine ruhige Fahrweise
  • An Kreisverkehr so heranfahren, dass möglichst nicht gebremst werden muss
  • Vor einer roten Ampel rechtzeitig vom Gas gehen
  • Bremsen überhaupt nur wenn nötig
  • Wenn möglich, rollwiderstandsarme Leichtlauf-Reifen verwenden
  • Den Luftdruck leicht erhöhen
  • Beim Anhalten Motor immer ausschalten
  • Rasch hochschalten und im höchstmöglichen Gang fahren
  • Fahrzeug gut warten und gutes Motorenöl verwenden

Bei den Autoherstellern hat sich Egolf längst etabliert. Der nächste Testwagen ist ein Kia cee‘d. Mit dem Dreizylinder fährt er über die Alpen bis nach Venedig mit einem Schlenker nach Innsbruck und wieder zurück in die Schweiz. Insgesamt 1200 Kilometer mit 60 Liter. So ist sein Plan. In den Bergen, so erzählt er, würde man nicht unbedingt mehr Benzin verbrauchen. „Steigung und Gefälle gleichen sich fast aus.“

Motor aus und segelnUm mehr Energie zu sparen, schaltet Egolf während der Fahrt den Motor aus. „EOC – engine off coasting“ oder segeln heißt dies. Braucht er wieder Schub, legt Egolf den fünften Gang ein, und der Motor springt wieder an. Hybridfahrzeuge machen dies zum Teil automatisch, wenn der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt. Bei normalen Verbrennern ist das aber nur etwas für Profis. Laien sollten die Finger davon lassen. „Das ist die höhere Schule für Hypermiler“, sagt Egolf.

Klein angefangen hat aber auch er einmal. Sein Talent zum Hypermilen entdeckte Egolf 1983, als er ein effizientes Auto mit Bordcomputer kaufte. Anfänglich schaffte er damit 500 Kilometer zwischen zwei Tank-Stopps, steigerte sich dann aber sukzessive auf über 1000 Kilometer. „Am Stammtisch hat mir das erstmal keiner abgekauft.“

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