Nordsee: Ausbau der Offshore-Windkraft kommt voran

Nordsee: Ausbau der Offshore-Windkraft kommt voran

von Wolfgang Kempkens

Siemens stellt in der Nordsee ein gigantisches Umspannwerk für Offshore-Windstrom fertig - der Koloss wiegt 12.000 Tonnen.

Noch steckt die Offshore-Windkraft in Deutschland in den Kinderschuhen. Windmühlen auf dem Meer liefern derzeit kaum mehr als 600 Megawatt Leistung; fünf Windparks sind in der Nordsee installiert, einer in der Ostsee.

Doch bis 2015 soll sich diese Menge verfünffachen und weitere 4500 Megawatt sind geplant. In der Ostsee sollen es insegsamt 1250 Megawatt werden – das entspricht der Leistung eines großen Kohlekraftwerkes.

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Rund acht Millionen Kilowattstunden Strom werden die Offshore Windparks künftig pro Stunde produzieren, wenn der Wind kräftig weht. Die gewaltigen Strommengen aus Nord- und Ostsee fließen dann über jeweils vier Unterseekabel an Land.

Die Arbeit für die Stromnetzexperten beginnt aber schon vorher: Bei den sogenannten Umspannstationen im Meer, die den Ertrag der Mühlen bündeln. Vom Meer aus muss künftig so viel elektrische Energie verteilt werden, als stünde an jeder der Umspannstationen ein veritables Kernkraftwerk.

Koloss mit 12.000 Tonnen GewichtDie teilweise großen Entfernungen zwischen den Umspannstationen auf hoher See und dem Festland werden mit Hochspannungs-Gleichstromkabeln überbrückt. Das reduziert die Transportverluste bei der Stromübertragung auf drei Prozent. Mit Drehstromkabeln wären sie doppelt so hoch.

Ehe der von den Windgeneratoren erzeugte Wechselstrom auf die Reise an Land gehen kann, muss er also in Gleichstrom umgewandelt werden. Genau das erledigen die Umspannstationen. Ein Konsortium aus Siemens und dem italienischen Kabelspezialisten Prysmian hat im Auftrag des niederländisch-deutschen Netzbetreibers TenneT gerade die zweite von fünf dieser Plattformen fertiggestellt.

Das BorWin2 genannte Ungetüm steht nordwestlich der Insel Borkum. Die schon fertig gestellte Plattform HelWin1 befindet sich in der Nähe von Helgoland. Die übrigen Plattformen sollen bis 2015 betriebsbereit sein.

Die Plattform hat die Werft Nordic Yards in Rostock-Warnemünde gebaut. Mit 72 mal 54 Meter ist sie etwa halb so groß wie ein Fußballplatz. Sie wiegt rund 12.000 Tonnen. Schlepper zogen sie zum Standort, an dem das Fundament vorbereitet war. Es besteht aus sechs Stahlpfeilern mit einem Durchmesser von 2,5 Meter und einer Länge von rund 83 Meter.

Sie wurden gut 20 Meter tief in den Meeresboden gerammt. Mit gewaltigen Schwimmkränen wurde die Plattform hochgehievt und millimetergenau auf das vorbereitete Fundament gesetzt. Die Unterkante des Aufbaus liegt 20 Meter über dem Wasser, sodass er sogar gegen Jahrhundertwellen geschützt ist.

Offshore-Parks sollen Strom für Millionen Haushalte liefernSieben Decks stehen für Technik und ein Wohnquartier zur Verfügung. Auf dem Oberdeck befindet sich ein Hubschrauberlandeplatz. Allein für die Nordsee sind zehn dieser gigantischen Umspann-Plattformen bestimmt, von denen vier bereits im Probebetrieb sind. Neben Siemens kommen auch ABB und Alstom zum Zug.

Der Gleichstrom, der an Land fließt, hat eine Spannung von 250.000 bis 640.000 Volt. Insgesamt übertragen die Plattformen einmal eine Leistung von bis zu 7500 Gigawatt. Das reicht theoretisch für die Versorgung von 15 Millionen Haushalten.

In den Landstationen wird der Gleichstrom in Drehstrom umgewandelt und in die 220.000- und 380.000-Volt-Hochspannungsnetze eingespeist, die derzeit allerdings nur einen Teil dieser Mengen verkraften können.

Um die elektrische Energie zu den Verbrauchern im Westen, vor allem aber im Süden Deutschlands zu transportieren, sollen bis zu 2800 Kilometer neue Hochspannungsleitungen gebaut werden, die Gleichstrom mit einer Spannung von 800.000 Volt transportieren.

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