Meeresenergie: Unterwasser-Turbinen bald billiger als Windräder?

Meeresenergie: Unterwasser-Turbinen bald billiger als Windräder?

von Wolfgang Kempkens

Meeresenergie hat großes Potenzial. Das Unternehmen Atlantis plant nun den Börsengang.

Es ist vielleicht der am meisten unterschätzte Energielieferant derzeit: das Meer. Weltweit könnten Meereskraftwerke, die die Gezeiten nutzen, 150 Terawattstunden Strom im Jahr erzeugen, das ist mehr als ein Viertel des Verbrauchs in Deutschland. Allein in Europa könnten bis 2050 Meereskraftwerke mit einer Leistung von 100 Gigawatt installiert sein, schätzt die Europäische Kommission.

Technologien, die die Kraft des Meeres in Energie verwandeln können, gibt es viele (wir haben sie unter anderem hier, hier und hier vorgestellt). Ihnen allen gemein ist, dass sie die Bewegung des Wassers in Strom umwandeln. Dadurch liefern sie fast rund um die Uhr Energie und sind damit eine Basis für Wind- und Solarstrom an Land.

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Eines der Unternehmen, das dieses Potenzial erschließen will ist Atlantis Resources aus Singapur. Die Firma, die ihre Technologie vor allem in Großbritannien entwickelt, sieht sich als weltweit führend im Bereich der Meeresenergie.

Bisher ist sein „Flaggschiff“, eine Ein-Megawatt-Turbine, die bei ab- und auflaufender Flut von der Strömung angetrieben wird, allerdings nur im Testbetrieb gelaufen. Immerhin gibt es Pläne für Unterwasser-Kraftwerke in Schottland, China, Kanada und Indien. Das Atlantis-Management hält seine Technik für so gut, dass es jetzt den Börsengang in London plant. 20 Millionen Pfund, umgerechnet gut 24 Millionen Euro, sollen dabei einkassiert werden.

Billiger als Offshore-WindkraftDas Unternehmen, an dem die US-Großbank Morgan Stanley mit 45,7 Prozent beteiligt ist, wirbt vor allem mit den Kostenvorteilen seiner Technik. Die heutigen Investitionskosten in Höhe von 5,5 Millionen Pfund pro Megawatt sollen in den kommenden Jahren auf knapp die Hälfte sinken. Damit würden sie unter denen für Offshore-Windenergieanlagen liegen. Wo genau die Einsparungen liegen sollen, sagt Atlantis allerdings noch nicht. Denn technisch ist der Betrieb der Anlagen im Salzwasser eine Herausforderung.

Derzeit experimentiert Atlantis mit mehreren unterschiedlichen Technologien und Turbinenarten. [nggallery id=31]

Dass Atlantis sich so stark auf Großbritannien konzentriert, liegt am hohen Potenzial der Gezeitenenergie an den Küsten, vor allem den schottischen. Dort, im Norden des Inselreichs, sollen noch in diesem Jahr die ersten Ein-Megawatt-Mühlen installiert werden. Insgesamt ist dort der Bau von rund 400 Anlagen geplant. Die Investitionskosten sollen bei rund 2,2 Milliarden Euro liegen.

Die Mühlen, die intern AR 1000 genannt werden, gibt es in zwei Bauformen: ein- und zweiflügelig. Sie wiegen jeweils 1500 Tonnen. Am Wendepunkt von Ebbe und Flut werden sie um 180 Grad gedreht, damit sie vom zurück fließenden Wasser angetrieben werden können. Da die Gezeiten genau berechenbar sind, können die Energieanbieter die Ausfälle auf Grund des Wechsels von Ebbe zu Flut und umgekehrt genau einkalkulieren.

Die Anlagen, die jetzt installiert werden, sind, verglichen mit den Test-Mühlen, noch einmal gründlich überarbeitet worden. Denn ein Versuch in Kanada ging gründlich daneben. Die Kraft der Gezeiten zerstörte vor ein paar Jahren die Propeller innerhalb von wenigen Wochen.

Der wohl wichtigste Konkurrent von Atlantis ist Siemens. Die Münchner schicken Seaflow ins Unterwasserrennen. Der Zwei-Megawatt-Prototyp steht im Meer vor der Küste von Strangford Lough in Nordirland. Auch er nutzt die Strömung der Gezeiten. Seaflow besteht aus einem gewaltigen Turm, der im Meeresboden verankert ist, und einer Art Schlitten mit zwei Rotoren, die Windgeneratoren ähneln. Zur Stromerzeugung geht der Schlitten auf Tauchstation, bei Wartungsarbeiten und Reparaturen gleiten er wieder an die Meeresoberfläche.

Dieses Video zeigt eine der Atlantis-Turbinen unter Wasser:



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