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Mobilfunk: Internet: Netzausbau per Funk stört TV-Signale und drahtlose Mikrofone

von Jürgen Berke

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will per Funk das Internet beschleunigen – und stört damit Live-Konzerte.

ARCHIV - Die kanadische Quelle: dpa
ARCHIV - Die kanadische Sängerin Peaches in Berlin beim Berlin-Festival (Archivfoto vom 28.07.2007). Gerade ist mit "I Feel Cream" das vierte Album der Kanadierin erschienen. An diesem Samstag (09.05.2009) gibt sie ein Konzert in der Hauptstadt, weitere Auftritte sind in den USA geplant. Quelle: dpa

Peter Maffay hat schon protestiert. Und auch andere Popstars fürchten, dass unkontrolliert brummende Funkmikrofone die Fans bei Live-Konzerten verschrecken.

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Der Zorn richtet sich gegen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der mehr Frequenzen an die Telekom-Konzerne vergeben will, damit Haushalte in unterversorgten ländlichen Regionen bis Ende 2010 Anschluss an das schnelle Internet bekommen.

Am kommenden Freitag soll der von ihm vorgelegte Frequenzbereichszuweisungsplan die letzten parlamentarischen Hürden im Bundesrat nehmen.

Übersehen hat die Bundesregierung offenbar, dass das drahtlose Internet auf Frequenzen funken soll, die für andere Branchen reserviert sind. In dem Frequenzband 790 bis 862 Megahertz senden bis 2015 auch drahtlose Mikrofone, die bei Konzerten, Sportveranstaltungen und TV-Shows im Einsatz sind.

Die Umrüstung der in Deutschland betroffenen 630.000 Mikrofone würde weit mehr als eine Milliarde Euro kosten, rechnet der Verband für professionelle drahtlose Produktionstechnologie (APWPT) vor.

Gestört wird aber auch das Kabelfernsehen, ergaben erste Tests, die das Institut für Rundfunktechnik in München durchgeführt hat. Zu Bildstörungen kommt es sogar dann, wenn nicht nur im selbem Raum, sondern auch beim Nachbarn ein Funkinternet-Gerät im Einsatz ist, heißt es.

Endgültig zur Farce wird die für Ende 2009 geplante Auktion der Frequenzen, weil der Netzbetreiber Airdata aufgrund früherer Verträge Anspruch an ihnen anmeldet.

Er wirft der Bundesnetzagentur eine Verletzung der EU-Vorgaben vor und will „durch alle Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof“ klagen. Airdata erwartet, dass kein Netzbetreiber Frequenzen mit dem Makel eines schwebenden Rechtsstreits ersteigert und dort teure Infrastruktur aufbaut.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.07.2009, 03:11 UhrAnonymer Benutzer: Musiker

    ein schönes Konjunktur-Programm, dass quasi auf "Enteignung" beruht. Wie wäre es denn, wenn stattdessen Diesel nur noch für Firmen zur Verfügung stünde. Schließlich fahren ja nur einige private Diesel-Fahrzeuge und irgendwann endet ja schließlich auch die Lebensdauer eines Autos... und - ohne Abwrackprämie natürlich!

  • 13.05.2009, 11:02 UhrAnonymer Benutzer: Wuppertaler

    @Eberhard Müller: ihre Aussage ist unrichtig. Wenn Sie z.b. auf
    http://www.bundesnetzagentur.de/enid/Mikrofone
    nachlesen, werden Sie sehen, dass nur ein kleiner Teil des Spektrums für drahtlose Mikrofone betroffen ist. Drahtlose Kameras sind überhaupt nicht betroffen. insofern kann auch nur ein kleiner Teil "unbrauchbar und wertlos" werden. Auch das ist indes unrichtig: Teilweise kann man die Geräte auch umcodieren, dass sie unterhalb 790 MHz weiterbetrieben werden können. Die Frequenzen oberhalb 790 MHz sollen auch nicht sofort und nicht flächendeckend betrieben werden. bis überall entsprechendes Equipment vorhanden sein wird, wird es noch viele Jahre dauern. Und irgendwann endet die Lebensdauer eines Funkmikrofons ja auch. Und wenn Sie zurecht anmerken, dass Deutschland ein führender Hersteller ist: Ein besseres Konjunkturprogramm für die von ihnen genannten Firmen gibt es doch gar nicht, als wenn diese neue Mikrofone verkaufen können!

  • 12.05.2009, 19:45 UhrAnonymer Benutzer: Eberhard Müller

    Der vom Kabinett vergebene Frequenzbereich zwischen 790 und 862 MHz liegt entgegen den Aussagen des bitkom-Präsidenten Scheer nicht "weitgehend brach", sondern in diesem Frequenzspektrum liegen alle drahtlosen Produktionsmittel für die Rundfunkanstalten, Theater (Sprechtheater, Oper, Musical usw.) Veranstaltungstechnikfirmen, Hallen, Messen, Kirchen usw.

    Also alle drahtlosen Mikrofone, Kameras, Kopfhörer für Künstler, bühnen usw.

    Deutschland ist hier mit Sennheiser, beyer Dynamik usw. ein weltweit führender Hersteller.
    Durch diese Entscheidung werden alle vorhandenen Produktionsmittel mit einem Schlag unbrauchbar und wertlos. Ganz abgesehen davon, dass keine Show, Fernsehsendung, Parteitag, Messe usw. mehr in der gewohnten Weise im auf der Welt üblichen Standard durchgeführt werden kann. Das "Mutterland der drahtlosen Mikrofonie" fällt zurück ins Kabelwirrwarr der frühen 70er Jahre.
    Die industrie, Künstler, deren Verbände und betroffene Anwender haben einen Verein www.apwpt.org gegründet, der auf dieses Problem aufmerksam machen wollte und die Politik darüber informieren wollte, dass im besagten Frequenzbereich entgegen der Aussagen mancher interessengruppen eben doch sehr viel passiert. in diesem Verein wird versucht, im europäischen Kontext eine Lösung und Einigung zu finden die es ermöglicht, weiter drahtlos zu produzieren und trotzdem breitbandinternet in einem anderen bereich zu nutzen bzw. möglich zu machen.
    Der Verein geht aufgrund von Herstellerzahlen, ca. 700.000 drahtlosen Funkstrecken (Kameras, Mikrofone, Kopfhörer . . .) in Deutschland aus. Auch in unserer Firma sprechen wir von ca. 500 Kanälen mit einem Anschaffungspreis von ca. 5.000,-- € pro Kanal (= 2,5 Mio €).
    Helfen Sie uns dabei, die für drahtlose Produktionsmittel notwendigen Frequenzen im bereich 790 bis 862 MHz weiter störungsfrei nutzen zu können.

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