Künstliches Erdgas: So schafft Deutschland die Klimawende

Künstliches Erdgas: So schafft Deutschland die Klimawende

von Wolfgang Kempkens

Bis 2050 will Deutschland seine Treibhausgas-Emissionen um 80 Prozent senken. Ohne Power-to-Gas sei das kaum machbar, sagen Forscher. Haben sie Recht?

Bis zum Jahr 2050 sollen die Emissionen von Treibhausgasen nach dem Willen der Bundesregierung und der Europäischen Union um mindestens 80 Prozent sinken, verglichen mit 1990. Ein ehrgeiziges Ziel, nicht zuletzt im Bereich Mobilität.

Der Traum vom schnellen Umstieg auf Elektrofahrzeuge wird sich wohl nicht so schnell erfüllen. Bis Ende 2014 wollte die Bundesregierung 100.000 E-Autos auf den Straßen sehen, daraus wurden nur 24.000. Deutschland ist bei der Elektromobilität international nur Mittelfeld.

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82 Prozent weniger EmissionenHans-Martin Henning vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg sieht einen Weg, diesen Prozess zu beschleunigen und die Klimaschutz-Ziele der Regierung zu erreichen. Er setzt auf Power-to-Gas, also die Herstellung von synthetischem Erdgas (Methan) beziehungsweise Wasserstoff aus Wind- oder Solarstrom und Kohlendioxid (CO2).

Henning ist Autor einer Studie, die darstellt, wie sich eine Emissionsminderung im Mobilitätssektor von sogar über 82 Prozent erreichen lässt. Sie zeigt: Ohne Power-to-Gas ist es unmöglich.

Zwar ließen sich weniger Emissionen auch auf anderem Weg erreichen, so die Studie. Aber es würde weitaus teurer. So seien die jährlichen Gesamtkosten des Energiesystems mit 80 Prozent CO2-Reduktion ohne Verfügbarkeit von Power-to-Gas um circa 60  Milliarden Euro höher als bei einem Verzicht auf diese Technik (siehe Grafik).

Um ein Reduktionsziel von 82-Prozent zu erreichen, müssten 81 Prozent aller Fahrzeuge mit Erdgasmotoren ausgestattet sein, die mit einem Mix aus – immer weniger genutztem – fossilem Erdgas, synthetischem Methan und Biogas betrieben werden.

Eine noch stärkere CO2-Reduktion könne durch den verstärkten Einsatz von Elektrofahrzeugen erreicht werden, die ihre Energie aus Bordbatterien oder Brennstoffzellen beziehen. Der dafür benötigte Wasserstoff müsse ebenfalls aus Wind- und Solarstrom erzeugt werden.

Auch Hybridfahrzeuge, die mit Verbrennungs- und Elektroantrieb ausgestattet sind, gehören aus Sicht der Studie zum Mobilitätsmix.

Die Bundesregierung will bis 2016 einen modifizierten Klimaschutzplan erarbeiten. Die ISE-Studie, die im Auftrag des deutschen Power-to-Gas-Pioniers Etogas erstellt wurde, soll dabei helfen, die Weichen richtig zu stellen. Ein Zusammenfassung des Reports finden Sie hier.

Öko-Institut kritisiert die TechnologieDoch Power-to-Gas findet nicht nur Unterstützer. Im Gegensatz zum ISE sieht das ebenfalls in Freiburg beheimatete Öko-Institut die Technologie kritisch. Denn bei der Herstellung von synthetischem Methan gehe zu viel Energie verloren. Vorteilhafter sei die direkte Nutzung von Strom, entweder in Batterien oder in Form von Wasserstoff in Brennstoffzellenfahrzeugen.

Weil Strom derzeit noch zu einem großen Teil in Braun- und Steinkohlekraftwerken erzeugt wird, wäre ein Umstieg auf Elektrofahrzeuge derzeit noch wenig umweltfreundlich. Das werde sich allerdings ändern, wenn der Anteil von Wind- und Solarstrom weiter zunehme.

Im Übrigen stünde mit dem Ableben fossiler Kraftwerken irgendwann nicht mehr genügend CO2 für die Herstellung von synthetischem Methan zur Verfügung.

Dieses Luxus-Problem ließe sich allerdings lösen. Auf Island laufen bereits Anlagen, die ihren Kohlendioxidbedarf aus der Luft decken, weil es dort keine fossilen Kraftwerke gibt. Statt Methan produzieren sie allerdings Methanol, einen Alkohol, der Benzin strecken oder gar ersetzen kann. Auch bei Dortmund befindet sich bereits eine solche Anlage im Bau.

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