Werner knallhart: Wie mir DriveNow das Deutschland-Spiel versaute

kolumneWerner knallhart: Wie mir DriveNow das Deutschland-Spiel versaute

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Schön elektrisch durch den Berliner Sommer cruisen - wenn alles funktioniert.

Kolumne von Marcus Werner

Immer wieder gibt es beim BMW-Carsharer DriveNow Probleme bei der Abfahrt zu Beginn der Buchung. Nun hat mir die unzuverlässige Bord-Software sogar einen EM-Abend verdorben. Während andere Fußball guckten, saß ich genervt im knallheißen Linienbus.

Ich sage es nicht gerne, denn ich bin eingefleischter Carsharing-Fan und -Vielnutzer. Ich habe Kundenkonten bei insgesamt vier Carsharern und außerdem beim Elektromotor-Rollersharer EMio. Aber: Wenn es hart auf hart kommt, kann man sich auf die Carsharing-Systeme einfach nicht richtig verlassen. Wer dringend zum Flughafen muss oder einen wichtigen Termin hat, sollte einen üppigen Zeitpuffer einplanen. Oder die U-Bahn nehmen. Oder vorher viel Wasser trinken, um später beim Tränenvergießen nicht zu vertrocknen.

Werner knallhart Neues Carsharing: E-Roller, je doller

Immer die neuesten Autos fahren, immer einen Parkplatz finden und dabei Geld sparen: Mit dem BMW i3 und Elektrorollern steigt Carsharing auf in das nächste Spaßlevel. Selbst auf Dörfern geht es los.

Das Elektro-Auto BMW i3 Quelle: dpa

Es war der Abend des Deutschland-Spiels gegen Polen. Anpfiff 18 Uhr. Das gemeinsame Public Viewing mit Freunden und Kollegen auf einem Gartenfest mit einer riesigen Videowand unter schattigen Bäumen hatte das Potenzial zu meinem persönlichen EM-Highlight. Aber es kam anders. Mir geht gerade der Puls hoch.

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Ein Freund schlug mittags vor: "Hol mich doch um 17 Uhr 25 am Askanischen Platz mit einem Emio ab und wir fahren zusammen weiter."

"Gute Idee." Um 17 Uhr öffnete ich die Emio-App. Ergebnis: Kein freier Elektromotor-Roller weit und breit. Typisch. Ich schrieb eine Vorwarnung: "Komme etwas später mit Auto. Kein Emio."

Ich checkte die App von Car2Go, dem Daimler-Carsharing-Dienst. Ha! Da war ein Smart in Laufweite. Ich klickte auf Reservieren. Der Log-in-Bildschirm öffnete sich. Hä? Wieso um Himmels Willen war ich ausgeloggt? Ich dachte übrigens "um Himmels Willen", weil ich das Passwort nicht mehr wusste. Deshalb! Ich kann schon meine eigene Telefonnummer auswendig und die meiner Eltern und die von der Feuerwehr. Mehr kann ich mir nun wirklich nicht merken.

Ich klickte auf: Passwort vergessen. Die App stellte mir eine schicke E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen in Aussicht. Allein: Sie kam nie an.

Ich klickte wieder auf "Passwort vergessen". Und wieder und wieder. Keine Mail. Um vorzugreifen: Ich wartete insgesamt drei Tage auf die Mail. Vergeblich. Dann rief ich Car2go an. Die Auskunft: "Ja, über die App funktioniert das oftmals nicht."

Wie sich Carsharing auf die Nutzung anderer Verkehrsmittel auswirkt

  • Mietwagen

    29 Prozent der Carsharing-Nutzer fahren seltenere mit einem Mietwagen als früher.

    Quelle: Berylls Strategy Advisors, MM Customer Strategy

  • Taxi

    28 Prozent der Carsharing-Nutzer fahren seltener mit dem Taxi als zuvor.

  • Regionalzug

    Den Regionalzug benutzen 22 Prozent der Carsharing-Nutzer seltener.

  • Bus und Straßenbahn

    15 Prozent der Nutzer von Carsharing-Angeboten fahren seltener mit Bus und Straßenbahn.

  • Pkw

    15 Prozent der Carsharing-Nutzer benutzen seltener das eigene Auto

  • Fernzug

    Seltener mit dem Fernzug fahren zwölf Prozent der Carsharing-Nutzer

  • Fahrrad

    Dafür fahren drei Prozent der Carsharing-Nutzer öfter mit dem Fahrrad.

    Quelle: Berylls Strategy Advisors, MM Customer Strategy

Aber am Fußball-Abend selber gab ich kurzerhand der Konkurrenz den Vorzug. In nicht mehr ganz so fußläufiger Entfernung stand ein BMW i3 von DriveNow. Schön elektrisch durch den Berliner Sommer cruisen - herrlich. In meiner Phantasie.

In der Realität war es eben ein Elektroauto mit einem Bordcomputer mit DriveNow-Software. Wer die kennt, der gibt BMW verloren.

Wobei: Die Reservierung per App funktionierte sofort. Ich marschierte los. Nach knapp zehn hurtigen Minuten mit wehenden Haaren erreichte ich um 17 Uhr 30 den BMW. Die App fragte mich, ob mir neue Schäden am Wagen auffallen würden. Ich sah keinen einzigen. Die App präsentierte mir dann eine ellenlange Liste bereits vorher gemeldeter Schäden, die ich nicht mehr zu melden brauchte. Jesses!

Ich rieb mir die Augen, bückte mich herunter und suchte stichprobenartig einen angegeben Schaden. Wahrhaftig! Da war was! Im Gegenlicht der Sonne schimmerte ein haarfeiner Kratzer. Hätte ich die Liste sorgsam abgearbeitet, ich hätte bis zum Abpfiff gebraucht.

Stattdessen vertraute ich auf mein Glück (nicht gemeldete Schäden des Vormieters werden im blödesten Fall mir als dem neuen Mieter angekreidet), ließ mich in den Sessel plumpsen und wollte gerade meine PIN im Bordcomputer eingeben, als ich sah: Der Computer wollte das nicht. Stattdessen pennte er rum. Irgendwas zwischen Standby und Absturz. Wahrlich nicht das erste Mal in meiner DriveNow-Karriere. War es diesmal mein Fehler? Ich schloss die Fahrertür. Lag es daran? Augenblicklich wurde es stickig und heiß und roch nach Auto.

Warum nutzen Sie Carsharing?

  • Kosten

    Für 43 Prozent der befragten Nutzer ist die Ersparnis gegenüber dem eigenen Auto der ausschlaggebende Grund für das Carsharing.

    Quelle: Arthur D. Little

  • Flexibilität

    25 Prozent der Befragten schätzen die Flexibilität beim Carsharing.

  • Umweltschutz

    Der Umweltschutz beim geteilten und damit besser genutzten Auto ist für 23 Prozent wichtig.

  • Kein eigenes Auto

    Für 16 Prozent der Nutzer ersetzt das Carsharing das eigene Auto.

  • Geschäftsreisen

    Neun Prozent gaben an, Carsharing-Angebote für Dienstreisen zu nutzen – wozu einen Mietwagen buchen, wenn in einigen Städten ein Carsharing-Auto für wenige Euro zu haben ist?

  • Sonstiges

    Ein Prozent der Befragten nannte sonstige Gründe.

Der Bordcomputer tat immer noch keinem Mucks. Er zeigte nur das Logo vom i3 und das Logo von DriveNow. Hübsch. Am liebsten hätte ich laut befohlen: "Drive! NOW!"

Aber was sollten die Passanten denken?

Ich öffnete die App auf meinem Telefon und sah: Die Reservierungszeit drohte abzulaufen. Der Countdown lief unerbittlich abwärts. Dabei saß ich doch schon drin! Noch knapp eine Minute. Dann würde der Wagen für andere buchbar sein. Was soll der verdammte Mist?, dachte ich. Für Schlaueres fehlte mir die Muße. Sollte mir gleich irgendein Fremder das Auto unter dem Hintern weg reservieren können? 24 Sekunden, 23, 22. Ich, ich, ich wusste nicht weiter, ich drückte alle möglichen Knöpfe, öffnete und schloss die Tür. Dann drückte ich voll heißer Panik auf meinem Telefon die Taste für die Verlängerung der Reservierung. Ab jetzt kostete es Geld.

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