Desertec-Projekt: Erste Kraftwerke für Wüstenstrom

Desertec-Projekt: Erste Kraftwerke für Wüstenstrom

, aktualisiert 01. November 2011, 22:06 Uhr
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Desertec will bald Anlagen in Nordafrika bauen.

von Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Das Megaprojekt Desertec war lange eine Vision. Jetzt treibt das Konsortium DII das Wüstenstrom-Vorhaben voran - und bereitet die ersten Solaranlagen in Marokko, Tunesien und Algerien vor.

DüsseldorfTrotz Schuldenkrise in Europa und politischen Umbruchs in Nordafrika - die Desertec Industrie-Initiative DII treibt ihr gigantisches Wüstenstromprojekt Desertec voran. "Im Dezember werden wir eine Vereinbarung mit Algerien unterschreiben, um ein weiteres Referenzprojekt auf den Weg zu bringen", sagte DII-Geschäftsführer Paul van Son dem Handelsblatt.

Es ist das dritte Projekt, das DII derzeit vorbereitet. Andere sind in Marokko und Tunesien geplant. Van Son will damit beweisen, dass die Idee funktioniert, Strom fernab in den Wüsten Afrikas mit riesigen Solar- und Windparks zu produzieren und ihn nach Deutschland und andere Staaten Europas zu schaffen.

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Ab morgen wirbt van Son für das Megaprojekt in Ägypten, das er als "Motor für die Region" sieht. In Kairo diskutieren Fachleute aus aller Welt über Desertec. Bis 2050, so die Pläne, könnten die Wüstenkraftwerke "bis zu 15 Prozent des Stroms liefern, der dann in Europa verbraucht wird". Ein Milliardenprojekt, bei dem van Son mit seinem 35-köpfigen Team von der DII in München eine Anschub- und Koordinierungsfunktion übernimmt.

Derzeit bereiten sie einen Roll-out-Plan vor. "Voraussichtlich im Herbst kommenden Jahres können wir die Roadmap ,Eumena 2050' vorlegen", kündigte van Son an. Der Plan unterteilt sich in drei Phasen: In der aktuellen Referenzphase entstehen in Nordafrika die ersten Solarkraftwerke. Danach folgt eine Anlaufphase bis etwa 2035, in der DII die Stromproduktion in größerem Stil testet. Für die Zeit danach erwartet DII, dass sich Wüstenstrom dann auf dem Markt etabliert.

Bis dahin, daraus macht van Son kein Geheimnis, sei das Wüstenstromprojekt dringend auf Steuergeld angewiesen. "Staatliche Hilfen werden wir wenigstens 15 Jahre lang brauchen", schätzt er. Das könne zwar kein Land alleine finanzieren, aber es sei klar, "dass Deutschland als treibende Kraft eine wichtige Rolle spielen" wird.

Die Strategiechefin der DII, Aglaia Wieland, bezeichnet die Finanzierung als "nach wie vor sehr herausfordernd". Das habe weniger mit der Finanzkrise zu tun als damit, dass "wir mit dem Desertec-Projekt neues Terrain betreten".

Das erste Kraftwerk entsteht in Marokko mit einer Gesamtleistung von 500 Megawatt. Das erste Teilprojekt mit 150 Megawatt werde je nach eingesetzter Technik, so van Son, bis zu 600 Millionen Euro kosten. Wie viel die Bundesregierung dazu beisteuert, wollte van Son nicht sagen.


Konkurrenz durch Griechenland

Aber die Industrie scheint mitzuziehen. "Mehr als genug Unternehmen", sagte Strategiechefin Wieland, seien bereit, sich an der Finanzierung des ersten Teilprojekts zu beteiligen. Namen nannte sie nicht. Torsten Jeworrek, Vorstand des DII-Gesellschafters Munich Re, hatte bereits früh die Bereitschaft angedeutet, sich an einem Vorzeigekraftwerk in Marokko zu beteiligen.

Dieses Kraftwerk könnte bereits 2014 den ersten Wüstenstrom nach Deutschland liefern, sagte van Son. Desertec will bestehende Stromtrassen nutzen, über die Marokko heute Strom aus Spanien importiert. Ein weiteres Kraftwerk soll in Tunesien entstehen. Derzeit läuft dort eine Machbarkeitsstudie.

Bremst der gewaltige politische Umbruch in den Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens das Desertec-Projekt? "Nein, in den Ländern rücken die Themen Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit jetzt stärker in den Vordergrund", beobachtet van Son. So habe Algerien eine "180-Grad-Wende" vollzogen. Früher lehnte die Regierung Projekte mit erneuerbaren Energien ab. Inzwischen ist die Bereitschaft gewachsen, mehr Öl und Gas als bisher zu exportieren und dafür Strom mit Sonnenenergie zu produzieren.

So optimistisch ist Nikolai Dobrott nicht. "Durch den politischen Umbruch ist Sand ins Getriebe gekommen", sagt der Geschäftsführer der Beratung für erneuerbare Energien Apricum in Berlin. "Viele Investoren warten erst einmal ab, bis sich neue, sichere Strukturen in Nordafrika entwickelt haben."

Außerdem rücken jetzt andere Regionen in den Fokus der Politik, wie Griechenland. Das Krisenland soll durch das Projekt "Helios" zu einem großen Lieferanten von Strom aus Solarenergie werden. Das gesamte Investitionsprogramm soll rund 20 Milliarden Euro betragen.

Dies könnte das Desertec-Projekt gefährden. "Eine wirkliche Konkurrenz für die Verwirklichung der Desertec-Vision sehe ich nicht - das ist eher eine Ergänzung", gibt sich van Son zuversichtlich. Europa müsse die Energiewende schnell schaffen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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